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Hückelhoven: Lernen in den Sommerferien

Extra-Zeit in Hückelhoven : Lernen in den Sommerferien

In einigen Schulen in Hückelhoven herrscht auch in den Sommerferien Betrieb. Die Lehrkräfte unterstützen die Kinder, um versäumten Stoff aus dem vergangenen Schuljahr aufzuarbeiten und nachzuholen.

Die Sommerferien sind für die Schülerinnen und Schüler in der Regel die schönste Zeit des Jahres. Sechs Wochen lang ohne Schule, dazu vielleicht ein Urlaub. In Zeiten von Corona ist aber vieles anders. Durch die Zeit der geschlossenen Schulen und des Lernens auf Distanz konnte nicht so effektiv gearbeitet werden wie beim normalen Unterricht vor der Corona-Pandemie. Um Versäumtes aufzuholen, drücken einige Kinder auch in den Ferien die Schulbank – und das sogar freiwillig.

Das Land Nordrhein-Westfalen hatte bereits im März das Programm „Extra-Zeit zum Lernen NRW“ gestartet. Für den Zeitraum März 2021 bis Sommer 2022 hat die Landesregierung 36 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung gestellt – mit der Option, bei Bedarf auf bis zu 60 Millionen Euro zu erhöhen. „Von den vielen Einschränkungen, die mit der Pandemie einhergehen, waren und sind unsere Kinder und Jugendlichen besonders betroffen. Bei vielen jungen Menschen hat der unfreiwillige Verzicht auf den Schulbesuch unübersehbare Spuren hinterlassen“, sagt Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Dass diese Förderprogramme ins Leben gerufen werden, sei „ein Zeichen an die Schülerinnen und Schüler sowie an deren Familien, dass nun ihre unterschiedlichen Bedürfnisse gezielt im Vordergrund stehen.“

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In der Gemeinschaftsgrundschule „An der Burg“ in Hückelhoven wurde der zusätzliche Förderunterricht in den ersten beiden Sommerferienwochen ausgerichtet. „Das Angebot hat sich an Schülerinnen und Schüler gerichtet, die in der Zeit der Corona-Pandemie aus unterschiedlichen Gründen in überdurchschnittlichem Maße Lerninhalte verpasst oder nicht gesichert haben. Um ein erfolgreicheres Arbeiten im nächsten Schuljahr zu sichern, konnten die Kinder mit uns den Stoff in der Sommerschule nachholen“, schildert Schulleiter Dirk Grönert. Und so hoffentlich die Lernlücken schließen. In enger inhaltlicher Abstimmung mit den Klassenlehrkräften haben die Kinder Übungsmaterialien aus dem vergangenen Schuljahr bearbeitet.

Die Arbeitsphasen wurden stets auch mit Zeiten der Entspannung, der Bewegung und des Spiels ergänzt, so dass Abwechslung geboten wurde. Die Kinder haben zudem täglich ein kostenloses Mittagessen erhalten. Aus den Jahrgangsstufen eins bis drei waren es vor allem Kinder aus sozio-ökonomisch benachteiligten Familien, die an dem Programm teilgenommen haben. Bereits vorhandene Lerndefizite hatten sich im vergangenen Schuljahr noch verstärkt – teilweise auch durch eine nicht-deutsche Familiensprache.

Bei den Kindern der vierten Klasse wurde ein etwas anderes Konzept gefahren. „Hier wurden Kinder mit einem potentiell höheren Leistungsvermögen ausgewählt. Aber auch in dieser Gruppe bestehen besonders in den Kernfächern überdurchschnittliche Lernlücken, die mit Blick auf die anstehende Schulform dringend geschlossen werden müssen“, erläutert der Schulleiter, der stolz darauf ist, dass sich sofort insgesamt 11 Kollegen für die Umsetzung der Maßnahme gemeldet und somit auf Teile ihres Urlaubs verzichtet hatten. Jana, eine zukünftige Gymnasiastin, berichtet von ihren Beweggründen, warum sie sich trotz ansprechender Noten auch in den Ferien lernen wollte: „Ich befürchte, dass ich am Gymnasium im 5. Schuljahr weniger gefördert werde als andere Kinder, die etwa die Hauptschule besuchen. Diese Kinder haben auch in den letzten Monaten viel mehr Förderunterricht erhalten als ich.“

Auch in Ratheim an der Grundschule Weidengrund haben in den ersten zwei Wochen der Sommerferien insgesamt 62 Kinder an den Förderstunden teilgenommen. Laut Schulleiterin Anja Joeres-Faustmann habe es deutlich mehr Anmeldungen gegeben. Dementsprechend verärgert war sie auch über manche Eltern, die ihre Kinder zwar für die kostenlose Maßnahme angemeldet hatten, aber ohne eine Entschuldigung nicht brachten. Kurzfristig andere Familien für einen freigewordenen Nachrückerplatz zu gewinnen sei nicht immer so einfach. In erster Linie haben die Lehrkräfte mit den Kindern die Fächer Deutsch, Mathe und Deutsch als Zweitsprache gepaukt. „Wir haben gezielt die schwächsten der Schwachen angesprochen“, sagt Anja Joeres-Faustmann. Wichtig sei gewesen, den Kindern zu zeigen, dass wir sie bestmöglich unterstützen, aber nicht bewerten. Das nehme bei vielen den Druck.