Hückelhoven und Linnich wollen Bahn ab Baal reaktivieren

Lückenschluss geplant: Zukunftsprojekt: mit der Bahn von Linnich nach Baal

Die Kreise Düren und Heinsberg setzen sich dafür ein, die Bahntrasse Linnich-Baal zu reaktivieren. Die Verbindung ist wichtig für Berufspendler und Studenten. Die Städte Hückelhoven und Linnich wollen Akzente setzen für den Strukturwandel nach der Braunkohle.

Von Gabi Laue

Sechs Kilometer Schiene auf einer noch vorhandenen Bahntrasse: Der Lückenschluss Linnich-Baal ist für die beiden beteiligten Kreise und Kommunen „von ungeheurer Bedeutung“, wie der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn in einer gemeinsamen Pressekonferenz im Linnicher Rathaus erklärte. Und sie wollen nun in die Offensive gehen. Genug geredet, es wird gehandelt. Sollten in absehbarer Zeit Fördergelder abrufbar sein, wollen die Beteiligten einen fertigen Plan auf den Tisch legen und dafür sogar in Vorleistung gehen.

Bereits vor fünf Jahren gab es eine Kampagne mit einem Appell an Land und Bund, die Eisenbahnstrecke zu ertüchtigen. An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich mehr als 1000 Bürger. Im Wettbewerb der Regionen sei es wichtig, Akzente zu setzen für die Zeit nach der Braunkohle, betonte Spelthahn. „Wir wollen keineswegs zuwarten, sondern alles tun, um die Rahmenbedingungen zu schaffen. Wenn wir gemeinsam in den Kommunen wachsen wollen, müssen wir die Infrastruktur ausbauen.“ Im Süden ist der Kreis Düren schon an die S-Bahn-Trasse nach Köln angeschlossen, in Richtung Baal gäbe es für Berufspendler und Studenten ein Weiterkommen in den Raum Aachen, Mönchengladbach, Neuss und Düsseldorf. Mit dem Forschungszentrum Jülich und QVC Baal liegen zwei der größten Arbeitgeber der Region an der Trasse, auf der sich auch der Güterverkehr optimieren ließe.

Das Zukunftsprojekt mit einem Kostenansatz von 20 bis 25 Millionen Euro soll so bald wie möglich „auf die Schiene gesetzt“ werden. Ein Gutachten steht kurz vor der Fertigstellung. Der Dürener Landrat setzte ein Signal: „Wir sind selbst bereit, in die Zukunft zu investieren und können zinslos in Vorleistung gehen, bis später Zuschüsse fließen.“ Im gemeinsamen Schulterschuss der Kommunen und Arbeitgeber wolle man das Projekt forcieren und dazu eigene Ressourcen einbringen. „Diese Investition wird reichlich Dividende bringen“, glaubt Spelthahn und hofft, „dass wir die Trasse zeitnah umsetzen können“. Ziel seien auch innovative Antriebstechnologien für die Züge. Man könne die Wasserstofftechnik erproben, und das Zukunftsprojekt passe gut zur Region, in der die Wildenrather Siemens-Teststrecke liegt.

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Für Landrat Stephan Pusch brauchte es keine lange Überredungskunst, von Heinsberger Seite den Appell zu unterstützen: „Die Bahnverbindung ist für beide Kreise wichtig. Wenn man die Förderung des ländlichen Raums ernst nimmt, muss man Strecken wieder nutzbar machen.“ Die Teilstrecke Heinsberg-Lindern bezeichnete Pusch als Glücksfall - Ende 2013 war die Wurmtalbahn 33 Jahre nach dem letzten Personenverkehr mit dem RE 33 neu gestartet. Und Pusch erwähnte das Beispiel Ortsumgehung Ratheim: Stadt Hückelhoven und Kreis Heinsberg hatten einen Teil selbst finanziert, damit die L 117n endlich in die Landesförderung kam. „Wir sind ein prosperierender Raum und gehören zu den aufstrebenden Kreisen. Da macht man sich nicht nur über Arbeitsplätze Gedanken, sondern überlegt auch: Wie kommen die Leute dahin?“

Die Linnicher Bürgermeisterin Marion Schunck-Zenker will den Menschen, die ländlich leben, etwas bieten. Mit dem Zug die Uni in Aachen oder Düsseldorf zu erreichen, sei attraktiv für junge Menschen. Hückelhoven habe ein breites kulturelles Angebot. „Da müssen wir bereit sein, ein gewisses Risiko einzugehen, voranzugehen.“ Der Hückelhovener Bürgermeister Bernd Jansen, seit 1989 kommunalpolitisch aktiv und ebenso lange für den Ausbau des ÖPNV kämpfend, bezeichnete die Reaktivierung der alten Trasse als „überfällig“. Der Lückenschluss sein auch touristisch bedeutsam als Verbindung in die Eifel, so Jansen. „Alle Signale stehen auf Grün, wir warten auf den Startschuss.“

Das Forschungszentrum Jülich unternimmt nach Aussage von Jens Kuchenbecker große Anstrengungen, um den Standort für die Arbeitnehmer attraktiv zu machen. „Wir sind im Wettlauf um die besten Köpfe.“ Bus und Bahn brauchen bisher zu lange. Kuchenbecker gab ein Beispiel: „Möchte ich von Wegberg aus um 8 Uhr in Jülich sein, gibt die Fahrplan-Auskunft als Abfahrtszeit 21.07 Uhr an.“ Von den 6000 Mitarbeitern seien rund 1500 potenzielle Nutzer, die das Auto stehen lassen könnten. „Auch für die Fachhochschule Aachen wäre der Lückenschluss ein wichtiger Beitrag, dass mehr Studierwillige das Angebot in Jülich nutzen“, unterstrich Prof. Volker Sander, Sprecher für den Campus Jülich. Landrat Wolfgang Spelthahn äußerte Optimismus, „dass wir das Projekt zum Ergebnis führen werden. Wenn aus Berlin Strukturfördermittel für die Regionen fließen, haben wir einen fertigen Plan und müssen nur noch ,Hier!’ rufen.“