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Corona-Zentrum in Hückelhoven: Rotes Kreuz darf nicht mehr selbst testen

Corona-Zentrum in Hückelhoven : Rotes Kreuz darf nicht mehr selbst testen

Knapp 200 Menschen werden im Hückelhovener Corona-Zentrum täglich getestet. Nachdem es Unklarheiten über die Finanzierung gab, mussten der Kreis und das Rote Kreuz für die Abstriche ein medizinisches Labor mit ins Boot holen.

15.644, diese Zahl hat Lothar Terodde, Geschäftsführer des Kreisverbands Heinsberg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), schnell zu Hand. 15.644 Abstriche haben die Mitarbeiter des DRK kreisweit bis zum 21. September gemacht, um eine etwaige Infektion von Menschen mit dem Corona-Virus ermitteln zu können.

Getestet wird nach wie vor, auch in dem vom DRK auf dem eigenen Gelände an der Rheinstraße in Hückelhoven eingerichteten Abstrichzentrum. Aber die neuen Zahlen fließen nicht mehr in die DRK-Statistik ein. Jetzt ist ein medizinisches Labor aus Düsseldorf für die Tests und deren Auswertung zuständig. Terodde kann dieser Konstellation, dass das DRK die räumliche und koordinatorische Seite der Tests und das Labor die medizinische trägt, durchaus etwas Positives abgewinnen. Schließlich entlastet diese neue Regelung das DRK, die ein wenig nach einem Umweg aussieht.

Begonnen haben die Abstriche im Rahmen der Corona-Pandemie nach dem Ausbruch in Gangelt und dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens ab Aschermittwoch im Kreis Heinsberg. Auf Bitten des Kreisgesundheitsamts hat der DRK-Kreisverband das erste Abstrichzentrum am Zentrum der Infektionen eröffnet. Schule und Turnhalle in Gangelt wurden in Beschlag genommen. „Das war zum damaligen Zeitpunkt die richtige Entscheidung des Kreises, der eine Schutzpflicht gegenüber den Bürgern zu erfüllen hat.“

Die Einrichtung habe gut funktioniert, auch dank der Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und anderen Hilfskräften, so Terodde. „Das war ein gelungenes und mächtiges Instrument im Kampf gegen das Virus.“ Dadurch seien Menschenleben gerettet worden, weil Infektionen erkannt wurden und Betroffene in Quarantäne keine weiteren Menschen anstecken konnten. Bis zu vier Abstrichstellen gab es im Zentrum, 70 bis 130 Abstriche wurden gemacht, in Spitzenzeiten waren es sogar 200 täglich.

Anfang August zog die DRK-Corona-Teststation um an die Rheinstraße nach Hückelhoven. „Das war aus mehreren Gründen sinnvoll“, so Terodde. Zum einen konnten Schule und Turnhalle wieder zweckentsprechend für Unterricht und Sport genutzt werden, zum anderen war der neue Ort zentral im Kreisgebiet gelegen. Alles schien gut.

Der Kreis erfüllte seine Pflicht, das DRK sorgte für die Durchführung. Die Zahl der Abstriche pendelte sich bei 120 ein. Immer waren sechs Mitarbeiter vor Ort, zu Spitzenzeiten kamen zwölf zum Einsatz, insgesamt waren beim Kreisverband 25 Personen mit der Aufgabe im Corona-Testzentrum beschäftigt. Alles ging seinen geregelten Gang: Das DRK sorgte für die Tests, der Kreis bezahlte – bis die Kassenärztliche Vereinigung auf den Plan trat.

Sie stellte fest, dass Tests zu den Aufgaben der hausärztlichen Leistungen zu zählen seien, und stellte ihre Vergütung ein. „Da wurde aus dem Zweierteam ein Trio“, meint Terodde rückblickend. Kurzerhand wurde das Labor aus Düsseldorf mit ins Boot genommen. Es kann die medizinische Leistung anders als der DRK-Kreisverband mit der Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen.

„Bei uns bleibt neben der Räumlichkeit die Koordination der Termine.“ Die Zahl der DRK-Mitarbeiter ist auf drei zurückgegangen. Nach einer ruhigeren Phase ist derzeit wieder Mehrarbeit abgesagt. „Wir sind darauf vorbereitet, dass ein weiterer Anstieg kommt.“ Heute sind in Hückelhoven täglich 200 Abstriche möglich, vier bis fünf Mitarbeiter kommen dazu pro Schicht zum Einsatz. Bis das Testergebnis beim Patienten angekommen ist, vergehen in der Regel 24 bis 36 Stunden.

Das Interesse an den Tests sei groß. Drei Gruppen stehen im Vordergrund: Bürger, die eine Überweisung durch einen Arzt vorweisen, das Personal von Kitas und Schulen sowie Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Darüber hinaus kann sich jeder auch von sich aus testen lassen. „Dann allerdings muss er die Kosten aus eigener Tasche bezahlen“, sagt Terodde. Rund 70 Euro dürften fällig sei, so schätzt er unter Vorbehalt.