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Circus Casselli und Circus Aladin im Quartier in Himmerich wegen Corona in Not

Borussia Hückelhoven hilft : Menschen und Tiere im Zirkus in Not

Auf dem Parkplatz der Disco in Himmerich haben die Familien von Circus Casselli und Circus Aladin mit ihren Tieren ein Behelfsquartier. Wegen Corona fehlen Einnahmen, die für Mensch und Tier dringend gebraucht werden. Die Hückelhovenerin Daniela Wirtz will Hilfe organisieren.

Der Hufschmied kommt am Donnerstag und kümmert sich um die Kamelfüße. Kostenpunkt: 600 Euro. Für eine Zirkusfamilie, die nicht arbeiten kann, eine Menge Geld. Doch das ist nicht das einzige Problem der Artisten, die seit Januar mit zwei Zirkusunternehmen auf dem Parkplatz der Discothek in Himmerich gestrandet sind. Die Hückelhovenerin Daniela Wirtz hat in den sozialen Medien von ihren Nöten erfahren und will Hilfe auf den Weg bringen

Ursprünglich war der Platz als Winterquartier für den Circus Casselli und Circus Aladin gedacht. Die Corona-Krise hat dann sämtliche Pläne für dieses Jahr zunichte gemacht. Vorstellungen, mit denen man sonst Geld verdienen kann, fallen aus, weiterreisen darf der jeweilige Zirkus auch nicht. Für die 50 Menschen ein Desaster, von dem vor allem die 22 Kinder im Alter von neun Monaten bis 15 Jahren betroffen sind. Die Artistenkinder werden von einer für NRW zuständigen Zirkusschule unterrichtet. Unklar ist bislang immer noch, was kommen wird. Die Familie wird, wie viele Unternehmen ebenfalls, vom Staat unterstützt. Was fehlt, ist eine Unterstützung für die Tiere.

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Daniela Wirtz, ehrenamtliche Platzwartin im Hückelhovener Glück-Auf-Stadion, hat die kleine „Zirkusstadt“ mit sieben Haushalten besucht und sich auch die Tiere angeschaut. „Es tut mir im Herzen weh, dass sie nicht reisen dürfen“, sagt Wirtz. Aufgeben komme nicht infrage, haben die Zirkusleute ihr erzählt. „Sie versuchen, so lange zu kämpfen, wie es geht.“ Besonders berührt hat die Hückelhovenerin, dass die Tiere wie Familienmitglieder angesehen werden. Die Geschichte, wie jemand bei einem kranken Pferd die ganze Nacht schlief, fand sie „mega schön“. Hier leben Kamele, ein Dromedar, Lamas, Ponys, Friesen, Ziegen, Hühner und Hunde. Nach Angaben der Familien kommt alle paar Monate das Veterinäramt zu Kontrollen. „Man kann nicht jedem helfen in der Corona-Zeit“, räumt Wirtz ein, „aber der Zirkus liegt mir am Herzen.“

In der Jugendversammlung des Sportvereins Borussia Hückelhoven hat sie die Lage der Zirkusleute, bekannt vom „Heinsberger Weihnachtszirkus“, thematisiert. „Es wurden Spenden gesammelt, damit kaufen wir am Freitag ein und überreichen mit einigen Vertretern der Jugendmannschaft Lebensmittel an die Familien.“ Vor örtlichen Supermärkten hatten die Familien Plakate mit Spendendosen angebracht. Doch in Wegberg beispielsweise wurde ein Plakat zerstört, die Dose aufgeschnitten und geleert. In Hilfarth wurden Zirkusmädchen von einem Supermarktparkplatz verscheucht. Daniela Wirtz betont noch ein Anliegen: „Dem Verein liegt es am Herzen, dass aufgeklärt wird und die Leute weniger Vorurteile haben. Das sind Menschen wie wir.“

 Vor einer Woche wurde dieses kleine Lama-Mädchen geboren, für das jetzt ein Name gesucht wird. Die Tiere können gern besucht werden.
Vor einer Woche wurde dieses kleine Lama-Mädchen geboren, für das jetzt ein Name gesucht wird. Die Tiere können gern besucht werden. Foto: Uwe Heldens

Die Zirkusleute haben alle Lkw abgemeldet und verfügen nur noch über ein Auto. Wegen Corona finden sie auch keinen anderen Stammplatz, haben sie Daniela Wirtz erklärt, beispielsweise bei einem Bauern mit Stallungen. Vor einer Woche wurde ein kleines Lamastutfohlen geboren. Nun lädt die Familie alle ein, den Zirkus auf dem Parkplatz in Himmerich zu besuchen und für das kleine Lama-Mädchen einen Namen vorzuschlagen. Es sollte ein Name aus der Disney-Welt sein, da auch die anderen Lamas Namen von Disney-Figuren haben – genau wie die Mutter des Neugeborenen: Sie heißt Elsa.