Jahreskonzert mit Bergmanns-Akzenten in der Hückelhovener Aula

700 Zuhörer in Hückelhoven : Jahreskonzert mit Bergmanns-Akzenten

Die Bergkapelle Sophia-Jacoba begeisterte in der restlos ausverkauften Hückelhovener Aula mehr als 700 Zuhörer. Stefan Amels als neuer Vorsitzender schlug auch ernste Töne an.

Zum Schluss, nach zweieinhalb Stunden, sangen sie gemeinsam mit ihren mehr als 700 Zuhörern das traditionelle Steigerlied. Bergmännische Akzente und eine musikalische Hommage an die Kumpel und ihre längst vergangene Untertagewelt setzte die Bergkapelle Sophia-Jacoba auch schon zu Anfang mit dem Steigermarsch, einem von Hans-Gerd Klesen komponierten feierlichen Konzertmarsch.

Das schon seit Tagen restlos ausverkaufte Jahreskonzert des beliebten Ensembles mit mehr als 50 Mitwirkenden war einmal mehr gesellschaftlicher Treffpunkt - frühere Belegschaftsmitglieder der 1997 geschlossenen Zeche kamen in die Aula, Fans der Bergkapelle, Abordnungen befreundeter Brauchtumsvereine wie Barbara-Knappen, Mineralien- und Bergbaufreunde, der Ring Deutscher Bergingenieure (RDB) oder der Vorstand des Fördervereins Schacht 3. Bürgermeister Bernd Jansen, Landrat Stephan Pusch und Landtagsabgeordneter Thomas Schnelle mit Ehefrau Sandra nahmen in der ersten Reihe der Aula Platz, um sich vom anspruchsvollen wie abwechslungsreichen Konzertprogramm der von Rolf Deckers geleiteten Bergkapelle verzaubern zu lassen.

Moderator Wolfgang Tischtau lud das erwartungsvolle Publikum dazu ein, „gemeinsam in eine andere Welt aufzubrechen“. Mit launigen Ansagen und erheiternden Witzen unterhielt er die zahlreichen Zuhörer. In die 1930er Jahre entführten Deckers und seine Musiker mit Josef Rixners anspruchsvoller Bagatelle-Ouvertüre. Der Traditionsmarsch Großherzog Friedrich von Baden, komponiert von Karl Haefele, beinhaltete schmissige Militärklänge.

Fantasievoll ging es bei „La Storia“ aus der Feder des niederländischen Komponisten Jacob de Haan zu, die den Zuhörer einlud, eine eigene Geschichte zu dem musikalischen Hörerlebnis zu ersinnen. Vom Gefühl des Verlassenseins und der Ungewissheit handelte die Interpretation von Mariah Careys bekannter Pop-Ballade „Without you“ mit einem Solo für englisches Horn. Traurigkeit und Melancholie bestimmten diese Darbietung.

Jiddische Klezmer-Klänge mit einem mitreißenden Wechsel aus Fröhlichkeit und Melancholie mit Hochzeitstanz, Rundtanz sowie Scherentanz gehörten ebenfalls zum umfangreichen Programm der Gastgeber. Nach der Pause begeisterten die Mitglieder der Bergkapelle mit dem 1926 komponierten Marsch „Jubelklänge“ von Ernst Uebel. Impressionen eines malerischen Bergpanoramas ließ die schmissige Finkensteiner Polka entstehen. „Euphoria“, ein Konzertmarsch von Martin Scharnagl, drückte Lebensfreude aus. Und dann wechselten die musikbegeisterten Frauen und Männer ins Zeitgenössische: „The Rat Pack on Stage“ - Songs à la Dean Martin, Sammy Davis jr. oder Frank Sinatra, darunter „Something stupid“ und „Hello Dolly“. Mit „Ticket to Ride“ unternahm die Bergkapelle Sophia-Jacoba eine rasante Zugfahrt mit den legendären Beatles.

Nach der Hommage an die vier „Pilzköpfe“ aus dem englischen Liverpool verabschiedeten sich Rolf Deckers und sein Ensemble mit dem Medley „PUR in Concert“. Ohne Zugabe durfte die Bergkapelle nicht von der Bühne. Ein Wiedersehen mit dem überaus beliebten früheren Werksorchester gibt es am 12. Mai, 11 Uhr, beim Frühschoppenkonzert an Schacht 3. Der Eintritt ist dann frei.

Stefan Amels, der neue Vorsitzende der Bergkapelle Sophia-Jacoba, nutzte die Gelegenheit, um sich beim Publikum vorzustellen. Der Familienvater aus Lövenich (52) berichtete, dass er bereits vor 45 Jahren zur Musik gekommen sei. Der Tenorhornspieler kam vor zehn Jahren zur Bergkapelle. „Seit dieser Zeit bin ich mit Begeisterung dabei. Ich wurde in den Reihen der Musiker herzlich aufgenommen und fühle mich sehr wohl.“ Obwohl selbst nie bei Sophia-Jacoba angestellt, sei ihm das Orchester schon im Kindesalter ein Begriff gewesen. Amels: „Es war immer ein Garant für musikalische Qualität.“

Mit guter Musik an die bergmännische Tradition zu erinnern, sehe er heute als Verpflichtung der Kapelle an. Amels bat die Anwesenden, Fördermitglied zu werden. Mit dem Aus für den gesamten Steinkohle-Bergbau in Deutschland stehe man nun vor einer Neuorientierung.

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