Hückelhoven: Jazz und die Wurzeln aus Afrika

Konzert im Aula-Foyer : Jazz und die Wurzeln aus Afrika

Die Band „Soko“ bewies in ihrem Konzert im Hückelhovener Aula-Foyer, dass „African Jazz“ Mitteleuropäer begeistern kann. Auf Einladung von „Con brio“ gastierte die Band nun in der Region.

Unter Jazz-Musikern und Jazz-Experten wird seit Jahrzehnten diskutiert, ja gestritten, ob und welche afrikanischen Wurzeln dieser, im US-amerikanischen Süden geborene, Stil besitzt. Wirkliche Klarheit gibt’s da nicht – am Sonntagabend belegte im Hückelhovener Aula-Foyer ein Ratheimer mit seiner Band „Soko“, dass „African Jazz“ Mitteleuropäer von den Stühlen reißen kann. Dass Rudi Lengersdorf als Vorsitzender des veranstaltenden Vereins „con brio“ mehr als zufrieden mit Resonanz und Musik-Qualität war, ließ er deutlich werden.

Und dass daran die afrikanischen Bandmitglieder Hyacinthe Hounkpatin, Gitarre, Tabi So, Percussion, und Sängerin Velile Mchunu ganz erheblichen Anteil hatten, versteht sich da schon von selbst. Die „Soko“-Tour ist dem verstorbenen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela gewidmet, der in diesem Juli 100 Jahre alt geworden wäre. Band-Gründer Otto Jansen, Lehrerssohn aus Ratheim, mit Saxophonen und Klarinette, und Manfred Sauga, Bass, setzen sich seit 30 Jahren mit afrikanischen Musik- und Lebensstilen auseinander, unterstützten die politischen Umwälzungen in Südafrika mit Mandela an der Spitze, der schon mal als Tänzer in Erscheinung trat, auch ein guter Sänger gewesen sein muss. Manfred Sauga widmete ihm auch sein Stück „Mister 46664“, die Häftlingsnummer von Nelson Mandela auf der Gefangenen-Insel „Robben Island“ bei Südafrika.

Neben einer ganzen Reihe von Eigenkompositionen taten Cover-Versionen wie „Pata Pata“ von Miriam Makeba und „Helele“ ein Übriges, das Publikum auch der älteren Generationen mitzureißen. Vor allem Sängerin Velile mit enormer Stimmkraft, ungebändigtem Tanzwillen rief ihr Stück „Helele“ in Erinnerung, das 2010 zur Fußballweltmeisterschaft in Südafrika mehrere deutschsprachige Fernsehsender als Jingle bekannt machten. Neun Jahre spielte sie die Hauptrolle in der Hamburger Aufführung des Musicals „König der Löwen“, in der Aula spielte die bewegungsfreudige Südafrikanerin mit einem äußerst bereitwilligen Publikum. „The Spirit of African Jazz“, vor allem dem der Townships, machte als Gastmusiker der Percussionist Tabi So anschaulich, sowohl auf seinen Congas wie auch als akrobatischer Tänzer mit Spontan-Einlagen, auch für die anderen Musiker eine Bereicherung. Bestens ergänzt mit Drummer Nayo Stix, Otto Jansens Sohn, der mit einem rasanten Solo seine Kenntnis auch des klassisch-amerikanischen Jazz‘ demonstrierte. Mit eigener Qualität die zumeist typisch kurz gespielte Lead-Gitarre von Hyacinthe Hounkpatin in den vielfach polyrhythmischen und mehrstimmigen Stücken der Band, die schon in wechselnden Besetzungen gastiert, aber immer die Linie der Gründer Otto Jansen und Manfred Sauga erkennen lässt.

Blumen von „con brio“ und stehende Ovationen des Publikums lohnten den Abend im Aula-Foyer, der für die Besucher mit u.a. Wein und Grill-Hähnchenschenkeln, im Eintrittspreis enthalten, begonnen hatte.

Mehr von RP ONLINE