Jagdhornbläsercorps Ratheim hat Nachwuchssorgen: nur noch 15 Mitglieder

Jagdhornbläsercorps Ratheim : Den Bläsern geht der Nachwuchs aus

Die Jagdhorn-Bläsergruppe Ratheim hat nur noch 15 Mitglieder. Geprobt wird in der Sporthalle Im Weidengrund.

Es geht Sportvereinen ebenso wie Karnevalsgesellschaften oder anderen Vereinen so: Es wird in der heutigen Zeit immer schwerer, Nachwuchs zu bekommen. Da geht es den Jagdhornbläsern Ratheim nicht anders, wie deren Vorsitzender Alfred Pillich und Chorleiter Heiner Jennissen unisono betonen. „Wenn es schon im Sportbereich immer weniger Anmeldungen von Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen gibt, was sollen wir da als ,Exoten’ erst machen,“ sagt Alfred Pillich. Sprichwörtlich in das selbe Horn bläst Jennissen: „Wir können einfach nur versuchen, stärker an die Öffentlichkeit zu gehen, sonst verschwinden wir irgendwann komplett in einer Nische.“

Der im Jahr 1977 gegründete Verein, der dem Hegering Hückelhoven und somit der Kreisjägerschaft Heinsberg angehört, hat aktuell nur noch 15 Mitglieder, was teilweise fatale Folgen hat, wie Alfred Pillich erklärt: „Wir haben mittlerweile ein großes musikalisches Repertoire anzubieten. Da ist es jammerschade, wenn wir manche Wünsche nicht erfüllen können, weil einige Mitglieder verhindert sind.“

Das liege daran, dass die Ratheimer Gruppe drei Horn-Arten spielt. Das Fürst Pless mit Ventil (ähnlich einer Trompete), das Fürst Pless ohne Ventil und das Parforcehorn. Für die zum Teil anspruchsvollen Stücke müssen alle drei Hornarten vertreten sein, da ansonsten die Qualität enorm leidet. Aus dem Grund konnte einmal ein Termin im Dom zu Mainz nicht angenommen werden.

Die Ratheimer Gruppe versteht es, mit Spaß und Freude an die Sache zu gehen, ohne dabei aber die Grundregeln einer Bläsergruppe aus den Augen zu verlieren. „Alles zu seiner Zeit“, meint Chorleiter Jennissen, der weiter ausführt: „Natürlich ist eine gewisse Ernsthaftigkeit eine Grundvoraussetzung. Da wir ein Ausbildungsverein sind, kann man als Interessierter hier von der Pike auf lernen, ohne dass anschließend der Zwang besteht, nach der Ausbildung dem Verein als Mitglied beizutreten.“ Eine Prämisse der Ratheimer ist “das jagdliche Kulturgut zu fördern, in Form der Pflege des jagdlichen Brauchtums und des Jagdhornblasens. Auch wenn die „teilweise wilden Anfangsjahre vorbei sind“, betont Pillich „dass wir trotz der hohen Ansprüche, die wir an uns selbst stellen, nie die Freude vergessen wollen. Dies sei besonders der Fall, wenn die Ratheimer für spezielle Ereignisse angefragt werden, sei es bei Hochzeiten, Jubiläen, oder auch Beerdigungen. Glanzpunkt war ein Auftritt im Kölner Dom. „Nicht nur einmal habe ich in den Augen der Zuhörer das ein oder andere Tränchen gesehen,“ sagt Alfred Pillich.

Zum Abschluss einer Ausbildung muss der Bläser oder die Bläserin die allgemeinen Jagdsignale, die Jagdleitsignale und die sogenannten Totsignale auf dem Instrument beherrschen. Höhepunkt einer jeden Jagdsaison ist die Hubertusmesse, die von den Ratheimern am Hubertustag (3. November) im Dom St. Gangolf in Heinsberg gefeiert wird.