Hückelhoven: Joseph Moog begeistert bei "Klavier entlang der Rur"

Hückelhoven : Joseph Moog begeistert bei "Klavier entlang der Rur"

Der 30 Jahre alte Ausnahme-Solist wartet in der gemeinsamen Konzertreihe von con brio, VHS und Musikschule Heinsberg mit technischer Bravour und einfühlsamer Interpretation auf.

"Wonderful" war die Zugabe, "wonderful" stand aber über dem ganzen Frühabend in der Hückelhovener Aula, als der junge Pianist Joseph Moog im Rahmen der Reihe "Klavier entlang der Rur" (von con brio, VHS und Jugendmusikschule Heinsberg) ein Konzert der Extraklasse gab. Und das etwa 100-köpfige Publikum mit seinem Talent, Werk-Einfühlungsvermögen und Brillanz beeindruckte, und das mit Werken von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven, Frederic Chopin und Franz Liszt - in mehr als anderthalb Stunden ausnahmslos auswendig gespielt.

Der 30-jährige Sohn eines Orchestermusiker-Paars aus Ludwigshafen, das für ihr 13-jähriges "Wunderkind" einen Plattenvertrag abgelehnt hatte, um dessen nachhaltige Entwicklung zu fördern, zeigte die Früchte einer solch konsequenten Haltung, die Ausbildung gleichrangig neben das Talent stellt. Rudolf Lengersdorf hatte als Vorsitzender der veranstaltenden Kammermusikfreunde "con brio" den jungen und bescheiden auftretenden Mann als einen der führenden Pianisten Europas begrüßt, der in Kürze bei der größten Klavierkonzertreihe der Welt, dem "Ruhr-Klavierfestival", einen Abend (24. Juni) mit den Bochumer Symphonikern bestreiten wird.

Zahlreiche Preise renommierter Institutionen markieren die Karriere des Pianisten, dem "exquisite Virtuosität und reife, tiefgründige und intelligente Musikalität" bescheinigt wird, die er in den sechs Stücken plus Zugabe belegen konnte, von Beifall und Jubel belohnt.

Dass Joseph Haydn seine "Fantasia in C" "bey launigter Stunde", so die Selbstauskunft, verfasst hat, wurde schon bei den ersten Tönen nachvollziehbar, die zehn Minuten Spielzeit gaben Joseph Moog bereits die Möglichkeit, sein ganzes Können an den Tasten abzurufen.

Das war beim zweiten Stück, Beethovens "Sonate Nr. 8 op.13 in C-Moll", auch "Pathétique" bezeichnet, ebenso gefragt, in den drei Sätzen mit regelrechten Tontürmen, die zusammenfielen, mit Tönen wie auf Samtpfoten und dann wieder regelrechten Treib-Sätzen.

Frederic Chopins "Scherzo Nr.1 op.20" eröffnete nach der Pause mit Fortissimo, wurde romantisch-träumerisch, legte regelrechte Knalleffekte dazwischen - Joseph Moog belegte seine frühe Meisterschaft allein mit dem Werk. Traumverlorenheit und Dramatik dann in der "Nocturne op.15 Nr.2", einer Art Ode an die Nacht, die Themen intensiv-beeindruckend in die Tasten platziert.

Der brillante Schlussbogen mit drei Sonetten von Franz Liszt, komponiert auf Gedichte von Francesco Petrarca, Frühhumanist und Frührenaissance-Dichter, vom Textrhythmus fantasiefüllend umgestaltet mit Tastenakrobatik in perlendem Tempo - kongenial vom Pianisten in den Klangkörper Aula gebracht, mit Beifall und Jubel belohnt. Liszts "Ungarische Rhapsodie Nr.12" mit der typischen Mischung aus Melancholie und mitreißend-wirbelndem Tanz beschloss einen Klavierabend mit einem Künstler, der bleibenden Eindruck hinterließ.

Mit "Wonderful" von George und Ira Gershwin wählte Joseph Moog ein Lied für ein Musical als heiteres Ende eines milden Frühsommerabends, dem man sich eine Wiederholung oder Variante in Hückelhoven wünschte.

(RP)
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