Hückelhoven: Internationale Klasse macht Schule bunt

Hückelhoven : Internationale Klasse macht Schule bunt

Schon 40 Kinder aus Zuwandererfamilien ohne Deutschkenntnisse hat die Mühlenbachschule Baal auf den Besuch von Regelklassen vorbereitet. Positive Bilanz der besonderen Förderklasse, die aktuell 18 Kinder beim Lernen unterstützt.

Sie kommen aus Syrien, Russland, Rumänien oder Spanien. Lernbegierig sind die Jungen und Mädchen, die mit ihren Familien nach Deutschland gekommen sind. Doch die Sprache müssen sie sich erst aneignen, oft auch das ABC und Schreiben. Die Mühlenbachschule in Baal hat im Schuljahr 2015/2016 eine internationale Vorbereitungsklasse für zugewanderte Kinder eingerichtet. Bis heute sind 40 Kinder hier fit gemacht worden für das Lernen in der Regelklasse oder der weiterführenden Schule. Wie sie mit eigens angeschafftem Material individuell gefördert werden, erläuterte Rektor Dieter Frohnhofen gestern.

Aktuell werden 18 Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet, altersgemischt in zwei Gruppen, stundenweise in der Deutsch-Förderklasse spielerisch und alltagsbezogen unterrichtet. In der Klassengemeinschaft entsteht dann auch Kontakt zu den anderen Kindern. 173 Jungen und Mädchen sowie 15 Lehrer zählt die Mühlenbachschule, die insgesamt 40 Menschen beschäftigt. Frohnhofen ist sehr zufrieden mit der finanziellen Unterstützung des Schulträgers, der Stadt Hückelhoven. Den Start der internationalen Klasse - derer gab es nur vier im Kreis Heinsberg - erleichterten 1500 Euro, von denen kreative Lernmittel ausgesucht werden konnten. Die ersten der insgesamt 40 bisher betreuten Kinder haben schon an weiterführende Schulen wechseln können. Der Rektor empfindet die Deutsch-Förderkinder als Bereicherung: "Der Umgang mit den zugewanderten Kindern hat unser Schulleben bunter gemacht." Auch Astrid Petry, die Schulaufsichtsbeamtin für Hückelhoven und Wassenberg, ist beim Besuch in der Förderstunde begeistert von dem Konzept: "Das ist Integration pur."

Im sozialen Bereich geht das Engagement der Schule über Deutsch-Lehren hinaus. Laut Frohnhofen werden bei Bedarf Hausbesuche gemacht, Schwierigkeiten im Alltag angegangen. Handlungsorientiert und alltagsnah - so ist auch die Förderung im Computerraum, wo Kinder zu zweit an Tischen sitzen und "einkaufen" spielen. Vor sich Gegenstände, Zettel mit Namen der Dinge, Redewendungen wie "Haben Sie..." "Ich möchte..." und eine Preisliste, denn am Ende wird addiert. Man sieht den Kleinen an, wie viel Spaß sie daran haben. Sonderpädagogin Rita Bresser und Anne Worms, pensionierte Berufsschullehrerin, helfen ihnen. Ein Junge ist erst seit einer Woche da. Ideal für ihn ist der Ting-Stift, der bei Berührung eines Bildes verrät, was abgebildet ist: "mein Fuß", "mein Arm", "Ich habe Halsschmerzen", sagt der sprechende Hörstift, der mit Kopfhörern im Deutschunterricht auch leise zu benutzen ist. "Ganz stolz sind die Kinder auf ihr eigenes Arbeitsmaterial, mit dem sie auch Hausaufgaben gestellt bekommen", sagt Rita Bresser, "oft bekommen sie Schultaschen und Mäppchen." Sie zeigt die bunt bebilderten Hefte "Willkommen in Deutschland". Zahlen und ganze Worte werden geübt. "Wir legen Wert darauf, dass sie in ganzen Sätzen arbeiten", so Bresser. Einzahl, Mehrzahl, konjugieren - vor allem die Artikel sind ein großes Problem. Aber die Augen der Kinder leuchten beim Ausprobieren dessen, was sie schon können.

(gala)
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