1. NRW
  2. Städte
  3. Hückelhoven

Bronzetafel erinnert an die Notbelegschaft der Zeche Sophia-Jacoba

Alte Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven : Bronzetafel erinnert an die Notbelegschaft

Unter Beschuss der West-Alliierten verhinderten Bergmänner vor 77 Jahren die Überflutung der damaligen Steinkohlezeche Sophia-Jacoba. Daran erinnert nun eine Gedenktafel.

Auf die Art von Anschaulichkeit hätten alle Anwesenden – und sicher nicht nur die – gern verzichtet. Bei der Enthüllung einer Gedenktafel für die Notbelegschaft der früheren Zeche Sophia-Jacoba, die die Grube über den Jahreswechsel 1944/45 im Zweiten Weltkrieg vor der Überflutung rettete, zeigte der Vorsitzende des Fördervereins Schacht 3, Detlef Stab, auf: „Wenn Sie die Bilder des Krieges in der Ukraine sehen, dann wissen Sie, unter welchen Bedingungen die Notbelegschaft hier vor 77 Jahren gearbeitet hat.“

Und neben dem Erinnerungs-Bronzeguss konnte Stab auf ein zweites Metall-Element hinweisen, das unter der Tafel am Schachtgebäude montiert ist und von ihm stammt: Eine Abdeckplatte, die während des Kriegs von vielen Granatsplittern durchlöchert wurde.

Die Erinnerung an die Notbelegschaft will der Förderverein Schacht 3 mit dem Arbeitskreis Hückelhoven im Heimatverein der Erkelenzer Lande (HEL) wach halten, dessen Leiter Willi Spichartz die Bedingungen und die Arbeit der zuletzt nur elfköpfigen Belegschaft schilderte. Dass die Notbelegschaft gebildet werden musste, war im sogenannten Räumungsbefehl von September 1944 von Hitler persönlich begründet, nach dem die Menschen die Grenzregion in die Niederlande zu verlassen hatten. Bergwerksdirektor Hans-Joachim Rauhut und Betriebsdirektor Carl Koch stellten zunächst eine mehr als 300-köpfige Truppe zusammen, deren Hauptaufgabe es war, das Wasser, das in die untertägigen Grubenanlagen drang, weiterhin abzupumpen.

  • Die Kirche St. Martinus in Orsbeck
    Hückelhoven und Wassenberg zeigen Solidarität mit der Ukraine : Gebäude erstrahlen in Blau und Gelb
  • Julia Suermondt sitzt für Die Linke
    Krefelder Kultur- und Denkmalausschuss : Die Linke fordert Gedenktafel für Zwangsarbeiter
  • Vertreterinnen des Elternbeirats stehen an dem
    Traumland in Hückelhoven : Trinkertreff am Kindergarten?

Wäre das Wasser bis zur Erdoberfläche gestiegen, hätte die Zeche nicht gerettet werden können. Dazu musste die Truppe, zunehmend unter Beschuss der West-Alliierten, die Kraftanlagen mit Kohle versorgen, damit die Pumpen weiterlaufen konnten. Nach Zerstörungen baute die Notbelegschaft sie immer wieder auf, konnte aber nicht verhindern, dass das Wasser untertage von 600 bis auf 300 Meter hochstieg. Rauhut und Koch mussten auf Nazi-Behörden-Befehle die Mannschaft immer weiter reduzieren, bis am Ende neben ihnen nur noch neun Bergleute tätig waren, am 25. Februar mussten auch sie die Grube verlassen.

Per Genehmigung der Besatzungsbehörden kehrte diese Truppe am 15. März 1945, also vor genau 77 Jahren zurück, um die Wiederinbetriebnahme einzuleiten. Das gelang. Spichartz erinnerte daran, dass ohne diese Belegschaft und die Zeche die Stadt Hückelhoven eine viel schwächere Entwicklung genommen hätte, ein Dank an diese Truppe sei überfällig. Bürgermeister Bernd Jansen hob die Tugenden der Notbelegschaft hervor, sie hätte in schwierigster Zeit Weitsicht bewiesen. Diese Tugenden müsse die heutige Stadt an die nächste Generation weitergeben.

(RP)