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Jorge und Ruth Klapproth aus Hückelhoven: In 28 Tagen durch Europa

Jorge und Ruth Klapproth aus Hückelhoven : In 28 Tagen einmal quer durch Europa

Jorge Klapproth hat sich einen Traum erfüllt und ist mit dem Motorrad vom Nordkap bis Griechenland gefahren. Ehefrau Ruth war derweil auf Fotoreise durch Frankreich. Beide haben Unvergessliches erlebt.

„Das wird das Abenteuer meines Lebens“, hatte Jorge Klapproth vor einigen Wochen gesagt, als er über seine Motorradtour quer durch Europa sprach. Einen Monat lang wollte er unterwegs sein, auf zwei Rädern, nah an der Natur, den Fahrtwind spüren und ordentlich Strecke machen. Bis hoch zum Nordkap und anschließend bis ans andere Ende des Kontinents zum südlichsten Punkt Europas sollte es gehen, so der ambitionierte Plan des Hückelhoveners. Dafür hatte er sich eine zeitliche Begrenzung von einem Monat gegeben – die er am Ende nicht mal ausgeschöpft hat.

28 Tage war Jorge Klapproth unterwegs und hat dabei die anvisierten rund 13.000 Kilometer abgerissen, ohne je den Eindruck gehabt zu haben, in Eile gewesen zu sein. Für die einzelnen Tage hatte er sich bewusst keine Ziele oder Vorgaben gesetzt. „Ich hatte nur eine Richtung“, sagt er, und ist dann jeweils so weit gefahren, wie er Lust hatte und sich gut fühlte. Die körperliche Konstitution sei eine der großen Unbekannten gewesen. Auch wenn er ein erfahrener Motorradfahrer ist, eine Tour diesen Ausmaßes war auch für den Hückelhovener etwas Besonderes. Etwas, das vermutlich nur einmal im Leben kommt. Die zweite große Unbekannte war das Coronavirus. Doch in keiner Stadt, an keiner Grenze habe es in irgendeiner Form Probleme gegeben. „Der europaweit einheitliche digitale Impfnachweis ist eine sehr gute Sache“, betont er.

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Erstes Ziel war das Nordkap. „Das ist der Traum eines jeden Motorradfahrers. Morgens um halb fünf ganz alleine dort zu stehen und es ist taghell – das war schon sehr surreal“, sagt Klapproth. Über Skandinavien und das Baltikum führte der Weg nach Polen, wo Jorge den Geburtsort seines Urgroßvaters aufgesucht hat. Über die „fantastischen Bergwelten“ der verschiedenen Länder des Balkans ging es immer weiter gen Süden bis nach Griechenland. Der dort eingeplante Reifenwechsel war nicht notwendig.

 Die Klöster von Meteora in Griechenland haben Jorge Klapproth nachhaltig beeindruckt. Sie zählen zum Unesco-Welterbe.
Die Klöster von Meteora in Griechenland haben Jorge Klapproth nachhaltig beeindruckt. Sie zählen zum Unesco-Welterbe. Foto: Jorge Klapproth

Der Tag, an dem er den (abgesehen von den Kanaren) südlichsten Punkt Europas auf der griechischen Insel Gavdos erreichte, führte ihn an die körperlichen Grenzen. „Ich bin zweieinhalb Stunden quer über die Insel Kreta gefahren, um von dort mit dem Boot überzusetzen“, schildert er. Die Maschine musste auf Kreta bleiben, also ging es mit Jacke, Helm und Rucksack bei großer Schaukelei nach Gavdos. Dort angekommen gab es nicht wie erwartet ein Taxi, sondern nur ein paar Busse. „Ich bin bis zu einer Taverne gefahren, von dort aus waren es etwa viereinhalb Kilometer über Stock und Stein“, sagt er. Wege gab es keine, nur eine Richtung, und das bei brütender Hitze. Jacke und Helm hatte er in der Taverne gelassen. Viel Zeit, um die Ankunft und das erreichte Ziel zu genießen, blieb aber nicht, schließlich musste er noch wieder zurück, um das letzte Boot nach Kreta zu erwischen. Mit den letzten Wasserreserven schleppte er sich zur Taverne. „Das muss ein schlimmes Bild gewesen sein. Sie riefen ‚Der Deutsche braucht Wasser‘“, erinnert sich Klapproth und lacht.

