Kunstwerk von Gert Jäger im Kreisverkehr in Hückelhoven

Hückelhoven: 20 Tonnen Stahl: Kunst im Kreisverkehr am Landabsatz

Hückelhoven verschönert seine Kreisverkehre. Das erste Kunstwerk ist fertig. Am Landabsatz neben OBI wurde eine Skulptur des Ratheimer Künstlers Gert Jäger präsentiert — drei geschwungene Stahlplatten übereinander.

Kunst im öffentlichen Raum hat in Hückelhoven wieder Gewicht: nicht nur, was das Gewicht angeht – Gert Jägers Skulptur „Die Konstante ist die Veränderung“ ist mit 13 Tonnen Stahl und weiteren sieben Tonnen Stahlbeton im Kreisverkehr „Hückelhovener Hantel“ (so Bürgermeister Bernd Jansen) geerdet. Die Kunsthistorikerin Christine Vogt stellte die Beziehung des neuen Kunstwerks auch als Symbol des Wandels von der Industrie- zur Handelsstadt heraus: Im asymmetrischen Kreisverkehr werde „der Wandel umfahren, nicht laut schreiend, sondern mit Klarheit und Zurückhaltung gegenüber dem Werbe-Umfeld der großen Handelshäuser“. Sie dankte dem Hückelhovener Stadtrat für die Weitsicht, den Kreisverkehr nicht mit einem Baum oder Ähnlichem, sondern eben mit Kunst zu bestücken. Die drei übereinander verbolzten Stahlplatten seien eine für Gert Jäger typische, ortsgebundene Kunst für den Wandel unter dem Motto „gestern, heute, morgen“.

Bürgermeister Bernd Jansen hatte mehr als 150 Interessierte vor Ort begrüßt, einem Ort, der noch vor 20 Jahren als Industrie-Rangierbahnhof gedient habe, heute als Sinnbild des Wandels von der Industrie- zur Handelsstadt seine herausragende Wirkung zeige. Bernd Jansen dankte Rat und Kulturausschuss für die intensive Beratung und Entscheidungsfindung der künstlerischen Gestaltung der vier Kreisverkehre an der Handelsstraße „Am Landabsatz“, der gemeinsam mit einer zehnköpfigen Kommission unter Führung des Canthe-Kunstvereins-Vorsitzenden Helmut Neußer die Auswahl getroffen haben. Er stellte auch das Schaffen des gebürtigen Ratheimers Gert Jäger heraus, der bereits mehrere Skulpturen für das Stadtgebiet Hückelhoven entworfen und ausgeführt hat, so auf dem Hof des Gymnasiums, vor der Ratheimer katholischen Kirche und der Rurinsel zwischen Millich und Ratheim.

„Form, Ort, Materialität – alles gelungen“, wertete Christine Vogt, Chefin der Ludwig-Galerie im Oberhausener Schloss, in ihrer ersten Kunst-Betrachtung in Hückelhoven außerhalb geschlossener Räume (sonst spricht sie nämlich im Alten Rathaus in Ratheim). Gewohnt spritzig in freier Rede stellte sie mit der Materialität ein Thema heraus, das vor rund 30 Jahren in Hückelhoven die Gemüter bewegt, zahlreiche Menschen sogar aufgeregt hat: Das Kunstwerk aus Untertage-Metallteilen der Zeche Sophia-Jacoba im Kreisverkehr Parkhof-/Jülicher Straße, deren Oberflächen unbehandelt blieben, der natürlichen Oxydation unterliegen, vor Jahren als „rostiger Schrotthaufen“ geschmäht. Auch da sei wohl ein Wandel eingetreten, wertete die Kunsthistorikerin die erkennbare Zustimmung zu der „orangenen Farbintensität“ Am Landabsatz, die sich wandeln werde: „lassen wir uns in fünf Jahren von der Farbe überraschen“. Sie gratulierte Gert Jäger zu der Skulptur, die in der Tat eine intensive Harmonie ausstrahlt, mit ihren unterschiedlich gebogenen Stahlplatten übereinander mit ihrer Leichtigkeit auch dem Rechten Winkel der Handelshäuser rundherum einen Kontrast bietet, der nichts Krachendes hat, gar beruhigend wirkt im Verkehrs- und Menschentrubel.

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„Ich bin kein Sprach-, sondern ein Bildender Künstler“, dankte Gert Jäger mit relativ wenigen Worten allen, die zum Gelingen beigetragen haben, wie immer die Ehefrau. Dieser 10. Juni 2018 sei „ein schöner Tag“.

Er habe ganz normalen Stahl für die Skulptur verwendet, der in einer Firma im Westerwald gebogen und in drei Platten mit Bolzen zusammengefügt worden sei – mit einem Spezialtransport sei das Werk in einem Stück nach Hückelhoven gebracht worden, erläuterte Canthe-Künstler Gert Jäger im Gespräch mit der Redaktion. In dem Unternehmen lasse auch der weltweit tätige amerikanische Stahl-Künstler Richard Serra seine Entwürfe fertigen.

Naheliegender der Schlusspunkt des kleinen Festakts, der musikalisch von den Jazzern von „Muckefuck“ bis zur nahe liegenden „Stefans“-Gastronomie gesteuert wurde, wo der Bürgermeister einige Getränke spendierte.