Hückelhoven macht das Wohnen in der Stadt zum Thema politischer Beratungen

Politische Diskussion übers Wohnen : Hückelhoven soll Mietspiegel erneuern

Die Stadt macht das Wohnen zum Thema politischer Beratungen. Gestartet wird mit einer Bestandsaufnahme. So gibt es mehr Sozialwohnungen als andernorts im Kreis Heinsberg. Auch der Mietspiegel soll erneuert werden.

Wohnen ist ein elementarer Grundbedarf eines jeden Menschen. Die Versorgung mit angemessenem Wohnraum ist daher eine Aufgabe der Daseinsvorsorge, für die sich alle staatlichen Ebenen einzusetzen haben. So formuliert es die Stadt Hückelhoven und hat dieser Verantwortung in ihrem Entwurf für das „Leitbild 2030“, der im Februar dem Stadtrat vorgestellt worden war, einen hohen Stellenwert eingeräumt. Jetzt hat sie im Sozialausschuss die notwendige Basis gelegt, weitere Diskussion über dieses Thema führen zu können. „Wir betrachten Wohnen dabei nicht als bauliches Thema“, erläuterte Sozialamtsleiter Thorsten de Haas, „sondern dessen sozialpolitischen Steuerungselemente.“

Die Relevanz der beginnenden Diskussion verdeutlichte Thorsten de Haas anhand von Zahlen zum sozialen Wohnungsbau und Wohngeld. Er wies aber auch darauf hin, dass Hückelhoven einen neuen Mietspiegel aufstellen sollte, um Mietern wie Vermietern einen aktuellen Rahmen aufzuzeigen, der ihnen Orientierung bietet. Der gültige Mietspiegel stamme aus dem Jahr 2013 und sei 2015 „wegen der Hektik durch die Flüchtlingssituation nicht erneuert worden“. Als erste Maßnahme empfahl der Sozialhilfeausschuss dem Stadtrat deshalb einstimmig, den Mietspiegel mithilfe eines Fachbüros und unter Einbeziehung von Mieter- und Vermieterverbänden zu novellieren.

Im Kreis Heinsberg gibt es keinen einheitlichen Wohnungsmarkt, vielmehr unterscheide dieser sich von Stadt zu Stadt und teilweise noch einmal zwischen den Ortsteilen, merkte Thorsten de Haas an. Hückelhoven beispielsweise besitze im Kreis Heinsberg die höchste Anzahl geförderter Mietwohnungen im sozialen Wohnungsbau: „4311 davon gibt es im Kreisgebiet. Davon liegen 994 oder 23 Prozent in Hückelhoven.“ Erkelenz beispielsweise verfüge mit 646 Wohnungen um ein Drittel weniger, habe aber mehr Einwohner. „Diese Zahlen lassen sich mindestens die vergangenen zehn Jahre in dieser Form zurückverfolgen“, erklärte der Sozialamtsleiter. Auch sei in der anlaufenden Diskussion wichtig zu wissen, dass sich landesweit der Gesamtbestand der geförderten Wohnungen seit dem Jahr 2000 fast halbiert habe, in Hückelhoven aber nur um ein Viertel zurückgegangen sei. 2017 sei der Bestand sogar erstmals seit 2000 wieder leicht, von 968 auf 994 Wohnungen, gestiegen.

Als „direkteste Form“, Menschen in ihrer Bedürftigkeit beim Wohnen zu unterstützen, bezeichnete Thorsten de Haas das Wohngeld. „Problem aber ist: Das wird nur von einem Bruchteil der Berechtigten angenommen.“ Experten gingen von rund 20 Prozent aus. Die Gründe dafür lassen sich laut Sozialamtsleiter nicht homogen beschreiben. Da spielten verwirrende Regelungen eine Rolle wie auch subjektiv empfundene Stigmatisierung, Hemmungen und Ängste, Wohngeld zu beantragen: „Bin ich dann Sozialhilfeempfänger? Will ich das überhaupt?“ Aktuell meldet die Wohngeldstelle für Hückelhoven 384 laufende Fälle. Wären das tatsächlich nur 20 Prozent der Berechtigten, käme die Stadt auf 1536 Personen, die ihre Ansprüche auf Wohngeld nicht geltend machen.

Wohnen in Hückelhoven heißt auch, dass die Stadt derzeit den Hebesatz der Grundsteuer nicht angehoben hat. Und das, obwohl der fiktive Hebesatz des Landes Nordrhein-Westfalen – nach dem sich zum Beispiel finanzielle Zuweisungen an die Kommunen berechnen – seit dem 1. Januar über dem Hebesatz der Stadt Hückelhoven liegt. „Auf diese Weise entlasten wird derzeit auch die Mieter“, betonte Hückelhovens Sozialamtsleiter Thorsten de Haas.

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