Hückelhovens Kämmerer Helmut Holländer geht Ende Mai 2019 in den Ruhestand

Hückelhovens Kämmerer Helmut Holländer geht : Fast 47 Jahre Stadtgeschichte mitgestaltet

Wenn Hückelhoven am 25. Mai den 50. Geburtstag als Stadt feiert, hat Helmut Holländer beinahe das gesamte Kapitel miterlebt.

„Was hat man nicht alles erlebt!“ Dieser Satz fällt mehrfach in dem Gespräch, in dem der I. Beigeordnete auf sein langes Arbeitsleben bei der Stadtverwaltung zurückblickt. Bedeutende Projekte in Kanal- und Straßenausbau hat Helmut Holländer begleitet, das neue Rechtsamt aufgebaut, die Stadtfinanzen mit Um- und Weitsicht durch die Zeit kurz vor und nach der Zechenschließung manövriert, mit Stadtplaner Wolfgang Müller-Dick raschen Strukturwandel ermöglicht, Einrichtung der Gesamtschule, Bau von Schulen und Kindergärten auf den Weg gebracht. Nun wird der 65-Jährige am 24. Mai im Rathaus in den Ruhestand verabschiedet.

Der gebürtige Brachelener, der in Geilenkirchen-Lindern wohnt, hat seine ersten Erfahrungen von 1972 bis 1974 im alten Rathaus an der Parkhofstraße gesammelt – „ein junger Rebell mit langen Haaren“, wie er sagt. Im Tiefbauamt arbeitete er im Haus Ecke Martin-Luther-/Parkhofstraße, Büros waren „kleine Kabuffs“. Gleich nach der Laufbahnprüfung zum gehobenen Dienst, so erinnert er sich, hat er 1975 als Stadtinspektor sein Anfangsgehalt von 510 D-Mark schon verdoppelt.

„Im Tiefbauamt habe ich vieles gelernt – technische Sachverhalte, Zuschussmaßnahmen umsetzen“, erinnert er sich. Da liefen 15 bis 18 Projekte gleichzeitig. Kaphof- und Ludovicistraße ausgebaut, Kanalsammler von Golkrath bis Schaufenberg durch Bruchgelände verlegt. „Die Techniker machten ihren Job, Rechnungen und Zahlungen mussten abgewickelt werden.“ Das Grundwissen des Haushaltsrechts hat er sich unter Kämmerer Anton Zumfeld (†) selber beigebracht. „Die Halde Kantinenberg haben wir schön gestaltet mit Wanderwegen und Bänken und dafür sogar einen Preis bekommen“, blickt Holländer zurück. Das Gelände musste später geschlossen werden, „durch Vandalismus total verwüstet“. Das alles war für den jungen Stadtinspektor „eine gute Schule“.

Von 1974 bis 1978 büffelte er in der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Aachen für das Kommunal-Diplom, Grundlage für die berufliche Zukunft. „Eine harte Zeit“ sei das gewesen: „Abends und am Wochenende lernen. 1976 war ein heißer Sommer. Alles ging ins Schwimmbad, ich fuhr mit dem VW-Käfer, Kennzeichen GK-CT 80, ohne Lüftung nach Aachen zum Hörsaal.“

Helmut Holländer baute das neu gegründete Rechtsamt auf. Größter Erfolg war ein Prozess, den der Landschaftsverband Rheinland vor dem Verwaltungsgericht angestrengt hatte, um nach Prüfung durch das Landesrechnungsamt 180.000 Mark an Zuschüssen zurück zu fordern. „Der Richter aus Millich kannte den Sachverhalt bestens. So haben wir nach zwei Jahren Ärger den Prozess gut gewonnen.“ Mithin war auch das Rechtsamt eine gute Schule – „man hatte mit allem zu tun“.

1980 wurde er zum Leiter des neu gegründeten Bauordnungsamtes bestellt – mit 27 der jüngste Amtsleiter in der Verwaltung. Mit Unterstützung von Willi Backes und Johann Hensen gab’s viel zu tun, so Holländer: „Wir mussten alle Akten des Kreises übernehmen, für jedes Haus in Hückelhoven eine Bauakte.“ Alles akribisch archiviert. Nach der Fusion mit dem Bauverwaltungsamt stiegen die Aufgaben. „Das war ein großes Amt, und man verwaltete viel Geld.“

Stadtdirektor Horst Ginnuttis eröffnete ihm 1992: „Sie können nicht ablehnen, ich werde Sie zum Kämmerer vorschlagen.“ Im Jahr darauf präsentierte Helmut Holländer seinen ersten Haushalt, nachdem feststand, dass die Zeche schließt. Das Gewerbegebiet Baal musste nach Grunderwerb schnellstmöglich aktiviert werden, dazu war ein neuer Transportsammler von Baal nach Ratheim nötig, im Hallenbad war ein Bauschaden mit acht Millionen Mark zu sanieren. In seiner Haushaltsrede eröffnete Holländer dem Rat, die Stadt müsse „mittelfristig 90 Millionen Mark Schulden machen“.

Eine sehr arbeitsintensive Phase waren die Jahre 1992 bis 2002, als der Wandel von der Zechenstadt zu Handel und Gewerbe entwickelt werden musste. „Was haben wir hier dicke Bretter bohren müssen“, seufzt Holländer. Dilemma und gleichzeitig Chance: noch unter Bergrecht Bebauungspläne für Zechenareale entwickeln. „Geht nicht“, blockten Bezirksregierung und Ministerium ab. Der Schachzug: „Wir haben Bebauungspläne aufgestellt, die keine Rechtskraft erlangten, während gleich lautende Bergbetriebspläne erstellt wurden, die die Bergbehörde genehmigt hat. Als der Bergbau weg war, haben wir die Pläne in Kraft gesetzt und so im Strukturwandel fünf bis zehn Jahre Zeit gespart.“ Die Straße Am Landabsatz wurde schon gebaut, als noch Kohlezüge rollten. Die Ansiedlung von QVC hat Stand heute 1200 Arbeitsplätze gebracht. Herber Rückschlag waren eineinhalb vertane Jahre mit Plänen für ein Outlet-Center, die sich so lange im Planungsrecht zerrieben, bis Roermond Fakten gesetzt und Hückelhoven überholt hatte. „Was hat man nicht alles schon erlebt!“

Gestemmt wurden nicht zuletzt die großen Schulbaumaßnahmen, von der Beigeordneten Angelika Stöcker initiiert. Bis heute ist auf dem Kindergartensektor mit großer Nachfrage nach u3-Plätzen viel zu tun. „Es wird nicht langweilig“, ist Helmut Holländer überzeugt. „Das Gute an der Kommunalverwaltung ist: Man hat mit allem zu tun, von der Anzeige einer Geburt bis zur Sterbeurkunde.“ Der scheidende Kämmerer hat es „nie bereut, in Hückelhoven zu arbeiten. Das war keine Last, sondern ich hatte immer den Ehrgeiz: Hier kann ich etwas auf die Beine stellen“.

Langweilig wird ihm auch künftig nicht: drei Wochen Urlaub in Neuharlingersiel, Haus modernisieren, Garten pflegen, mit den Enkeln (drei und sechs Jahre) spielen, Bildungsreisen mit seiner Frau und Fluss-Radtouren unternehmen, für die Märklin-Eisenbahn den Landschaftsbau vollenden. Möge Helmut Holländer noch viel Schönes erleben.

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