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Hückelhoven: Corso-Filmpalast in Hilfarth vorübergehend geschlossen

Auch Hilfarths Traditionskino ist vorübergehend geschlossen : Kein Geheimagent an der Rurbrücke

Im Hilfarther Corso-Filmpalast bleibt es dunkel. Zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste das Kino vorübergehend geschlossen werden. Besitzer Frank Dohmen ist besorgt.

Der berühmteste Geheimagent kommt vorläufig nicht nach Hilfarth. Die Premiere des neuen James-Bond-Streifens „Keine Zeit zu sterben“ mit Daniel Craig in der Hauptrolle wurde wegen des Coronavirus auf den 12. November verschoben. Das wusste Kinobetreiber Frank Dohmen schon länger.

Und dann kam es noch dicker: Der beliebte Corso-Filmpalast an der Rurbrücke ist inzwischen auf Anordnung der Behörden komplett geschlossen worden. Für Inhaber Frank Dohmen, der den Betrieb von Vater Heinz übernahm, ist es bitter. „Unser Kino gibt es schon seit kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs“, erzählt der 45-Jährige. Ein Familienbetrieb, Festsaal, Restaurant und Gaststätte gehören dazu. Immer weniger Cineasten kamen zuletzt noch in die Breite Straße nach Hilfarth – weil das Angebot schon lange nicht mehr attraktiv und die Ansteckungsgefahr groß war. So sei beispielsweise auch die Disney-Verfilmung „Mulan“ erstmal auf Eis gelegt worden, berichtet Frank Dohmen. „Wir sind hier das älteste Kino im Kreis Heinsberg, das durchgängig offen war. Eine Schließung gab es bei uns noch nie.“

Tipps für das Heimkino in den eigenen vier Wänden hat der Hilfarther Familienvater gar nicht auf Lager. Er glaubt, dass Eltern ihren Nachwuchs mit den Film-Highlights aus der eigenen Kindheit nicht mehr großartig begeistern können. Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Lotta aus der Krachmacherstraße und die Kinder aus Bullerbü sind seiner Meinung nach heute nicht mehr hoch im Kurs bei den Mädchen und Jungen, die nun zwangsläufig viel Zeit zu Hause verbringen müssen, weil Schule und Kindergarten noch längere Zeit geschlossen bleiben.

Besonders die 007-Absage für Anfang April bedauert Frank Dohmen. „Das macht die Hütte voll, ähnlich wie Star Wars“, so der gelernte Koch. In zwei Kinosälen – 168 und 75 Sitzplätze – lassen sich die Besucher normalerweise für zwei Stunden in eine fremde Welt entführen. „In den letzten Tagen vor der Schließung war kaum noch was los“, erzählt der Familienvater bedrückt. Für das Ausbleiben der Gäste bringt er Verständnis auf: „Klar, man sitzt dann 120 Minuten eng zusammen.“

Das Hilfarther Kino habe schon viele Höhen und Tiefen überstanden. Etwa den Einzug der VHS-Kassetten in den 1980ern für den heimischen Videorecorder. „Damals wurde das Kino totgesagt.“ Auch die flächendeckende Eröffnung der Videotheken sei eine durchaus ernst zu nehmende Konkurrenz für die Kinobetreiber gewesen. Auch Streaming-Dienste machen die Situation für die Lichtspielhäuser nicht leicht. Manfred Esser ist Kino-Manni. Der 54-Jährige arbeitet schon fast vier Jahrzehnte im Corso-Filmpalast. Angst vor Entlassung und Arbeitslosigkeit muss er in der aktuell schwierigen Situation nicht haben. „Manni gehört praktisch zur Familie“, erzählt Frank Dohmen. „Zur Not macht er jetzt vorübergehend erstmal den Hausmeister.“ Sämtliche Veranstaltungen im Saal Sodekamp-Dohmen sind abgesagt, das Terminbuch ist leer. Polizeifest, Jahreskonzert der Blaskapelle Brachelen, Kinderkommunion, Konfirmation, Hochzeitsfeiern und Geburtstagsfeste fallen für die nächste Zeit aus. Das macht Frank Dohmen zurzeit Sorgen. „Etwa 40 Prozent unserer Kosten sind Löhne. Ich habe eine Verantwortung gegenüber unseren Angestellten“, sagt er. Und denkt über Kurzarbeitergeld nach.