Hückelhoven: Lebendige Dorfgemeinschaft in Altmyhl

Hückelhoven : Lebendige Dorfgemeinschaft in Altmyhl

Altmyhl ist Hückelhovens kleinster Stadtteil. Häuser der gut 270 Einwohner schmiegen sich an den Fuß der Halde. Doch hier ist nicht "der Hund begraben", ein Verein hält das Gemeinschaftsleben hoch.

Ende Juli verzeichnete die Statistik für den Ort mit den blauen Bogenlaternen entlang der Dorfstraße 272 Einwohner in 124 Haushalten. Es gibt keinen Kindergarten, keine Schule mehr, die alte Schule dient als Jugend- und Vereinsheim. Dass die Bewohner weiter ihre traditionellen Feste feiern können, darum kümmert sich die "Dorfgemeinschaft Altmyhl zum Erhalt der Dorffeste". Die beginnen mit dem Maibaumsetzen, es folgt ein Sommerfest, und zum St.-Martinszug strömen nach wie vor auch viele Familien aus benachbarten Dörfern herbei. Vorsitzender ist seit drei Jahren Norbert Houben, seines Zeichens Leiter der Feuerwehr Hückelhoven.

"Bevor es gar nichts mehr gibt, fange ich mal an", hatte sich der 48-Jährige bei Übernahme des Amtes gesagt. Mit ihm engagiert sich ein harter Kern von 15, 20 Mann für die Dorffeste. Die Dorfgemeinschaft, kein eingetragener Verein, ist die einzige verbliebene Vereinigung im Dorf. Vor zwei Jahren hat sich der Kapellenverein Altmyhl aufgelöst, die St.-Josef-Kapelle ging in die Obhut der Kirchengemeinde Ratheim über. Es hatte sich kein Nachwuchs gefunden, der sich um die 1932 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Kapelle weiter kümmerte.

Vorläufer der Dorfgemeinschaft war die 1960 aus der Taufe gehobene "Kameradschaft Altmyhl" aus dem früheren Löschtrupp des Ortes. Der wurde in den 1980-er Jahren der Feuerwehr Ratheim zugeschlagen. "Von den älteren Feuerwehrleuten über 80 Jahre leben hier noch drei, die anderen sind verstorben", erzählte Norbert Houben. "Es sind aber viele jüngere Leute dazugekommen." Houben ist vor 19 Jahren von Kirchhoven nach Altmyhl gezogen, seine Frau ist hier aufgewachsen. Polterabend wurde im Jugendheim gefeiert, das damals auch als Disco diente. Der DJ ist heute Hausmeister an einer Schule.

Im Jugendheim feierte die zwölf Mitglieder zählende Kameradschaft im April 2011 ihr 50-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr gab es auch einen Seniorennachmittag im bayrischen Stil. Mehr als 20 Jahre leitete Mechtild Jansen die Kameradschaft, die damals noch monatliche Bürgertreffen organisierte, bei denen aktuelle Themen besprochen wurden. Sie kennt auch noch die "Altmyhler Nationalhymne", das Lied "Wir haben eine Ziege". Als Dorfälteste spielte Mechtild Jansen im Juli 2009 eine Rolle bei dem von einem Privatsender ausgeschriebenen Wettbewerb "Wer wird Wirt": Jansen kündigte vor Fernsehkameras drei "ungleiche Paare" an, die sich um den "Altmyhler Hof" bewerben sollten. Die Produktionsfirma hatte die ganze Dorfgemeinschaft eingeladen zu einem Dorfspiel auf dem Kirmesplatz. Drei "neue Wirtsleute" sollten ihr Konzept präsentieren. "Wie sich herausgestellt hat, war eh alles nur Show", meint Norbert Houben. Heute heißt der Altmyhler Hof "Eventlocation" und wird von Ulla Markert geführt. "Da kann man sehr gut essen gehen", sagt Houben aus Erfahrung.

Geblieben sind die Dorffeste. Um den Maibaum herum, der auf dem Buswendeplatz am Spielplatz steht, treffen sich die Bewohner und trinken ein Bier zusammen. Gesellig ist auch das Sommerfest. "Zwischendurch treffen wir uns zum Grillen", unterstreicht der Vorsitzende das Gemeinschaftsgefühl. Einen schönen Rahmen hatte die Dorfgemeinschaft auch für ein Ereignis Ende 2015 organisiert: Da erschien Bürgermeister Bernd Jansen, um den Lichterbaum der Stadt anzuschalten.

Nachwuchs braucht nun der Heilige im Bischofsgewand: Nach 28 Jahren war Heinz Willi Jansen im November zum letzten Mal als St. Martin durch das Dorf gegangen. Von Haus zu Haus war für die Martinstüten gesammelt worden, die alle Kinder bis 14 Jahre bekommen; Ältere zahlen fünf Euro. "Wir haben in diesem Jahr knapp 700 Euro gesammelt", berichtet Norbert Houben. Davon wurden knapp hundert Tüten gepackt. Die sind auch über die Ortsgrenzen hinaus beliebt: "Es wissen alle, dass es hier gute Tüten gibt." Ein neuer St. Martin ist schon ausgeguckt, verrät der Vorsitzende. "Den müssen wir nur noch überzeugen."

(gala)
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