Hückelhoven erinnert an die Opfer des Holocaust

Gedenkstunde mit mehr als 100 Teilnehmern : Holocaust-Gedenken im Hückelhovener Gymnasium

„Entartete Musik, Negermusik, undeutsche Musik“ – den Swing, der Musikstil der 1920/30er Jahre aus dem Süden der USA mit afroamerikanischen Wurzeln, hatten die Nationalsozialisten ab 1933 auf ihrer Negativliste, deren Liebhaber und Praktiker mit brutalsten Konsequenzen bis hin zum Mord im Konzentrationslager zu rechnen hatten.

Die „Swing-Jugend“ war eine bis heute relativ unbekannte Bewegung während der Nazizeit – in einer erneut beeindruckenden Gedenkstunde an die Opfer des Holocaust wurde daran erinnert. Mehr als 100 Menschen aller Altersstufen waren der Einladung am Sonntag in das Hückelhovener Gymnasium gefolgt.

Seitdem der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1996 den 27. Januar, an dem 1945 die Rote Armee der Sowjetunion das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreite, zum Gedenktag an die Opfer des Holocaust gemacht hat, findet jährlich unter Initiative der Pax-Christi-Gruppe, der Stadt Hückelhoven und unter Mitwirkung der evangelischen und katholischen Gemeinden im Gymnasium eine Themenveranstaltung zu einzelnen Aspekten des Holocaust statt.

Sonntag waren es Schüler des Gymnasiums und der Realschule mit ihren Lehrern, die mit eigenen Beiträgen die Swing-Jugend und deren Schicksale vorstellten. Stellvertretender Bürgermeister Dieter Geitner für die Stadt und Pax-Christi-Vorsitzender Hans-Jürgen Knubben begrüßten Akteure und Besucher im Brunnenhof, wo bewegte Bilder und Musik zum Thema kombiniert wurden.

Musik und Bildende Kunst hatten in der Nazi-Ideologie und als Mittel der Massenbeeinflussung/Propaganda einen hohen Stellenwert, vor allem die Jugend sollte durchgehend bis ins Erwachsenenalter von der Hitlerjugend (HJ) und dem Bund deutscher Mädel (BdM) bis in die Wehrmacht, SA und SS hinein indoktriniert und von „undeutschen“ Einflüssen ferngehalten werden.

Und die Swing-Jugend unterschied sich im Musikgeschmack, in der Kleidung und den Frisuren von den HJ-lern und BdM-lerinnen. Mit der Verfolgung politisierte sich die vornehmlich aus der Oberschicht stammende lose Gruppe, die dem amerikanisch-britischen Lebensstil anhing.

Breiten Raum in Reden und Erläuterungen nahmen in der Gedenkstunde auch die aktuellen Gefahren rechtsradikaler Gewalt ein. Zum Abschluss gab man den mehr als Teilnehmern das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ mit auf ihren Heimweg.

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