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L364n: Große Resonanz beim Protestmarsch durch Hückelhoven

Widerstand gegen geplanten Bau der L364n : Große Resonanz beim Protestmarsch durch Hückelhoven

Die Bürgerinitiative „Rettet den Junkerberg“ lud am Neujahrstag zum Waldspaziergang ein. Die Mitglieder engagieren sich gegen den Bau der L 364 neu.

Auf dem hölzernen Schlitten als kleiner Junge waghalsig die so genannte „Todesbahn“ hinunter sausen. Rehen, Hasen und Fasanen begegnen. Mitten im Wald geheime Buden bauen. Später als Erwachsener die wohltuende Stille und die Natur genießen. Rechtsanwalt Achim Ringk verbindet viel mit dem Wald im Naherholungsgebiet Junkerberg. Der Hückelhovener Jurist, der sich in der Bürgerinitiative gegen den geplanten Bau der umstrittenen Umgehungsstraße L 364n engagiert, ist zufrieden mit der großen Resonanz auf den Waldspaziergang, zu dem die Gruppe am Neujahrstag zum zweiten Mal eingeladen hat.

Eigentlich seien zwei Redner vorgesehen gewesen, berichtet Ringk, der von Ehefrau Anke begleitet wird. Wegen der anhaltenden Pandemie habe man aber beschlossen, keine Veranstaltung zu organisieren, sondern interessierte Bürger zum zwang­losen Spazierengehen durch das bedrohte Gebiet einzuladen. Das Einhalten des Mindestabstands und Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wurden für die zahlreichen Teilnehmer zur Bedingung gemacht.

Gerade in der Corona-Zeit sei der Junkerberg wichtig, unterstreicht Ringk, der seit der jüngsten Kommunalwahl dem Hückelhovener Stadtparlament angehört und die Grünen vertritt. Beinahe täglich sei er mit seiner Frau mit dem Fahrrad auf den Feldwegen bis Doveren und Baal unterwegs und sehe dabei viele Menschen, die den Wald aufsuchten. Die Umgehungsstraße in Angriff zu nehmen, sei für ihn „finanziell nicht nachvollziehbar“, sagt der 60-Jährige und schüttelt den Kopf. Und: „Ich bin dankbar, den Wald zu haben. Das Geld braucht die Stadt für andere Dinge.“

Das Argument, das Gewerbegebiet in Lindern durch die Umgehungsstraße L 364n anbinden zu wollen, kann Achim Ringk nicht nachvollziehen. Hierfür sei der vorhandene Anschluss in Dremmen besser zu nutzen, da diese Möglichkeit kürzer und auch kostengünstiger sei. Ein kurzer Zwischenstopp an der selbst gezimmerten Infotafel, die auf die zahlreichen bedrohten Fledermausarten im Junkerberg hinweist. Dirk Kraut hat sie vor einiger Zeit aufgestellt. Der gelernte Krankenpfleger (54) kämpft ebenfalls für den Erhalt der grünen Lunge. Seit rund zwei Jahren gehört er der Bürgerinitiative an. „Der Wald ist wesentlich mehr als nur das Holz, was hier steht“, betont er. Bei sommerlichen Temperaturen biete der Wald drei Grad Celsius weniger an. „Wenn es zum Beispiel 30 Grad heiß ist, hat der Wald nur 27 Grad.“ Feuchtigkeit verdunste hier.

Beim Waldspaziergang mit seiner Tochter hat Kraut ein Reh gesehen. Auch die vom Aussterben bedrohten Fledermäuse benötigten diese Rückzugsmöglichkeit. Dirk Kraut: „Nicht umsonst wird schon das Zerstören einer Fledermausunterkunft mit bis zu 50.000 Euro bestraft.“ Vor 18 Jahren zog der Düsseldorfer in die Region. Der Wald war ihm auch in der Landeshauptstadt schon wichtig. Die Hoffnung, dass im Junkerberg kein Schaden angerichtet werde, hat Kraut, der in Millich lebt, noch nicht aufgegeben. Mit Töchterchen Marlene (sieben Monate) im Kinderwagen und Ehefrau Esther ist Stephan Wein am Neujahrstag im Waldstück zwischen Doveren und Hückelhoven unterwegs. Der Servicetechniker im Außendienst kann sich nicht vorstellen, auf die erholsamen Ausflüge künftig verzichten zu müssen.

Nachbar Mario Klotz führte den Familienvater vor zwei Jahren an die Bürgerinitiative „Rettet den Junkerberg“ heran. „Früher habe ich hier Verstecken gespielt oder die Eltern auf Sonntagsspaziergängen begleitet“, erzählt der 45-Jährige. Das Urteil des Aachener Verwaltungsgerichts, das die Klage des Hückelhovener Landwirts Jürgen Greven abgewiesen hat, empfindet Stephan Wein als „enttäuschend“. Er sagt: „Ich finde es gut, dass weitergemacht wird. Hoffentlich hat Herr Greven am Oberverwaltungsgericht in Münster Erfolg.“ Landwirt Jürgen Greven, der wie einige befreundete Landwirte Areal im betroffenen Gebiet besitzt, hat inzwischen einen Antrag auf Zulassung der Klage am Oberverwaltungsgericht in Münster eingereicht.