1. NRW
  2. Städte
  3. Hückelhoven

Canthe Kunstverein Hückelhoven e.V. zeigt Korrespondenzen von Ingrid Pusch

Ausstellung Kunstverein Canthe : Leise Kunst in einer lauten Welt

Ingrid Pusch aus Erkelenz bestreitet die aktuelle Schau des Kunstvereins Canthe im Alten Rathaus in Ratheim.

„Sehen ist Eigenverantwortung!“ Es war eher eine freundliche Empfehlung denn Ermahnung oder gar strenges Diktum, die die Kuratorin und Kunstpädagogin Ingrid Trantenroth-Scholz den rund 60 Besuchern der Eröffnung der Canthe-Kunstausstellung mit Werken der Erkelenzerin Ingrid Pusch mit auf den Rundgang durch das Alte Rathaus in Ratheim gab. Und die Abschluss-Empfehlung: „Korrespondieren Sie mit der Kunst von Ingrid Pusch!“

Und damit war der Titel der Ausstellung angesprochen – „Korrespondenzen“, etwas frei übersetzt als „in Verbindung treten“ oder „Beantwortung“, sich per Sichtachse den 18 gehängten (verkäuflichen) Bildern zu nähern, sich vielleicht Fragen zu stellen und die sich vielleicht auch zu beantworten.

Helmut Neußer hatte als Vorsitzender des Hückelhovener Kunst- und Künstlervereins Canthe die Interessierten begrüßt und sich stolz gezeigt, mit Ingrid Pusch eine Künstlerin zu Gast zu haben, die bereits zahlreiche Ausstellungen beschickt habe.

Als zurückgenommen und leise in einer lauten Welt charakterisierte die Kuratorin die Bilder und die Kunst Ingrid Puschs. Die Besucher sollten sich von daher Zeit zur Betrachtung, zur Korrespondenz nehmen. Besonders zu beachten sei die Übereinanderlage mehrerer Farbschichten, die sich zur Oberfläche ausbildeten, aber sichtbar blieben. Die Pinselstriche ordneten die Leinwand, auch schon mal Holz, in horizontale und vertikale Elemente, ohne jemals gegenständlich zu werden. Gewisse religiöse Bezüge weisen zwei Triptycha namens „Ravenna“ und „Portofino“ auf, zu denen Ingrid Pusch in Kirchen dieser beiden italienischen Städte inspiriert wurde, deren Form als dreiflügelige Erzählstruktur und vor allem die blaue Farbe als die Mariens aufgegriffen wird. Gold wird transzendental als Himmel gesehen. Gold aber auch in einem kleinformatigen Bild als „Goldenes Kalb“, als Symbol für Luxus, für die biblischen Sündenstädte Sodom und Gomorrha – dass in dem Augenblick im Foyer Sektkorken knallten, war keine geplante Dramaturgie, diente aber der Erheiterung der Kunstgemeinde.

„Fields of Gold“, „Fundstück“, „Zeitlos“, „Firmament“, „Rosa Granit“, „Sonnenstrahl“ – eine Auswahl der Bildtitel vom Klein- bis zum Großformat. Auch wenn Ingrid Pusch gern Nass in Nass malt, sind Ausgangsfarben durchaus zu erkennen, manchmal an Tropfnasen auf den Leinwand-Seitenrändern, die quasi zur Ausdrucksform dazugehören. Tropfen, manchmal Schlieren, verteilen sich auf den Flächen, werfen bei den Betrachtern die Frage nach dem Wie, nach der Machart auf, mit der Motivsuche macht dies ja das Wesen der Bildenden Kunst für Sehende aus, die Verstehende werden wollen.