Hückelhoven: Ein bunter Treff des Miteinanders

Hückelhoven: Ein bunter Treff des Miteinanders

"Unser Treff - wir sind bunt" nennt sich die neue Reihe, in der sich interessierte Hückelhovener und Flüchtlinge zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten treffen. Weitere Aktive, egal wie viel Zeit sie investieren können, sind willkommen.

Wenn er sich im Takt der Trommeln bewegt, ist er glücklich. Für einen kurzen Moment ist sie wieder da, die Erinnerung an die alte Heimat Irak, die er vor zwei Jahren verlassen hat. "Kommst du? Ich stelle dir jemanden vor", sagt Trommellehrerin Fatima Deckers in ihrer mitreißenden, begeisternden Art zu mir. Dann steht Mohammed Said vor mir. Der junge Iraker strahlt, die Freude über den für ihn unvergesslichen Nachmittag ist dem 33-Jährigen deutlich anzumerken.

In der Baaler Ausgabestelle der Tafel hilft er regelmäßig mit, Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen. Hier hat Mohammed Said neben einer ehrenamtlichen Beschäftigung auch ein Zimmer gefunden. Hier sprach ihn Fatima Deckers an, um den jungen Mann zum Kennenlern-Treffen ins DRK-Heim an der Hückelhovener Rheinstraße einzuladen. Die Heinsberger Trommellehrerin, die sich im Organisationsteam für die neue Veranstaltungsreihe "Unser Treff - wir sind bunt" engagiert, möchte mithelfen, Menschen aus verschiedenen Kulturen, die sich fremd sind, zusammen zu bringen: Flüchtlinge und Mitglieder der katholischen Frauengemeinschaft St. Lambertus, Ehrenamtler, die sich in der ehemaligen Zechenstadt zu Flüchtlingspaten ausbilden ließen, und Interessierte, die sich vorstellen können, sich regelmäßig um Flüchtlinge in Hückelhoven zu kümmern.

Silvia Koch kann sich das nicht nur vorstellen - sie hat ihr Vorhaben bereits vor zwei Jahren in die Tat umgesetzt. Damals freundete sie sich mit zwei jungen Frauen an, die in Hilfarth ein neues Zuhause gefunden haben: mit der Afghanin Morsal Behbode (23) und deren bester Freundin, der Iranerin Fariba Abassi (22).

Silvia Koch hat sie mit dem Auto in Hilfarth abgeholt und bringt sie nach dem kleinen Fest in ungezwungener Atmosphäre zurück nach Hause. In der großen Küche des DRK-Hauses berichtet das Trio von seinen gemeinsamen Aktivitäten. Im Zirkus sind sie neulich gewesen, wenn es wärmer wird, werden sie zusammen Eis essen bei Peters in Ratheim. Bescheiden erklärt Koch, dass sie "nur" inoffizielle Flüchtlingspatin sei. Die sind Ehrenamtskoordinatorin Petra Hudler aber genauso lieb. "Jeder entscheidet selbst, wie viel Zeit er mitbringt. Wir verpflichten niemanden. Es gibt freie Zeiteinteilung, so dass man alles selbst steuern kann", macht die städtische Bedienstete deutlich. Auch die Teilnahme an den vier verschiedenen Fortbildungsseminaren ist freiwillig. Dabei werden angehende Paten über die rechtliche Situation der Flüchtlinge informiert oder zum Thema sexualisierte Gewalt präventiv geschult. Petra Hudler ist auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlern.

Mit der enormen Resonanz auf das zwanglose Treffen ist Hückelhovens Gleichstellungsbeauftragte Linda Vieten-Wyen mehr als zufrieden. "Wir wussten nicht, wie viele kommen. Anmeldungen waren nicht erforderlich", sagt sie und deutet in den übervollen Gruppenraum der Rotkreuzler, in dem Fatima Deckers ihre mitgebrachten Instrumente verteilt hat. "Trommeln und Erzählen mit Fatima" hat der Organisationskreis das kostenlose Angebot bei Kaffee, Tee, Gebäck und Muffins genannt.

Für das nächste Treffen am 19. April werden zum Schluss Vorschläge gesammelt. Jeder bringt Essen aus seiner Heimat mit. Auch gemeinsames Kochen, Malen, Musizieren, Theaterspielen oder ein Ausflug, wenn die Temperaturen wieder wärmer sind, gehören zur Planung.

(cb)