Hückelhoven: Im Rollstuhl auf Rampe angewiesen

Hückelhoven: Im Rollstuhl auf Rampe angewiesen

Rollstuhlfahrer sind auf Niederflur-Linienbusse mit Rampe angewiesen. Ihr Problem: Gerade am Wochenende sind oft Reisebusse unterwegs, in die Rollstühle nicht hineinkommen. Fahrten müssen bei der West zeitig angemeldet werden.

Ein spontaner Sonntagsausflug zu den Freunden nach Baal? Das ist für Norbert Voigt (57) ein schwieriges Unterfangen. Der seit seiner Geburt Behinderte ist auf einen Elektrorollstuhl angewiesen. Und mit dem kann er nicht jederzeit und überall den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Das Problem besteht vor allem an Wochenenden, denn dann setzt die West Verkehr häufig Auftragnehmer ein, die auf den Linien mit normalen Reisebussen verkehren. Mit Voigt und den anderen Busunternehmern steht die West in Kontakt, um an dem Problem zu arbeiten.

Norbert Voigt, der an der Dinstühlerstraße in einer behindertengerechten Parterrewohnung mit Terrasse wohnt, will nicht nur meckern: "Es hat sich vieles positiv entwickelt, man kommt als Rollstuhlfahrer immer besser weg", betont er. Die Mobilität für Behinderte war auch schon mehrfach Thema am "Runden Tisch" und im Teilhabekreis. Beim Multibus findet er es "eine klasse Sache, dass ihn auch Rollstuhlfahrer benutzen können mit Rampe oder Hebebühne". Der aber fährt nur da, wo kein Linienbus unterwegs ist. "Die Schwierigkeiten beginnen", so Voigt, "wenn ich mal spontan Freunde besuchen will."

Es hakt immer wieder, berichtet der 57-Jährige, vor allem samstags und sonntags auf den Linien 402 (Heinsberg-Erkelenz) und 495 (Wassenberg-Katzem). Im Januar stand ein älterer Nachbar um 17.58 Uhr in Baal und wollte zurück nach Hückelhoven. Er habe den Linienbus nicht nutzen können und sich entschlossen, in Dunkelheit und Kälte mit seinem Rollstuhl zurückzufahren. Ein syrischer Freund im E-Rollstuhl, der nach Heinsberg zum Deutschkursus muss, sei einmal von hilfsbereiten Mitfahrenden in einen Bus ohne Rampe getragen worden. Voigt passierte es, dass an einem Samstagmittag zwar ein Niederflurbus die Haltestelle ansteuerte, aber der einzige Rollstuhlplatz von einem anderen Behinderten bereits besetzt war. Ein andermal hatte der Bus keine Rampe an Bord. Gerade an der Haltestelle Seniorenwohnpark Jülicher Straße könnte der Bedarf steigen. Denn in der Nähe hat die Lambertus gGmbH die "junge Pflege" eingerichtet, wo etliche Rollstuhlfahrer leben. Als Norbert Voigt Bürgermeister Bernd Jansen sein Problem schilderte, vermittelte er den Kontakt zur West Verkehr.

Von dort erhielt er eine E-Mail: "Wir werden alles in unserer Macht Stehende unternehmen, dass Sie gut und sicher mit uns fahren können", hieß es. Und weiter: "Das Thema Barrierefreiheit ist seit einigen Jahren (zum Glück) sehr präsent in der öffentlichen Diskussion und wir freuen uns, dass wir schon so viel erreichen konnten (niederflurige Fahrzeuge, verschiedene Farben in den Fahrzeugen zur besseren Sichtbarkeit, Einrichtung von Sicherungsmöglichkeiten für Rollstühle in den Fahrzeugen). Das alles hat die Möglichkeiten für Sie als Betroffenen natürlich deutlich verbessert. Wir werden auch weiterhin daran arbeiten, das Thema Barrierefreiheit im Öffentlichen Personennahverkehr im Allgemeinen und bei uns im Besonderen auszubauen. So wurden unsere Mitarbeiter auch bereits sensibilisiert, was die Bedürfnisse von behinderten Menschen betrifft."

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West Verkehr empfahl, dass Behinderte ihre Fahrtwünsche rechtzeitig anmelden. "Je früher Sie diese Möglichkeit nutzen, desto besser sind unsere Möglichkeiten, Sie hier zu unterstützen." Das geschehe am günstigsten einen Tag vor der geplanten Fahrt, erklärte Udo Winkens, Geschäftsführer der West Verkehr, auf Nachfrage. Er kennt das Problem. Die West werde die Subunternehmer auffordern, nach Möglichkeit Niederflurfahrzeuge mit Rampe einzusetzen. "Das Busunternehmen Cremers hat uns das schon zugesagt", so Winkens.

Jeden Morgen werden die Busse nach festen Umläufen eingeteilt. "Aber wir haben die Möglichkeit einzuwirken und stehen in ständigem Kontakt." Nach Anmeldung könne man einen geeigneten Bus auf der gewünschten Linie einplanen. Es gebe aber Unternehmen, die nicht über eine Rampe verfügen. Als Lösung bei fehlender Beförderungsmöglichkeit nennt Norbert Voigt das Münsterland als vorbildlich. "Sollte die Mitfahrmöglichkeit aus Platzgründen einmal wirklich nicht möglich sein, bestellen wir Ihnen soweit möglich ein behindertengerechtes Taxi und übernehmen als RVM die Rechnung", verspricht die dortige RVM auf ihrer Homepage.

Udo Winkens wies auf den Flyer "Mobil in allen Lebenslagen" hin mit Tipps für Menschen mit Handicap oder Mütter und Väter mit Kinderwagen. Er kann im Internet heruntergeladen werden: www.west-verkehr.de, Menüpunkt "Service".

(gala)