Hans-Jörg Koch mit Spenden bei der Benefiz-Rallye Dresden-Dakar-Banjul 2019

Dentalausrüstung aus Hückelhoven : Mit Spenden quer durch die Sahara

Unternehmer Hans-Jörg Koch und Lebensgefährtin Kerstin Müller nahmen an der Benefiz-Rallye Dresden-Dakar-Banjul teil. Sie brachten 2500 gebrauchte Brillen, mehrere Hundert Plüschtiere und wichtiges Dental-Werkzeug quer durch die Sahara nach Gambia.

Sie sind zurück. Fast 8000 Kilometer liegen hinter ihnen. Quer durch die Wüste, durch europäische und afrikanische Länder. Frankreich, Spanien, Marokko, Mauretanien, Senegal. Bis in die gambische Hauptstadt Banjul führte ihr oft beschwerlicher und riskanter Weg. „Es war wieder ein großes Abenteuer“, sagt Hans-Jörg Koch. Der bekannte Rafting-, Kajak- und Kanutourenanbieter, dessen knallrote Boote auf der Rur vielen bekannt sind, ist zum zweiten Mal nach Afrika aufgebrochen, um bei der halbjährlichen Benefiz-Rallye Dresden–Dakar–Banjul dringend benötigte Spenden und Hilfsgüter auf den Weg zu bringen.

Mit Lebensgefährtin Kerstin Müller (52) war der 55-Jährige fast einen ganzen Monat lang unterwegs. Das Paar hatte sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: die notleidende Bevölkerung in Gambia zu unterstützen. 300 bis 400 Kuscheltiere, die Koch von Spendern aus dem gesamten Kreis Heinsberg erhalten hatte, waren in Plastiksäcken verpackt mit an Bord seines Wagens. Die Hückelhovener Zahnarztpraxis „Zahn + Zähnchen“ hatte ihm wichtiges Dental-Werkzeug sowie Spenden mitgegeben. Auch das Dental-Team Jaeger aus Hückelhoven zeigte sich großzügig. Außerdem hatte Hans-Jörg Koch etwa 2500 gebrauchte Brillen dabei.

Der Fiat Ducato mit Hans-Jörg Koch am Steuer vor dem Tor zur Sahara. Foto: Hans-Jörg Koch

Insgesamt 47 enthusiastische Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz fuhren mit. Organisiert wird die abenteuerliche Fahrt alle sechs Monate vom Dresdener Verein „Breitengrad“. Dabei liege die Frauenquote nur bei acht Prozent, berichtet Koch. Und ergänzt schmunzelnd: „Da fahren nur Enthusiasten und Wahnsinnige mit.“

Koch übergab Spenden an den Leitenden Arzt der Klinik. Foto: Hans-Jörg Koch

Sein Auto, ein 14 Jahre alter Fiat Ducato, der rund 120.000 Kilometer gelaufen war, wurde bis unters Dach beladen. Beim nicht ganz ungefährlichen Durchqueren der Sahara mit der Angst, im Sand stecken zu bleiben, dann der große Schock. „Ich war leichtsinnig, bin über 100 Stundenkilometer gefahren“, erinnert sich der Rallye-Teilnehmer aus dem Kreis Heinsberg. Die Ölwanne war plötzlich kaputt, Motoröl trat aus. „Ich dachte in dem Moment, das war’s jetzt, wir müssen uns aufteilen auf andere Fahrzeuge und den Ducato zurücklassen“, schildert er die schlimmen Minuten in der heißen Wüste voller Panik. Drei Mechaniker, selbst Teilnehmer der bekannten Benefiz-Rallye, halfen spontan. Sie reparierten die Ölwanne binnen kürzester Zeit provisorisch. „Da wurde geschweißt und geklebt. Wir hatten in dem Moment noch 2500 Kilometer vor uns.“ Die notdürftig geflickte Ölwanne hielt.

Bei der Rallye waren auch 40 Kilometer am Strand zurückzulegen. Foto: Hans-Jörg Koch

Aufatmen beim Teilnehmer-Paar, das in der Sahara neun Tage lang auf sanitäre Anlagen verzichtete. „Man sucht sich kurz eine Düne, wenn man mal muss“, verrät Kerstin Müller, die aus Mönchengladbach stammt und in Randerath zu Hause ist. Bei großer Hitze – über 40 Grad Celsius – musste aufs Duschen verzichtet werden. Eine Klimaanlage hatte der Wagen nicht. „Sicher, es war schon eine Herausforderung“, so Kerstin Müller. „Es war so heiß, dass wir bis zu sechs Liter Wasser am Tag getrunken haben.“ Koch ergänzt: „Der ständige Wind, überall war Sand. Man fühlte sich wie ein lebendes Schmirgelpapier.“

Kurz vor der Versteigerung – der Ducato brachte 3100 Euro ein. Foto: Hans-Jörg Koch

Unterwegs sei es sehr harmonisch zugegangen, jeder habe seine speziellen Aufgaben gehabt, erklärt Hans-Jörg Koch. „Als Beifahrer sitzt man nicht nur daneben und entspannt.“ Auf die Strecke achten, um Schäden zu vermeiden. Auf ihrer abenteuerlichen Reise passierten sie 28 Polizeikontrollen. „Wenn die Männer an der Grenze mit ihren Kalschnikows stehen, wird einem schon ganz anders.“ Nach 22 aufregenden Tagen und elf Ländern die Ankunft in Gambias Hauptstadt Banjul. Schon unterwegs hatten sie viele Plüschtiere an die Mädchen und Jungen am Straßenrand verteilt. Hans-Jörg Koch und Freundin Kerstin Müller besichtigten ein Krankenhaus, das Hilfsgüter und die Sehhilfen erhielt.

Kochs Auto wurde vor dem Fußballstadion der afrikanischen Hauptstadt versteigert. Künftig soll das gebrauchte Gefährt aus der Region Heinsberg, das noch 3100 Euro für den guten Zweck einbrachte, als Taxi eingesetzt werden. „Mit den 120.000 Kilometern ist der Ducato für afrikanische Verhältnisse fast noch ein Neuwagen“, schmunzelt Koch. Eine weitere Teilnahme an der Benefiz-Rallye Dresden–Dakar–Banjul in circa drei Jahren schließt er für sich nicht aus. Auch Partnerin Kerstin Müller kann sich gut vorstellen, wieder mitzufahren.