Hückelhoven: Bernd Jansen muss Tollitäten suchen, Winkens gibt Schlüssel ab

Hückelhoven: Bernd Jansen muss Tollitäten suchen, Winkens gibt Schlüssel ab

In Ratheim hielt Bürgermeister Bernd Jansen dem Rammbock beim Rathaussturm nicht lange stand. Ebensolche Mühe hatte sein Wassenberger Kollege Manfred Winkens hinter der Barrikade.

/ WASSENBERG Prinz Ingo I. und Marianna I. (Junga) von der KG All onger eene Hoot hatten ihre Regierungserklärung zum 25. November ja nicht aus Jux verfasst. Gestern vor dem Alten Rathaus Ratheim wollten sie wissen, welche der elf Forderungen auch erfüllt sind. Da war vor allem Bürgermeister Bernd Jansen gefragt, der oben der Rathauserstürmung harrte.

Nicht ganz geklappt hatte es bei der Kreissparkasse, der zweiten Heimat Ihrer Lieblichkeit, die ihre Geschäftsräume in Grün-Weiß dekorieren sollte. Jansen war auferlegt, in der Adventszeit jeden Montagabend von 20 bis 23 Uhr den Strom abzustellen, um den Nachwuchs der KG und des Prinzen Rente zu sichern. Das habe er getan, schwor der Bürgermeister: "Dafür hab' ich Zeugen." Fertig sein sollte Ratheims größte Baustelle, die L 117n. Das Prinzenpaar räumte ein, die Querspange sei eröffnet und der närrische Lindwurm könne ungehindert ziehen. "Mit SUVs kann auch die Trasse schon genutzt werden", ergänzte Bernd Jansen.

Kleine Närrin am Rande des Wassenberger Rathaussturms. Foto: Hahn

Als Hoot-Präsidentin und CDU-Stadtverordnete in Personalunion hatte Ramona Fister eine karnevalistische Partnerschaft zwischen den Karnevalshochburgen Ratheim und Ptuj (Slowenien, Heimat der Prinzessin) anzubahnen. "Unser Regentenpaar wünscht freundschaftliche Bande zu den "Ptujer Oberkrainern" herzustellen und karnevalistische Bräuche auszutauschen", hieß es im Antrag aus Ratheim. Die Oberkrainer hätten nicht abgelehnt: "Nein, wir haben bereits genug Freundschaften, die wir nicht pflegen", sondern "Vielleicht" angekreuzt, teilte die Präsidentin den Zwischenstand mit. Putj habe seinerseits Forderungen gestellt: elf Fässer Bier und ein Foto von Marianna, das habe man geschickt, sagte Ramona Fister. Eine Antwort stehe nun noch aus.

Nicht erfüllt hatte Jansen die Order, während der Regentschaft alle kost-nix-Parkplätze kostenpflichtig zu betreiben, um die Hoot-Kasse zu füllen. "Ich hab' was dabei für Euch", beschwichtigte der Bürgermeister und ließ einen mit Goldtalern gefüllten Korb hinab, den Kinder und Jecke plündern durften. Schließlich war die Ratheimer Bevölkerung "verpflichtend gebeten", ihre Häuser zu dekorieren. Getan hatte das zum Beispiel eine Neubürger-Familie: Silvia Wollny & Co.

Das Kongo-Dreigestirn präsentiert den ergatterten Stadtschlüssel. Foto: Hahn
  • Fotos : Rathausstürme in Hückelhoven und Wassenberg

Zum Rathaussturm kam am Ende der Rammbock zum Einsatz, gemeinsam geführt von Marianna I. und Kinderprinzessin Alishia I. (Paul, 14) sowie Prinz Ingo I. und Joel I. (Reipen, 13). Bernd Jansen gab sich geschlagen: "Ich komm mir vor wie der 1. FC Köln, ich verliere jedes Jahr!" Verdonnert wurde der Erste Bürger, bis 15. April ein neues Prinzenpaar oder Dreigestirn zu finden. Wenn nicht, muss er in der Galasitzung am 24. November von der Loge aus die Sitzung rocken.

Die erste Finte der Tollitäten aus Wassenberg, Effeld und Orsbeck vor der Machtübernahme auf dem Wassenberger Roßtorplatz war es, den Bürgermeister und einige getreue Ratsvertreter warten zu lassen. Und Manfred Winkens, wohl wissend, was da kommen würde, schon mit Sheriffpistole bewaffnet, harrte, mit den Stadtschlüsseln schwer behangen, der Dinge. Eine Barrikade versperrte schon den Aufgang zur Terrasse vor dem Alten Rathaus. Dann endlich näherte sich der Karnevalistenzug aus Richtung Zelt hinterm Roßtor, wild entschlossen, endlich die Macht in der Stadt zu übernehmen. Kongo-Prinzessin Sabrina, flankiert von Bäuerin Gabi und Jungfrau Bianca, setzte zur närrischen Anklage des "Herrn Bürgermeisters, der Ratsherren und aller anderen Kopfnicker und Jasager" an, "die sich hier mal wieder verschanzt haben". Und sie drohte: "Wir Narren von Wassenberg, Effeld, Orsbeck, Ophoven und Birgelen haben uns zusammengetan, um hier und heute ihrem Wirken ein Ende zu setzen. Narren an die Macht."

Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens mit den Stadtschlüsseln vor seiner Niederlage gegen die Tollitäten. Foto: Hahn

Dann nahm die Prinzessin den Umbau der Graf-Gerhard-Straße aufs Korn, der erfreulich sei. "Aber was passiert mit den anderen Straßen?" Den Forster Weg nannte Sabrina "die neue Rennstrecke zur L117", Verkehr auf der Parkstraße, Pflasterschäden und lockere Gehwegplatten seien kein Aushängeschild für die Stadt: "Wir finden, die Mängel gehören abgestellt!" Der Bürgermeister nahm das Wortgefecht an. "Sollen wir die Straßen absperren und alle an der Stadt vorbeifahren lassen, damit sie ihr Geld an der Grenze ausgeben?"

Muntere Damenrunde aus Birgelen. Foto: Hahn

Auch Prinz Marc I. aus Effeld zog mächtig vom Leder, als er Kamelschilder an Schloss Elsum forderte. Denn: "Hier fängt die Wüste an". Der in Elsum endende Ausbau der Verbindungsstraße Birgelen-Effeld fand gehörig Spott. Von vielen Pfützen war die Rede, denen der Bürgermeister als Ophovener durchaus Attraktivität abgewinnen konnte. "Wir Ophovener lieben Pfützen, Wasser, haben eine mediterrane Lebensphilosophie." Alles half nichts. Natürlich zog Winkens den Kürzeren, musste die Schlüssel rausrücken, freiwillig tat er's nur für das "brave" Orsbecker Kinderdreigestirn.

Kongo-Urgestein Heinz Wynen feierte in Wassenberg am Roßtor. Foto: Hahn
(RP)