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Baaler Bürgerbühne führt "Liebesglück und Wasserschaden" in der Hückelhovener Aula auf

Baaler Bürgerbühne : Zwei eiserne Junggesellen werden weich

Das Ensemble der Baaler Bürgerbühne begeisterte mit drei gut besuchten Theateraufführungen. Ein Wiedersehen mit dem Junggesellen Siegfried Klein gibt es am kommenden Samstag in der Hückelhovener Aula.

Die blaue Schürze umgebunden, einen bunten Staubwedel in der Hand. Siegfried Klein (gespielt von Harald Klatt) ist ganz in seinem Element. „Trautes Heim, Glück allein“ lautet das bezeichnende Lebensmotto des ordnungsliebenden Junggesellen, der am liebsten Rechnungen bügelt, den Staubsauger betätigt, putzt und poliert. Für eine Frau ist im Leben des pedantischen Buchhalters kein Platz.

„Liebesglück und Wasserschaden“ heißt die turbulente Inszenierung, mit der das Ensemble der Baaler Bürgerbühne jetzt in drei sehr gut besuchten Aufführungen das Publikum begeisterte. Regisseurin Sonja Buchholz und ihre spielfreudige Truppe nahmen die Zuschauer im Bürgerhaus am Pastor-Bauer-Platz für drei Stunden mit in Siegfried Kleins aufgeräumte vier Wände. Wo sonst kein Staubkorn zu finden ist, nimmt das Chaos Gestalt an, als seine aufdringliche Schwester Sylvia Klein, dargestellt von seiner Ehefrau Sylvia Klatt, plötzlich auf die Idee kommt, ihre Freundin Katrin Krause (Jennifer Gunder) bei dem alleinstehenden Mann einzuquartieren.

Katrin, deren Wohnung wegen eines Wasserschadens vorübergehend unbewohnbar ist, krümelt auf den Boden und erschreckt nicht nur Siegfried, sondern auch dessen besten Freund Kalle Kurz (José Garcia), der ebenfalls überzeugter Junggeselle ist und große Angst vor Frauen hat. Nur mit einem Handtuch bekleidet, kommt sie aus dem Bad – zu viel für die beiden scheuen Männer, die den Verzehr einer Mon-Cheri-Praline schon für die Vorstufe von Alkoholismus halten und am liebsten Kamillentee trinken.

Regisseurin Sonja Buchholz schlüpfte in die Rolle der geldgierigen Vermieterin Maria Schmitz, der beinahe ein folgenschwerer Fehler unterläuft. Fast hätte sie eine der Wohnungen in dem Haus an einen gewissen Dr. Kowalsky alias Wolfgang Pape vermietet. Der windige Gauner, frisch aus dem Gefängnis entlassen, war vielen Besuchern der drei Vorstellungen noch in nicht gerade bester Erinnerung. Im Stück „Grand Malheur in der Faltenburg“ im vergangenen Jahr hatte Dr. Kowalsky als krimineller Hoteleigentümer schon eine Rolle gespielt – jetzt gab es ein überraschendes Wiedersehen bei der ausverkauften Premiere und den beiden anderen gut besuchten Vorstellungen.

Als nicht sehr talentierte Elektriker verwandeln Matthias Onkelbach und Thorben Kischel die sonst so akkurat aufgeräumte Junggesellenwohnung in eine Baustelle. Installateurin Hilde Hartmann (Daniela Winkens) und ihr Azubi Sina Weitz (Julia Moritz) nehmen die Wohnung ebenfalls im Zuge der umfangreichen Sanierungsarbeiten für sich ein. Am Ende wird doch noch alles gut. Siegfried Klein, der seinen Job verloren hat, wird wieder eingestellt, aus ihm und Katrin Krause wird ein Paar, während sich seine Schwester Sylvia und sein bester Freund Kalle ebenfalls näher kommen. Viel Applaus belohnte die Baaler Bürgerbühne, die das Publikum Siegfried Kleins Höhen und Tiefen hautnah miterleben ließ und bekannt machte mit den skurrilen Hausbewohnern.

Nachbarin Emilie Küster (Rita Kluge) steht in einem ständigen Sauberkeitsstreit mit Siegfried, Martha Berger (Susanne Birth) versorgt ihn unaufgefordert mit Selbstgekochtem und Selbstgebackenem, das immer vor allem eins ist: völlig ungenießbar. Auch Nachbarin Klara Müller (Gerlinde Mistler) kam einigen Zuschauern durchaus bekannt vor. Als Wellness-Gast hatte sie schon 2018 auf sich aufmerksam gemacht.