Hückelhoven: Konzert an Haus Hall mit Con Brio und dem Xenon-Saxphon-Quartett

Konzert bei Haus Hall in Hückelhoven : Musik vom Allerfeinsten

Das Xenon-Saxophon-Quartett gastierte auf Einladung des Vereins Con Brio an Haus Hall. Vier Männer begeisterten vor toller Kulisse.

„Sie haben sicher gemerkt, dass wir hier sehr gern spielen.“ Das Kompliment ging an gleich drei Adressen: Das dankbare Publikum, etwa 180 Menschen, den Veranstalter, der Hückelhovener Verein für Kammermusik Con Brio, den Hausherrn der Veranstaltungsstätte Haus Hall in Ratheim, Max Spies von Büllesheim. Die Adressaten wiederum hatten ihr großes Vergnügen an den vier jungen Spielern, dem Xenon-Saxophon-Quartett, das anderthalb Stunden einschließlich dreier Zugaben auf der Freitreppe des Wasserschlosses Musik vom Allerfeinsten von Mussorgski, Grieg und Johann Sebastian Bach bot.

Und Saxophone treten weniger in Gruppen oder Ensembles auf, werden ohnehin eher im Jazz oder im frühen Rock’n’Roll verortet – der lauschige Frühsommerabend im spätbarocken Ambiente des Herrenhauses hat sicher bei den Hörenden das Interesse am Saxophon breiter werden lassen. Kräftiger Applaus und Bravorufe ließen das immer wieder akustisch deutlich werden. Und dass die vier jungen Männer, Lukas Stappenbeck, Sopran-, Anze Rupnick, Alt-, Adrian Durm, Tenor-, und Benjamin Reichel, Bariton-Saxophon, allesamt Einser-Master der Musikhochschule Köln, ihr Fach tiefgehend beherrschen, bewiesen die Umschriften von Klassikern wie Johann Sebastian Bach, der schon 100 Jahre tot war, als das Saxophon erfunden wurde. Dessen Fantasie und Fuge in a-Moll BWV 904 ist für Klavier geschrieben.

Vor der Pause nahmen Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, der Klavierzyklus in acht Sätzen gespielt, den gesamten Zeit-Raum in Anspruch, kongenial auf die Möglichkeiten des Saxophons umgesetzt, dessen technische Finessen aufzeigend. Man kennt die „Programmmusik“ auch für Orchester, 1971 erzielte das Progressiv-Rock-Trio von Emerson, Lake & Palmer einen dauerhaften Erfolg damit.

Auch Edvard Griegs „Holberg Suite Op. 40“ war ursprünglich für Klavier geschrieben, vom Komponisten selbst auf Streichorchester geswitcht, machte, ohne Noten gespielt, die Spielfreude und Klasse des Quartetts dem Publikum zum Ende hin mehr als deutlich, das beeindruckt Wasserschloss und englischen Park in den Abend hinein verließt.

Das taten auch drei putzige Schweine im Hof mit ihren kleinen Betreuerinnen Lavinia und Carolina – keine Hirtinnen, denn die kniehohen Tierchen waren aus Kunststoff und hatten auf dem Rücken einen breiten Schlitz, durch den die Besucher deren Hunger mit Geldscheinen stillten. Max Spies von Büllesheim hatte sie als frisch bestallter Präsident des Lion-Clubs Selfkant für sein Projekt „Breakfast Club – Frühstück für Frühaufsteher“ platziert, um Geld zu sammeln für nicht wenige Kinder der Region, die morgens ohne Frühstück zur Schule kommen.

Das unterstützte Con Brio gern, dessen Vorsitzender Rudolf Lengersdorf sich bei den Künstlern „für fantastische Musik“ und dem Hausherrn mit Wein bedankte. Das Quartett hatte zur direkten Erfrischung nach dem letzten Ton Bierflaschen erhalten, seinen Spaß drückte Bariton Benjamin Reichel aus: „Wenn wir noch mehr Bier kriegen, spielen wir auch noch mehr!“ Das blieb dann aber auch Spaß.

Mehr von RP ONLINE