Hückelhoven: Fräulein Lorchens Liaison

Hückelhoven: Fräulein Lorchens Liaison

Lambertus-Theater bot beste Unterhaltung. Altes Millowitsch-Stück an die Rur und zur Haagstraße verlegt.

Nicht mehr trinken. Jeden Tag zur Arbeit gehen. Ein solides Leben führen. Anton Palm (gespielt von Fredi Niehsen) schafft es. Nach einem Jahr, das er ohne Rückfall durchgehalten hat, winkt die große Erbschaft seines verstorbenen Freunds Möller, der diese Bedingungen mit dem grandiosen Geldsegen verknüpft hat.

"Bei uns im Viertel" heißt das unterhaltsame Volksstück in fünf Akten aus der Feder von Willy Millowitsch senior, das die insgesamt 14 Akteure des integrativen Lambertus-Theaters bei zwei gut besuchten Vorstellungen zur Aufführung brachten. Regisseurin Ulrike Niehsen und ihre bunt gemischte Truppe - spielbegeisterte Mitglieder der Pfarrgemeinde St. Lambertus sowie Bewohner aus Haus Schnorrenberg, dem Projekt für Betreutes Wohnen für Menschen mit Handicap - hatten sichtlich Spaß an der turbulenten Inszenierung.

Für gut zwei Stunden entführten sie ihr begeistertes Publikum im katholischen Jugendheim in eine andere Welt: Hückelhoven an der Schwelle zum 20. Jahrhundert. Als feine Damen wie Fräulein Lorchen (Meike Flöting) schöne, lange Kleider trugen. Fräulein Lorchen hat ein Problem. Die junge Frau, Tochter des Bäckermeisterpaares Hermann und Apollonia Knuddelmeyer (gespielt von Uwe Zahren und Elfi Hohenforst), ist nämlich heimlich verliebt in Hans Palm (Torsten Schmitz), den Sohn des armen Trunkenbolds. Eine Liaison, die für ihre Eltern alles andere als standesgemäß ist. Darum ist Mutter Knuddelmeyer auch strikt gegen die Verbindung.

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Besonders viel Mühe hatten sich die Lambertus-Hobbymimen mit dem Bühnenbild gegeben, das in den beiden Akten vor der Pause die Bäckerei Knuddelmeyer zur Jahrhundertwende zeigte, in den drei darauf folgenden Akten das zunächst ärmliche, dann üppige Zuhause der Familie Palm, deren Oberhaupt seinen früheren Hausmitbewohner Möller tatsächlich beerbt und sein Leben in den Griff bekommen hat.

Aus dem einstigen Habenichts ist schließlich ein zufriedener Mann geworden - man gönnt es ihm. Die Bäckersleute hingegen gehen bei der Testamentseröffnung leer aus. Als Spendensammler hatten Waltraud Bath und Martin Tymczuk ihren Bühnen-Einsatz. Beide leben im Betreuten Wohnen Haus Schnorrenberg. Als Kundin der Bäckerei wirkte Carla Eggerath mit. Die 54-Jährige wohnt inzwischen in einer eigenen Wohnung, war vorher ebenfalls im Betreuten Wohnen zu Hause.

Mit Bedacht sucht die engagierte Regisseurin Ulrike Niehsen stets die Rollen für die Mitspieler mit Handicap, die die Doverenerin "Klienten" nennt, aus. Lokalkolorit spielt immer eine große Rolle. So wurde neben der Rur, in der Anton Palm seinen Nachbarn vor dem Ertrinken rettete, auch die Haagstraße erwähnt.

(cb)