Hückelhoven: Ein Altenheim als Flüchtlingspate

Hückelhoven : Ein Altenheim als Flüchtlingspate

Das Evangelische Altenzentrum Hückelhoven übernimmt eine Vorbildfunktion. Es bindet Flüchtlinge in seine Arbeit ein, sie fassen mit an und helfen den Bewohnern. Im Gegenzug gewinnen sie viele Kontakte. Integration im Alltag.

Das evangelische Altenzentrum in Hückelhoven engagiert sich seit 2013 für Flüchtlinge. Unter dem Motto "learning by doing" möchte das Altenzentrum zeigen, dass eben auch Institutionen ihren Beitrag als Pate für Flüchtlinge leisten können. Momentan arbeiten vier Flüchtlinge ehrenamtlich dort und helfen in allen Bereichen, wo sie nur können.

Sotudeh Y. (28) kam 2012 zusammen mit ihrer Mutter Mandana Vaksi Moghaddam (50) und ihrem Partner Nariman M.(29) aus dem Iran nach Deutschland, um in Freiheit leben zu können. Um sich besser in Deutschland zurechtfinden zu können und die deutsche Sprache erlernen, fragte das junge Paar im Altenheim an, ob es eine ehrenamtliche Beschäftigung ausüben könne.

Das Ehrenamt hat ihnen dabei geholfen, neue soziale Kontakte zu knüpfen und sich hier zu integrieren. Die Sprache beherrschen die Beiden durch einen Sprachkurs mittlerweile gut und können so im sozialen Dienst helfen. Der Asylantrag ist auch schon bewilligt. Die Mutter Mandana fragte kurze Zeit später ebenfalls an und kann nun ihre Kenntnisse aus ihrer Ausbildung im Iran nutzen und die Patienten beispielsweise massieren.

Aram Juzbashev (27) ist 2013 mit seiner Frau und seinen zwei Kindern aus Georgien geflohen, um hier "wieder Mensch sein zu können". Momentan hat Aram noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, aber das wird er durch die Arbeit im Altenheim in den Griff bekommen. Seine Flüchtlingspatin Olga Broekhoven Danischowa ist sich sicher, dass es viele Probleme, die die Flüchtlinge hier haben, mit einer gezielten Sprachförderung nicht gäbe: "Ihnen Geld zu geben reicht nicht. Es ist eine Hilfe, aber die Flüchtlinge müssen die deutsche Sprache lernen. Sonst ist die Barriere für sie hier zu groß."

Die Zusammenarbeit zwischen dem Altenheim und den Flüchtlingen funktioniert wunderbar. Das Verhältnis zwischen ihnen ist herzlich, und beide Seiten sind dankbar für die Hilfe der anderen. Sotudeh betont während des Gesprächs immer wieder, welch große Hilfe diese Beschäftigung ist und dass diese ganze Arbeit nicht möglich gewesen wäre, wenn der Leiter des Sozialamts, Heinz-Josef Schmitz, nicht vollen Einsatz gezeigt hätte. "Er sieht die Asylanten wie seine eigenen Kinder", sagt sie. Und möchte jeden Asylanten dazu ermutigen, sich eine ehrenamtliche Beschäftigung zu suchen, um sich besser integrieren zu können.

Auch Geschäftsführer Markus Lowis ist mit der Situation sehr zufrieden: "Wenn wir helfen können, dann machen wir das. Abgesehen davon ist es ein Geben und Nehmen". Pläne für die Zukunft haben die Asylanten auch schon. Nariman hatte bereits im Iran studiert und möchte nun in Deutschland seinen Master in BWL nachholen. Sotudeh möchte Zahnmedizin studieren und Aram wird bald in eine eigene Wohnung ziehen.

Während des Gesprächs stellte sich allerdings auch heraus, dass bei dem Thema Flüchtlingshilfe noch viel zu tun ist. Vorbehalte müssen aufgehoben werden. "Diese Flüchtlinge sind Menschen, so wie du und ich", sagt Schmitz. Zudem brauchen sie die Hilfe der Einwohner hier. "Die Wohnungen für die Flüchtlinge sind kaum eingerichtet. Sie können jede Hilfe von außen gebrauchen, ob es Bettbezüge, Tassen oder alte Möbelstücke sind", betonte Broekhoven Danischowa.

(RP)
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