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Bluttat mit Samuraischwert in Hückelhoven-Ratheim – Verdächtiger war der Polizei bekannt

Nach Tötungsdelikt mit Samuraischwert in Hückelhoven-Ratheim : Tatverdächtiger war der Polizei bekannt

Der Verdächtige, der in Ratheim einen 37-Jährigen mit einem Samuraischwert getötet haben soll, war der Polizei bestens bekannt. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach weist den Vorwurf zurück, nicht entschlossen genug gehandelt zu haben. Staatsanwalt Stefan Lingens erklärt, was sich in diesem Fall zuletzt zugetragen hat.

Nach dem Kapitalverbrechen am vergangenen Sonntag hat der Hückelhovener Rechtsanwalt Kamil Ugur den Behörden vorgeworfen, seine Warnungen vor dem mutmaßlichen Täter nicht ernst genommen zu haben. Diesen Vorwurf weist die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach nun zurück. „Die Strafanzeigen und Warnungen des Rechtsanwaltes Kamil Ugur wurden ernst genommen“, teilt Stefan Lingens, Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Am Abend des 12. September müssen sich in einer Wohnung an der Ackerstraße im Hückelhovener Ortsteil Ratheim unfassbare Szenen abgespielt haben. Mit einem Samuraischwert soll ein Mann im Treppenhaus einen 37-Jährigen angegriffen und getötet haben. Ein weiterer Mann, 57 Jahre alt, wurde ebenfalls angegriffen und schwer verletzt. Tatverdächtig ist ein 47-Jähriger, den die Polizei sofort nach der Tat festnahm und der seitdem in Untersuchungshaft sitzt. Gegen ihn wird wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verweigert er bislang die Aussage.

Kostenpflichtiger Inhalt Der Hückelhovener Rechtsanwalt Kamil Ugur, der eine Kanzlei in der Ludovicistraße in Hückelhoven betreibt, hatte die Behörden in der Vergangenheit vor dem 47-Jährigen, dem nun vorgeworfen wird, einen Mann mit einem Samuraischwert getötet zu haben, gewarnt. Anwalt Ugur kannte den mutmaßlichen Täter seit mehreren Jahren. Rückblickend spricht Kamil Ugur von Verhaltensauffälligkeiten und Wahnvorstellungen bei dem 47-Jährigen, den er für psychisch krank hält und durch den er sich zuletzt sogar bedroht fühlte.

  • Zwei Tage nach dem Tötungsdelikt in
    Tötungsdelikt mit Samuraischwert : Tatverdächtiger Hückelhovener war der Polizei bekannt
  • Die Bluttat hat sich am Sonntagabend
    Tod durch Samuraischwert in Hückelhoven : Anwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen Behörden
  • Die Polizei hatte den Bereich des
    Mordkommission ermittelt in Hückelhoven : Mann mit Samuraischwert getötet

Rechtsanwalt Ugur hat in zwei bei der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach anhängigen Verfahren im Februar und Juni 2021 Strafanzeige gegen den Beschuldigten, einen Mandanten, wegen Bedrohung erstattet, teilt die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach mit. „Dabei verwies er, ohne die Auffälligkeiten näher zu beschreiben oder die Herkunft seines Wissens kenntlich zu machen, auf psychische Auffälligkeiten, die er auf eine Schizophrenie zurückführte“, teilt Behördensprecher Stefan Lingens mit. Der Anwalt habe auch seine Einschätzung mitgeteilt, dass der Mandant gefährlich sein könnte. In einem Fall sei das Verfahren mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt worden, in einem weiteren Fall dauerten die Ermittlungen noch an.

Bei der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach sind bzw. waren außer diesen beiden Verfahren zwei weitere Verfahren gegen den Beschuldigten anhängig. Laut Staatsanwalt Stefan Lingens laufen die Ermittlungen in einem Verfahren, eine angebliche Beleidigung eines Hausbewohners betreffend, noch. In dem anderen Verfahren habe ein mutmaßlich Geschädigter Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen den Beschuldigten erstattet. Das Verfahren wurde laut Lingens mit Zustimmung des Amtsgerichts zwischenzeitlich eingestellt. Es sei fraglich geblieben, ob überhaupt eine vorsätzliche Körperverletzung vorlag. Dabei ging es um einen Schlag mit einem Wanderstock gegen einen getragenen Rucksack. Der Geschädigte habe von einem allenfalls leichten Schmerz gesprochen.

Auf Anfrage unserer Redaktion teilt die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach weiter mit, dass es bereits drei so genannte Gefährderansprachen bei dem mutmaßlichen Täter gegeben habe. Diese fanden am 1. Februar sowie 10. und 30. Juni diesen Jahres statt. Bei einem solchen Gespräch soll die Polizei dem Verantwortlichen klarmachen, dass sein Verhalten der Polizei bekannt ist und ihm die rechtlichen und tatsächlichen Grenzen seines Handelns aufzeigen und androhen. In diesem Fall soll der Beschuldigte in zwei Fällen behauptet haben, nicht ausreichend Deutsch zu verstehen, was nach Einschätzung der jeweils eingesetzten Polizeibeamten nicht zutraf, teilt die Staatsanwaltschaft mit. In diesen Fällen habe der Beschuldigte nicht kooperativ gewirkt. Demgegenüber hätten die handelnden Polizeibeamten im ersten Fall das Verhalten des Beschuldigten als kooperativ und einsichtig beschrieben.

Ob der mutmaßliche Täter an einer psychischen Erkrankung leidet, wie es Rechtsanwalt Kamil Ugur gegenüber den Behörden beschrieben hatte, werden die Ermittler jetzt untersuchen. „Es ist insofern beabsichtigt, den Beschuldigten begutachten zu lassen“, teilt Behördensprecher Stefan Lingens mit. Dabei werde auch zu berücksichtigen sein, inwieweit von dem Beschuldigten künftig Gefahren ausgehen könnten.

Vorbestraft ist der mutmaßliche Täter nicht. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach teilt mit, dass sie die Strafanzeigen und Warnungen des Hückelhovener Rechtsanwalts Kamil Ugur durchaus ernst genommen habe. „Sie führten jeweils zur Durchführung von Gefährderansprachen im Rahmen der polizeilichen Gefahrenabwehr. Die Ermittlungen in zwei Fällen sind noch nicht abgeschlossen“, erklärt Stefan Lingens.

Nach der Bluttat von Ratheim befragen die Ermittler nun weitere Zeugen. Außerdem hat die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach Gutachten in Auftrag gegeben. Es soll unter anderem geklärt werden, ob der Verdächtige während der Tat unter dem Einfluss von Drogen stand.