Hückelhoven: Hilfarther "Mangemaaker" zeigen ihr Handwerk

Hückelhoven: Hilfarther "Mangemaaker" zeigen ihr Handwerk

Zum Weidenschälfest bewiesen die Männer vom Korbmachermuseum ihre Kunstfertigkeit vor zahlreichen Gästen.

Er muss noch ein bisschen üben, der Wille ist aber schon klar erkennbar: Elias, sechs Jahre alt und aus Kerkrade daheim, zieht eine lange grüne Weidenpflanze mit bravourösem Krafteinsatz durch die "Striejepe", um die Schale vom Inhalt zu lösen, damit der geflochten werden kann. Als Limburger hat der Knirps keine ganz so großen Schwierigkeiten mit Hilfarther Plattdeutsch - "Striejepe" ist eine Schälklemme, ein V-förmiges Werkzeug, durch das die Weide gezogen wird, um die Schale abzustreifen.

Jeweils am dritten Maisonntag steht das immer chicer werdende Korbmachermuseum an der Nohlmannstraße, ein prächtiger Vierkanthof, ehemaliger Wirtschaftstrakt des Franziskanerinnen-Klosters aus dem 18. Jahrhundert, als Arbeits- und Besichtigungstrakt im Focus der an historischen Handwerken interessierten Besucher. Mitte Mai sind nämlich die seit Ende Februar/Anfang März in Wasser gesetzten Weidenpflanzen reif, wie der stellvertretende Vorsitzende des Korbmachervereins, Heinz Knur (und seine Kollegen) den Besuchern erläutert. Reif heißt, dass das Wasser hinter die Schalen gedrungen ist, die sich dann leichter lösen lassen. Den Zeitpunkt dürfen die Korbmacher nicht verpassen - in diesem Jahr war man eigentlich schon eine Woche zu spät, nicht weil man geschlafen hätte, der milde Winter hat auch diesen Prozess beschleunigt.

Davon überzeugte sich auch Bürgermeister Bernd Jansen, selbst gelernter Handwerksmeister, der bei der Eröffnung des gleichzeitigen 6. Festes der Hilfarther Gewerbetreibenden schon beinahe den Regenschirm vermisste.

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Wasser gehört in größeren Mengen zum Korbmacherhandwerk, Wasser gab's in der Hilfarther Natur immer schon in rauen Mengen, beim Weidenschälfest schenkten die Ehrenamtler neben alkoholfreien Getränken aber auch eine respektable Menge frischen Biers und anderer Alkoholika aus, den Holzkohlegrill bestückten die Mitglieder im steten Wechsel mit allerlei frischem Fleisch, in der großen Scheune warteten ebenfalls größere Mengen an Kuchen und Gebäck.

Und in der Werkstatt warteten die Korbflechter auf die Neugierigen, wobei warten nicht Untätigkeit bedeutete, denn die Hilfarther "Mangemaaker" (Mang oder auch Wann sind Plattdeutsch-Synonyme für Körbe) hören ungern an unfertigen Körben aller Art auf. Den ganzen Tag saßen die Männer, die den Beruf noch bis in die 1950-er Jahre hinein gelernt hatten, flechtend auf der "Plank", dem hölzernen Arbeitssitz, der aber auch für Interessenten geräumt wurde, damit diese an eigenen Händen erfahren konnten, dass das Korbflechten ein Beruf ist, für den man ordentliche drei Jahre lernen muss.

www. rurtal-korbmacher.de

(isp)
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