Hückelhoven: Einer mit vill Jepäck

Hückelhoven: Einer mit vill Jepäck

Tommy Engel präsentiert seinem Publikum eine Hommage an Köln mit einem Repertoire, das sich bewusst von der karnevalistischen Vergangenheit distanziert. Wenn der Künstler ins Erzählen gerät, wird Vergangenheit sehr lebendig.

Es waren gelungene zwei Stunden, die die Zuhörer in der fast komplett besetzten Hückelhovener Aula erlebten. Mit seiner Band ließ Tommy Engel viele Erinnerungen an vergangene Zeiten wieder sehr lebendig werden.

In der Mehrzahl entstammte das Publikum der Generation, die zu den Liedern der Blääck Fööss groß geworden war. Kein Wunder, dass vor allem die überarbeiteten Songs aus dieser Zeit den meisten Zuspruch fanden. Der Sänger betonte zwar, dass seine Zeit mit der Kölner Band vorbei sei, und die Trennung sei gut, weil alle dennoch ihren Erfolg hätten. Gleichwohl sorgten "Pütze Hein", "Ming eetste Fründin" und "Du bes Kölle" für stürmischen Applaus.

Eine Hommage an Köln bestimmte das Programm, Tommy Engel stellte seine CD "Dat Kölsche Songbook" vor. Die Sammlung enthielt nur ganz wenige eigene Titel, die gecoverten Versionen hatte Jürgen Fritz (Klavier) musikalisch überarbeitet und mit Kölschen Texten versehen. Ob Stefan Raabs "Ävver es Hätz blieb he en Kölle", Nobbi Kampmanns "Nit vun Kölle" oder Trude Herr "Niemols jeit mer su janz", die Domstadt stand thematisch immer im Mittelpunkt. Auch Joe Cocker und die Beach Boys wurden dafür vereinnahmt. Und die Emotionen beim Sänger für seine Stadt blieben auch nicht verborgen.

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Mit seiner Band aus Till Kersting (Gitarre), Frauke Harder (Gesang), Alex Vesper (Schlagzeug), Hans Mahn (Bass) und Helmut Kruminga (Gitarre) hatte Engel Profimusiker mitgebracht, die musikalisch perfekt spielten und immer wieder mit kurzen Solos glänzten, auch wenn sie mitunter ein wenig teilnahmslos im Hintergrund standen. Ein fast-a-capella-Solo der Musiker sorgte vor der Pause für eine gelungene Abwechslung.

"Besinnlich" lautete das Fazit der Zuhörer. Langsamer Rock, der sich mit einem Swing abwechselte, hatte das Publikum in eine wohlige Stimmung versetzt. Zwischen den Zeilen hielt Tommy Engel das seinen Zuhörern charmant vor, trug allerdings selbst auch dazu bei. Denn seine Kölschen Liedtexte waren nur schwer zu verstehen und verloren dadurch einiges an Aussagekraft. Es blieb dann nur noch der musikalische Genuss.

Wenn der Künstler bei seinen Anmoderationen ins Erzählen geriet, wurde Vergangenheit sehr lebendig, in vielen Köpfen entstanden Bilder aus der Jugend. Mit der Kölner Karnevalsband will Tommy Engel nicht mehr verglichen werden. Das Konzert in Hückelhoven war ein guter Beleg, dass er es auch alleine kann.

(maut)
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