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Ferienspielwochen im Ratheimer „Nest“ während Corona-Krise

Mit coronabedingten Einschränkungen : Ferienspielwochen im Ratheimer „Nest“

Eigentlich sollen die Kinder unbeschwert spielen und ein umfangreiches Ferienprogramm genießen. Doch der tragische Badetod einer Elfjährigen und auch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise überschatten die gemeinsamen Aktivitäten der Mädchen und Jungen in der Ratheimer Einrichtung „Das Nest“.

Sie sind traurig, die Stimmung ist gedrückt bei den Ferienspielen in der Kleinen Offenen Tür Das Nest. Im großen Gemeinschaftsraum haben die Mädchen und Jungen einen Erinnerungstisch aufgebaut für ihre tote Freundin Fabienne (elf Jahre), die am Freitagabend bei einem tragischen Unglück im Adolfosee ertrank.

Sie haben eine Kerze mit ihrem Namen beklebt, Fotos zeigen die Schülerin dort, wo sie glücklich war: bei den Ratheimer Ferienspielen. Die acht- bis zwölfjährigen Teilnehmer haben heute keine Lust zum Basteln oder Malen. Sie beschließen, zum nahe gelegenen Adolfosee zu gehen. Am Ufer wollen sie still zusammen stehen und an das blonde Mädchen denken, das auf den Fotos so unbeschwert lacht.

Und auch die anhaltende Corona-Krise belastet die sonst so fröhlichen Ferientage schwer. Statt wie bisher 50 dürfen nur noch zehn Kinder mitmachen bei den täglichen Spielaktionen in der evangelischen Freizeiteinrichtung. In dieser Gruppenstärke sei es erlaubt, dass sich die Mädchen und Jungen nah kämen und auf eine Mund-Nasen-Bedeckung verzichtet werde, sagt Leiterin Beate Franz.

Insgesamt drei Wochen versucht sie zusammen mit den ehrenamtlichen Helfern, Teamer genannt, den kleinen Daheimgebliebenen die freien Tage so angenehm wie möglich zu gestalten. Denn: Wegen der Pandemie fährt kaum jemand in den Urlaub. Auf das sonst übliche gemeinsame Mittagessen muss verzichtet werden – die Hygienevorschriften haben den wenigen Teilnehmern der Ferienspiele einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Deshalb treffen sich die Ratheimer Kids jetzt immer erst nachmittags. „Sie sollen vorher zu Hause Mittag gegessen haben“, erklärt Beate Franz das neue Konzept. Wer zwischendurch Hunger hat, darf sich Müsliriegel nehmen. „Outdoor-Woche“ – so hat sie die ersten fünf Tage der großen Ferien überschrieben, in denen die Kinder mit ihren Fahrrädern unterwegs waren, im Wald aus Stöcken ein Häuschen bauten und einen Parcours absolvierten, bei dem Balancieren, Springen und Klettern gefragt waren.

Auf dem Spielplatz durfte getobt werden, und es gab Eis. An der Rur in Hilfarth machten die Schülerinnen und Schüler Station. Hin und wieder überraschte sie der Regen. „Zweimal sind wir pitschnass geworden“, verrät Beate Franz. Nach der „Outdoor-Woche“ folgt jetzt die „Indoor-Woche“, die dritte und letzte Woche der Ratheimer Ferienspiele wird eine Mischung aus beiden Angeboten sein.

In der evangelischen Einrichtung Das Nest dürfen die jungen Ratheimer kreativ sein beim Malen und Basteln. Ein Dauerhit ist das beliebte Rollenspiel „Die Werwölfe vom Düsterwald“, mit dem sie sich stundenlang beschäftigen können und das sie in die zerklüftete Hochebene des geheimnisvollen Hunsrück entführt, in das kleine Dorf namens Düsterwald, in dem Werwölfe und Hexen ihr Unwesen treiben.

Bürgermeister Bernd Jansen wird die Ferienspiele in diesem Jahr wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus nicht besuchen. Beate Franz hat jedoch erfahren, dass sich der Hückelhovener Verwaltungschef in einem Brief an die Ferienkinder wenden wird. Das Schreiben aus dem Rathaus wird sie den Mädchen und Jungen vorlesen.

„Diesmal haben wir die Ferienspiele spontan auf die Beine gestellt“, verrät Leiterin Beate Franz. „Sonst bereiten wir schon ab April alles vor.“ Diesmal sei man unsicher gewesen, ob und in welcher Form die gemeinsamen Freizeitaktivitäten überhaupt durchgeführt werden können.

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