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Hilfarth: Heinz Dohmen feiert am 8. Juli 70. Geburtstag

Hilfarther Gastronom wird 70 : Kino auf dem Rasiersitz für 50 Pfennig

Der Hilfarther Gastronom und Konzertveranstalter Heinz Dohmen wird am 8. Juli 70 Jahre alt. Nach Heino kamen viele weitere Prominente in seinen Saal. Eine besondere Freundschaft verbindet ihn mit Stimmungssänger Tony Marshall.

Sich von Fuzzy in den Wilden Westen entführen lassen, mit Dick und Doof lustige Geschichten erleben. Die fantasievolle Welt, in die Heinz Dohmen als kleiner Junge gern flüchtete, war schwarz-weiß, voller unglaublicher Abenteuer – und sie kostete eine Mark Eintritt. Der bekannte Gastronom von der Rurbrücke, der Kino, Gaststätte, Festsaal und Restaurantbetrieb von den Eltern übernahm und vor zwei Jahren an Sohn Frank weitergab, wird am Mittwoch, 8. Juli, 70.

Herr Schulte aus dem Sauerland war der Mann, der dem Jungen von der Rurbrücke zur vorübergehenden Flucht in die Fantasiewelt mit Cowboys und Indianern oder mit Stan Laurel und Oliver Hardy verhalf. Herr Schulte, der Mann mit dem Wanderkino. „Rasiersitz war ganz vorne an der Leinwand. Der kostete nur 50 Pfennig“, erinnert sich der Jubilar, der in ein paar Tagen auf sieben Lebensjahrzehnte zurückblickt. Weil das Filmangebot so erfolgreich war, beschlossen seine Eltern, ein eigenes Kino zu eröffnen.

Das Wohnzimmer seiner Eltern über der Gaststätte funktionierte er kurzerhand zur Künstlergarderobe um. Hier wechselten berühmte Schlagerbarden und Volksmusik-Stars wie Heino, Roy Black, Andy Borg, Marianne und Michael, Roberto Blanco, Maria und Margot Hellwig oder Florian Silbereisen die Kleidung, bereiteten sich auf ihren Auftritt bei Sodekamp-Dohmen vor. Dass es keine „richtige“ Künstlergarderobe gab, hat ihnen nichts ausgemacht.

Bekannte Stars an die Rurbrücke zu holen, gelang Heinz Dohmen seit 1989, als Heino im Kirmeszelt im nahe gelegenen Baesweiler-Setterich seine schwarz-braune Haselnuss besang und er es schaffte, sich bis zur Künstlergarderobe durchzufragen. „Das ist überhaupt kein Problem“, antwortete der Sänger mit der dunklen Sonnenbrille. Die Gage war ein finanzielles Risiko: 18.000 Mark. Heinz‘ Eltern waren skeptisch, er zuversichtlich: „Das klappt schon.“ Am Konzertabend war es „brechend voll“, alle wollten den prominenten Fernsehstar live in Hilfarth erleben – die Geburtsstunde für Heinz‘ Engagement als Konzertveranstalter hatte geschlagen.

Wegen der Corona-Pandemie wird der Ur-Hilfarther nur im kleinen Kreis seinen Geburtstag feiern. Im eigenen Biergarten hinter dem Haus, in dem Sohn Frank in diesem Sommer die Höhner, Jürgen B. Hausmann und Politiker Wolfgang Bosbach empfängt, stoßen seine 100 engsten Freunde mit dem gelernten Koch und Ehefrau Emmy an – Mitglieder des Männergesangvereins Eintracht, Karnevalisten, seine Familie. Ans Aufhören denkt der rüstige Gastronom noch lange nicht. „Ich bleibe hier der Ansprechpartner für die ältere Kundschaft“, zwinkert er vergnügt. Gerade in der schwierigen Corona-Zeit möchte er seinen Nachfolger Frank nicht allein lassen. Vier Monate war das Kino geschlossen. „Es gab schon schlechte Zeiten, aber das gab es noch nie.“