Hückelhoven: Theaterverein Frohsinn Brück spielt „Kaviar trifft Currywurst“

Probenbesuch in Kleingladbach : Kaviar trifft Currywurst

Der Kleingladbacher Theaterverein Frohsinn Brück inszeniert sein neues Stück. Ein Besuch bei den Proben in der Mehrzweckhalle am Amselweg, der Kneipe „Zum warmen Würstchen“.

Zigarettenstummel, die im Bierglas schwimmen, betrunkene Stammgäste, schmutziges Geschirr auf den Tischen. Und dann dieser Anruf: Prinz Harry von Anhalt (gespielt von Jörg Markmann) kündigt völlig unverhofft seinen spontanen Besuch an. Panik bei Erna Wutschke alias Sandra Schnelle.

Die resolute Kneipenwirtin mit den fettigen Haaren, die auf Sauberkeit keinen allzu großen Wert legt, hatte ihrem adeligen, gut betuchten Cousin um eine größere Summe angepumpt, um angeblich ein schickes Nobelrestaurant zu eröffnen. Doch davon ist die heruntergekommene Kneipe „Zum warmen Würstchen“ weit entfernt. Fliegt der ganze Schwindel jetzt auf?

„Kaviar trifft Currywurst“ heißt der urkomische Schwank in drei Akten, mit dem das elfköpfige Ensemble des Kleingladbacher Theatervereins Frohsinn Brück am ersten Oktober-Wochenende sein Publikum in der Mehrzweckhalle am Amselweg begeistern möchte. Seit Mai probt das quirlige Ensemble, dem auch Sandra Schnelles Sohn Henry als Stammgast Heinrich angehört, immer dienstag- und mittwochabends.

Der Text sitzt, nur selten muss Souffleuse Nikola Keller helfend eingreifen. Sandra Schnelle hat nicht nur eine große Hauptrolle übernommen. Sie führt auch Regie und ist die Vorsitzende des Theatervereins. Die Premiere am Samstag, 5. Oktober, 20 Uhr, ist bereits komplett ausverkauft. „240 Karten sind weg“, verrät Sandra Schnelle, die für die Probe einen bunten Kittel angezogen hat, der sie wenig elegant erscheinen lässt. Mitspieler Jakob Paulussen, im zweiten Jahr dabei, wirkt in der Rolle des Bürgermeisters Dieter Döge noch viel spektakulärer. Der Erste Bürger, der sich mitten im Kommunalwahlkampf befindet und auch in Erna Wuttkes schmutziger Wirtschaft auf Stimmenfang geht, wird von seiner eingebildeten Ehefrau Annabell Döge (Monika Paulußen) genötigt, die eigenwilligen Entwürfe der von sich sehr eingenommenen Modedesignerin in der Öffentlichkeit vorzuführen. Sein Hut mit den bunten Lockenwicklern an Drähten steht unter dem bezeichnenden Motto „Alltagsgegenstände neu interpretiert“.

Stammgast Sandy Stutzke bleibt nichts anderes übrig, als sich in eine vornehme Dame zu verwandeln – kein leichtes Unterfangen für die reichlich einfältige junge Frau, die von Britta Regn dargestellt wird. Die Lehrerin der Erkelenzer Luise-Hensel-Grundschule hat im Internet ein passendes Outfit für ihren spektakulären Bühnenauftritt gefunden: enge Leggins mit Leopardenmuster in der ungewöhnlichen Kombination dunkelgrün-orange, ein billiges Shirt mit Glitzer-Muster. Und auch Blümchen (Arndt Holten), der nicht gerade aufgeweckte Lebensgefährte der verzweifelten Kneipenwirtin, tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste. Mit ihrer Ankündigung, die Besucher am ungewöhnlichen Geschehen in der Dorfkneipe „Zum warmen Würstchen“ teilhaben zu lassen, sorgten die Kleingladbacher Hobbymimen schon im Vorfeld für reichlich Verwirrung. „Einige Leute haben tatsächlich geglaubt, dass es bald wieder eine Kneipe bei uns im Ort gibt, nachdem wir in der Festschrift der Schützenbruderschaft auf unser neues Stück hingewiesen hatten“, berichtet Regisseurin Sandra Schnelle schmunzelnd.

Ob am Ende alles gut ausgeht und Wirtin Erna Wutschke ihr etwas in die Jahre gekommenes Etablissement behalten darf, soll noch nicht verraten werden.

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