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Katholisches Forum: Garten der Integration in Doveren

Hückelhoven: Integrationsprojekt : Im Garten trägt Integration Früchte

Eine syrische Familie gärtnert mit Freunden in Doveren. Das Integrations-Projekt war eine Idee des Katholischen Forums.

Gemüse und Kräuter, Sonnenblumen und Melonen gedeihen prächtig unter der Sommersonne. Und gedeihlich ist auch das Miteinander der Kulturen, wenn der ehemalige Landwirt Josef Leonards und syrische „Hobbygärtner“ sich um die kleine Parzelle kümmern, die der Doverener dem Katholischen Forum zur Verfügung gestellt hat für ein besonderes Projekt. „Unser Gartenprojekt ist ein kleiner Ansatz zur Integration“, erklärt Vera Goertz-Klumpen, Pädagogische Mitarbeiterin des Forums für Erwachsenen- und Familienbildung Mönchengladbach-Heinsberg. Der 84-jährige Landwirt unterstütze die Idee, „geflüchteten Menschen die Möglichkeit zu geben, in ihrer neuen Heimat Wurzeln zu schlagen“.

Vera Goertz-Klumpen musste beim Forum mit ihrer Idee keine große Überzeugungsarbeit leisten. Doch geeignetes Land galt es zu finden. Forums-Leiter Franz-Josef Unland wusste von der Doverener CDU-Kreistagsabgeordneten und Biologin Christiane Leonards-Schippers, dass ihr Vater schon über Jahre seinen riesigen Garten geteilt hat. Ein Gespräch mit der Familie des Landwirts beendete die lange Zeit der Suche. „Das ist toller Gartenboden, über viele Jahre kultiviert. Und der Landwirt hat ihn sogar gepflügt und mit Kompost gedüngt“, äußerte sich Unland beim Besuch des „Interkulturellen Gartens“ begeistert. Ende April machte sich Vera Goertz-Klumpen mit der syrischen Familie ans Säen und Pflanzen. Naeim Hazzaa, Nawal Alturki und ihre Kinder Omar (18), Oussama (16) und Massa (9) Hazzaa sowie Nour Alzaghtiti und Jabour Dimnkou sind mit Begeisterung bei der Sache. Stolz präsentieren sie auf dem fünf mal zehn Meter großen Nutzbeet, das meterhohe, reich verzweigte Sonnenblumen überragen, das Ergebnis ihres gärtnerischen Fleißes. Dank guter Pflege gedeihen Erbsen, Bohnen, Möhren, Zucchini, Kräuter. Aus exotischen Blüten entwickeln sich Auberginen, daneben prangen Paprika und Chili, Tomaten und Melonen. Von den Gurken sind schon einige geerntet worden, die Kohlpflänzchen haben den Tauben gemundet.

Der ehemalige Landwirt Josef Leonards stellt auch das Wasser zur Verfügung, damit die syrischen Gärtner fleißig gießen können. Foto: Gabi Laue

Zum Bewirtschaften der Fläche hat Vera Goertz-Klumpen mit den Flüchtlingen einen Pflanzplan erstellt, weil sich nicht alle Gemüsesorten nebeneinander vertragen. Josef Leonards stellte einen Anhänger mit Regenwassertank neben das kleine Feld, damit die Gießkannen immer frisch gefüllt werden können. Und er steht mit Rat zur Seite: Die Kohlsetzlinge etwa hätten gegen Vögel abgedeckt werden müssen. Sein Enkel zimmerte eine Gartenbank, auf der sich im Schatten eines großen Baumes gut rasten lässt. Zwei Esel vom Nachbargrundstück schauen neugierig herüber. Nawal, die vor zweieinhalb Jahren aus Damaskus nach Deutschland kam, und ihre Familie kommen mit dem Bus oder zu Fuß von der Hückelhovener Rheinstraße nach Doveren. Weil sich Gäste angesagt hatten, hat sie Gebäck mit süßem Dattelinhalt und gefüllte Weinblätter mitgebracht. Die Blätter stammen von Leonards’ Hof. Das fröhliche Miteinander zeigt: Hier ist die Saat in doppeltem Sinne aufgegangen. „Die Syrer sind ganz glücklich über dieses Fleckchen Land“, unterstreicht Vera Goertz-Klumpen.

Nawal Alturki zeigt stolz die Gurken, von denen sie schon einige ernten konnte. Foto: Gabi Laue

Nawal und ihr Mann waren Lehrer, ihre Freunde Metallbauer für Fenster und Türen. Gartenarbeit kennen sie auch aus ihrer Heimat. Und Josef Leonards pflegt ebenfalls einen herzlichen Umgang mit den neuen Gärtnern. „Anfangs haben mich Leute gewarnt: Pass auf, dass die nicht deine Sachen...“, sagt er und macht eine „zapzarap“-Handbewegung. „Aber das ist kein Problem.“ Das Forum wäre froh, wenn sich noch weitere Menschen melden, die ein Stück Garten abtreten könnten. Gemeinsam arbeiten und ernten, das stärke die menschlichen Beziehungen, erklärt Franz-Josef Unland. Es gehe um Begegnung, Selbstversorgung, und, das zeige die gastfreundliche Bewirtung: „Die Menschen geben auch etwas zurück.“