Hückelhoven: Ist der Wolf zurück in Brachelen?

Am Wochenende gesichtet: Ist der Wolf zurück in Brachelen?

Zwei Menschen wollen am Wochenende bei Brachelen und Kückhoven einen Wolf gesichtet haben. Am Mittwoch gehen Forstdirektor Konrad Hecker und ein Augenzeuge im Feld auf Spurensuche. Jede Wolfsmeldung wird überprüft.

Es war die wahrscheinlich aufregendste Begegnung seines Lebens. Noch Tage später ist Arno Lessner ganz aufgewühlt, wenn er erzählt, was er am Samstag gegen 9 Uhr am Ortsrand von Brachelen gesehen hat: Es war ein Wolf, kein Schäferhund, davon ist er fest überzeugt. Und eine zweite Beobachtung gab es am Wochenende: Eine Frau glaubt, in der Nähe von Kückhoven ebenfalls einen Wolf erblickt zu haben. Beide Hinweise nimmt Konrad Hecker, Leiter des Regionalforstamts Rureifel-Jülicher Börde, sehr ernst. Am Mittwoch will er bei Brachelen nach Spuren suchen, die belegen könnten, dass es wirklich ein Wolf war, der hier durchzog.

Arno Lessner hat die Entdeckung fasziniert, und er beschreibt das Tier genau: "Weißes Maul, stechende Augen, grau-braunes Fell, groß, lange Beine, kurze Rute - ein schlankes, schönes Tier." Es soll ein breites Halsband getragen haben. Ein besendeter Wolf? "Unmöglich ist nichts", sagt Konrad Hecker im Gespräch mit der Redaktion. Doch das müsste mit genetischen Untersuchungen erst bewiesen werden, falls sich noch Haare, Kot oder Pfotenspuren finden.

So sah Arno Lessner das Tier bei Brachelen im Feld. Zunächst aus nur etwa 30 Metern Entfernung, dann zog sich das scheue Wesen an die Scheune zurück. Foto: ARNO LESSNER

Der 65-jährige Schaufenberger war mit seinem Bruder unterwegs zur Tochter nach Aachen, in Brachelen hatten sie noch einen Brief abgegeben. Aus dem Auto heraus sah Lessner, vom ehemaligen Autohaus am Brachelener Ortsrand in Richtung Linnich fahrend, plötzlich etwas im Feld. Zuerst glaubte er an einen ausgesetzten Schäferhund. Er bog in den Feldweg ab und stand dem Tier auf kurze Distanz gegenüber, beide blickten sich für etwa eine Minute in die Augen. "Noch nie habe ich einen Wolf in freier Wildbahn gesehen", berichtet er aufgeregt. Und es war kein Hund, vielleicht eine Wölfin, glaubt der Tierfreund, der zu Hause in Schaufenberg Tauben züchtet. "Ich schaue alle Tierfilme im Fernsehen, daher weiß ich, wie ein Wolf aussieht."

Erste Versuche, den Wolf mit dem Handy zu fotografieren, scheiterten vor Aufregung. Als Lessner die Fensterscheibe herunterließ, schreckte das Tier auf und flüchtete hinter eine Scheune in etwas weiterer Entfernung. Wenig später kam der scheue "Isegrim" wieder zum Vorschein, wurde einige Male fotografiert und verschwand in Richtung Linnich-Gereonsweiler. Der Wolfsbeobachter und seine Tochter recherchierten im Internet, stießen auf Berichte von einem fünfköpfigen Wolfsrudel in Limburg, von dem sich ein Tier getrennt habe. Das könnte durchaus bis hierher gelaufen sein, theoretisch auch bis Kückhoven, räumt Konrad Hecker ein. Für einen Wolf keine Entfernung.

Vom Landesumweltamt bestätigt ist eine Sichtung vom 25. Januar: Ein Autofahrer hatte im Kreis Warendorf von der L 586 aus gegen 10.15 Uhr tatsächlich einen Wolf auf dem Acker fotografiert. Wölfe sind ausdauernde Läufer, so das LANUV, und können pro Nacht über 40 Kilometer zurücklegen. Im Januar war Wölfin Naya - bekannt durch einen Peilsender am Hals - rund 700 Kilometer von Mecklenburg-Vorpommern bis nach Belgien gewandert, geortet auf einem belgischen Truppenübungsplatz 70 Kilometer vor Brüssel, bestätigt vom Landwirtschaftsministerium Schwerin.

Diese Geschichte kennt auch Wolfsliebhaber Dieter Mückter, der in Baal ein kleines Rudel tschechische Wolfshunde (mit Einschlag vom Karpatenwolf) hält. Ihm ist keiner ausgerissen, versichert er, berichtet aber von einer ungewöhnlichen Wahrnehmung, die ihn schon verwundert hat: "Seit einiger Zeit heulen meine Wolfshunde in der Abend- und Morgendämmerung ohne Grund. Und sie heulen anders als zum Beispiel, wenn ein Rettungswagen mit Martinshorn vorbeifährt." Mit dem Mond habe das nichts zu tun, sagt er. Für unwahrscheinlich hält Mückter es nicht, dass ein Wolf durch die heimische Natur streift. "Jetzt ist Paarungszeit. Der 9. Mai ist das Hauptdatum, wenn Wölfe geboren werden."

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Für Konrad Hecker vom Regionalforstamt ist es schon die dritte Meldung binnen kurzer Zeit. "Voriges Jahr hat jemand in Wegberg an zwei aufeinander folgenden Tagen Fotos gemacht, aber das war ziemlich eindeutig ein Schäferhund", dämpft er die Euphorie des Schaufenbergers. Allerdings hat ihn auch eine Mail erreicht, in der eine Dame fragte: "Ich meine, in Kückhoven einen Wolf gesehen zu haben. Kann das sein?" Nun sucht Hecker nach Spuren, die er genetisch analysieren lassen könnte. "Meinem Job als Wolfsberater bin ich es schuldig, dass wir das korrekt prüfen."

Der letzte wild lebende Wolf der Region wurde im Winter 1834/35 zwischen Hilfarth und Himmerich im Kapbusch mit der Flinte erlegt. Streift "Naya" nun durch sein Revier? Arno Lessner ist ganz sicher: "Ich habe einen Wolf gesehen."

Sichtungen beim Wolfsberater melden

Rückkehr Seit 2010 beschäftigt sich das Land mit der Rückkehr des Wolfes nach NRW. In dem beim Landesamt für Natur, Umwelt, Verbraucherschutz (LANUV) eingerichteten Arbeitskreis "Wolf in NRW" erarbeiten Wissenschaftler, Naturschützer, Jäger, Schafhalter, Forstleute und Behörden ein Konzept für den Fall der eigenständigen Rückkehr des Wolfes und tauschen ihre Interessen aus.

Sichtung Wölfe sind extrem scheu. Rat des LANUV: "Nicht anfassen oder füttern, nicht weglaufen, stehen bleiben. Langsam zurückziehen. Man kann einen Wolf vertreiben, indem man ihn laut anspricht, in die Hände klatscht, mit den Armen winkt. Melden Sie Wolfsbegegnung und -sichtungen beim regionalen Wolfsberater."

Kontakt Konrad Hecker, Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde, Kirchstraße 2, Hürtgenwald, Ruf 02429 9400-10; konrad.hecker@wald-und-holz.nrw.de.

(gala)