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Ein Leben für den Bergbau – Bergmann aus Hückelhoven feiert seinen 80.

Detlef Stab aus Hückelhoven feiert 80. Geburtstag : Ein Leben für den Bergbau

42 Jahre war er bei der Zeche Sophia-Jacoba beschäftigt. Er blickt zurück auf starken Zusammenhalt und die schwere Zeit der Zechenschließung.

Die Schachtanlage an der Sophiastraße ist sein zweites Zuhause. Das ist bis heute so, auch wenn „seine“ Zeche Sophia-Jacoba bereits 1997 stillgelegt wurde. Hier verbringt Detlef Stab, der jetzt 80 wurde, immer noch viel Zeit.

Donnerstags koordiniert er als Vorsitzender des rund 1000 Mitglieder starken Fördervereins Schacht 3 die ehrenamtlichen Arbeitseinsätze der ehemaligen Kumpel. Bei den Führungen für angemeldete Besuchergruppen ist der ausgebildete Maschinenfahrsteiger und Diplom-Ingenieur ebenso anzutreffen wie beim Tag der offenen Tür oder beim traditionellen Trödelmarkt. „Wir sind froh, wieder was machen zu können“, bekennt Stab, der den langjährigen Arbeitskampf der Hückelhovener Bergleute als stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrates gemeinsam mit dem Vorsitzenden Franz-Josef Sonnen organisierte.

Rückblickend sagt er, der 42 Jahre bei Sophia-Jacoba voll gemacht hat, dass diese Zeit die schwerste in seinem Leben war. In die hoffnungsvollen Gesichter der Männer zu schauen, die sich im Festsaal an Schacht 4 und 6 in Ratheim versammelt hatten, ihnen aber keine guten Nachrichten überbringen zu können. „Wir kamen von Gesprächen zurück mit leeren Händen und mussten in die Augen der Kumpel sehen“, sagt er leise. Keine einfache Zeit. Trotzdem möchte er sie nicht missen. Und dennoch: Der zweifache Urgroßvater ist noch heute stolz auf das Erreichte. „Wir haben damals Zeit gewonnen, um die Probleme zu lösen. Wir konnten langsam Personal abbauen.“ An Schacht 3 beschäftigt sich der Rentner nun exakt mit dem Gegenteil – er baut kontinuierlich Personal auf. Holt die alten Kollegen zurück, die Fördergerüst, Maschinenhaus und Schachthalle in Schuss halten und immer wieder kleine Reparaturarbeiten ausführen. „Arbeitslos wird man hier nicht“, lacht der Jubilar.

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Als er jetzt 80 wurde, bat er seine knapp 100 Gäste – Familie, Freunde, Nachbarn, ehemalige Kollegen – in kein schickes Restaurant. Detlef Stab wollte an Schacht 3 feiern, wo man sich immer noch mit „Glück auf“ grüßt und der Kohlehobel in den Erinnerungen der Kumpel weiter rattert. Die Bergkapelle Sophia-Jacoba hatte er eingeladen, auch Bürgermeister Bernd Jansen, den Technischen Beigeordneten Achim Ortmanns und seine Schwestern Renate und Rosemarie. In seiner launigen Geburtstagsansprache schlug er auch ernste Töne an, ließ seine Kindheit in der schweren Kriegs- und Nachkriegszeit noch einmal Revue passieren. Als Flüchtlingsjunge hatte er es nicht einfach im Schaumburger Land.

Detlef Stab wurde 1941 geboren, mitten im Zweiten Weltkrieg. „Bei den Bombenangriffen sind wir in Erdhöhlen gekrochen, um uns zu verstecken“, erinnert er sich. In Viehwaggons mit der Eisenbahn nach Niedersachsen. Zwischenstopp auf einem Bauernhof im Schaumburger Land, wo die Kinder bei der schweren Feldarbeit helfen mussten. Einziger Lichtblick: wenn die Bäuerin eine warme Mahlzeit brachte.

An seine 42 Jahre bei Sophia-Jacoba denkt er gerne zurück. „Manchmal hat man auch geflucht“, gesteht er. „Den Beruf des Bergmanns kann man nur lieben und hassen.“ Den starken Zusammenhalt unter Tage hat er immer geschätzt. „Bergbau ist nicht eines Mannes Sache“ , bringt er das alte Zechen-Zitat an, das für ihn noch heute Gültigkeit hat. „Man fühlte sich immer für den anderen verantwortlich, wenn wir auch manchmal gestritten haben.“ Das gilt auch heute noch an Schacht 3.