Auch nach dem großen Höhepunkt hatte die restliche Reise aber noch weitere Highlights parat, etwa die Klöster von Meteora, die Strecke an der Adria-Küste entlang oder die Alpenüberquerung. „Es war einfach großartig, eine richtig tolle Tour. Davon werde ich mein Leben lang zehren“, sagt Jorge Klapproth. Auch jetzt, fast zwei Monate nach dem Ende der Tour, ist das Erlebte für den Hückelhovener sehr präsent. Für seinen Youtube-Kanal „Falcon Rey“ produziert er Videos von seiner Reise. Dies im Hinterkopf habe ihm während der 28 Tage immer wieder neue Energie gegeben.

Lehrreich war die Tour ebenfalls. „Ich habe das Gefühl von Freiheit sehr genossen und hatte wenig Einflüsse von Werbung. Kein Radio, keine Musik, nur das Motorengeräusch“, sagt Klapproth. Teilweise habe er sich auch wie auf einer kleinen Zeitreise gefühlt, als er durch kleine Dörfer mit Pferdefuhrwerken fuhr. „Da war das Wohlstandsgefälle sehr präsent“, sagt er.

Während Jorge Klapproth insgesamt 23 Länder durchquerte, hat sich seine Ehefrau Ruth auf ein Land konzentriert, das nicht auf dem Weg ihres Gatten lag: Frankreich. In einem zum Camper umgebauten VW T5 wollte sie das Land umrunden. „Direkt an der Atlantikküste konnte ich kaum fahren, die ‚Küstenstraße‘ war noch einige Kilometer vom Meer entfernt“, sagt sie.

 Die Fotoreise führte sie auch in Hückelhovens Partnerstadt, wo eine Straße nach der ehemaligen Zechenstadt benannt ist.
Die Fotoreise führte sie auch in Hückelhovens Partnerstadt, wo eine Straße nach der ehemaligen Zechenstadt benannt ist. Foto: Ruth Klapproth/RUTH KLAPPROTH

Ein erster Stopp war Hückelhovens Partnerstadt Breteuil-sur-Iton, wo sie es sich nicht nehmen ließ, ein Foto in der Rue d‘Huckelhoven zu machen. Auch Mont Saint Michel stattete sie einen Besuch ab, einer Gemeinde, in der sie in ihrer Jugend schon einmal war. Zu den Highlights der Reise zählen aber auch Abstecher nach Spanien und in die Schweiz. „Ein Bild von mir hing in einer Ausstellung in Barcelona, das habe ich abgeholt“, erklärt die Fotografin, die auch für unsere Redaktion arbeitet. Nach Montreux führte sie die Liebe zur Musik, wo eine Statue des Queen-Sängers Freddie Mercury steht. Ihr Wunsch, Camargue-Pferde vor die Linse zu kriegen, sei etwas knifflig gewesen, doch am Ende habe auch dies geklappt – wenn auch nur aus einiger Entfernung.

„Schön und anstrengend“ – so lautet das Fazit der Reise. Durch die Arbeit mit den Fotos im Nachgang werde die Reise rückblickend immer schöner, auch wenn sie weniger Bilder gemacht hat, als sie es erwartet hatte. Das liege auch daran, dass sie oft nicht einfach so anhalten konnte. „Wenn man zu zweit unterwegs ist, kann einer auch während der Fahrt fotografieren“, sagt sie und freut sich daher auch auf künftige Reisen zu zweit. Vielleicht ja noch einmal nach Frankreich, schließlich gebe es dort einige Ecken, wohin Ruth Klapproth gerne noch einmal zurück möchte.