Ausstellung "We the six Million" zur Shoah in der Realschule Ratheim

Wanderausstellung in der Realschule Ratheim : „Die Hölle vor unserer Haustür“

Eine Wanderausstellung stellt Ratheimer Realschülern Lebenswege von Opfern der Shoa aus dem westlichen Rheinland vor.

„Wir mischen uns ein“, heißt es in der Realschule Ratheim über ihr Selbstverständnis. Dazu gehört es auch, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigten und die richtigen Schlüsse für das aktuelle und das zukünftige Zusammenleben zu ziehen. Insofern ist die aktuelle Ausstellung über das Schicksal der jüdischen Mitbürger in der Schreckenszeit des Naziregimes nicht nur eine Zeitreise, sondern zugleich ein erneuter Anstoß, die Vergangenheit nicht ruhen zu lassen und zu der Erkenntnis zu kommen: „Nie wieder!“

„We, the six Million – Lebenswege von Opfern der Shoa aus dem westlichen Rheinland“ lautet der Titel dieser Ausstellung, die am Institut für Katholische Theologie der RWTH Aachen in zweijähriger Arbeit entstanden ist. Seit November besuchen die Studierenden zahlreiche Schulen in der Region mit dieser Wanderausstellung über den nationalsozialistischen Völkermord in Deutschland. Auf Stellwänden werden zehn Einzelschicksale von Juden aus Aachen dargestellt. „Die Zäsur gab es 1938 mit der Reichspogromnacht“, erläutert Master-Student Rene Torger. Die erste Stellwand zeigt den Lebensweg und die Repressalien auf, denen die Juden seit der Machtergreifung durch die Nazis 1933 ausgesetzt waren, die zweite die Deportation und Vernichtung, die Teil des sechsmillionenfachen Massenmordes sind. Viele Juden starben in den und auf dem Weg zu dem Konzentrationslagern, manche lebten nach ihrer Flucht in der Ferne, die zur Heimat werden musste. Von einigen ist nicht bekannt, wann und wo ihr Leben endete.

Konrektor Thomas Becker vom Fachbereich Geschichte hat sich dafür stark gemacht, diese an die Realschule zu holen. „Es ist schon etwas anderes, ob ich als Lehrer vor der Klasse über die Schreckenszeit und den Völkermord unterrichte oder ob die Schüler anhand von Schautafeln darüber informiert werden und in einem persönlichen Gespräch mit Nachkommen der geflüchteten Juden reden können.“ Sieben Nachkommen waren zur Ausstellung aus den USA angereist. Sie sprachen mit den Schülern und baten ausdrücklich darum, im kleinen Kreis zu bleiben.

Die Ausstellung spiegelt zwar Einzelschicksale wider, macht aber deutlich, dass sie keine Ausnahme bei der Vernichtung der Juden waren. „Die Ausstellung gibt uns die Chance, die Geschichte zu erfahren und zu begreifen“, sagte Becker bei der Ausstellungseröffnung am Dienstag zu den Schülern der Jahrgangsstufe 10.

„Wir sind stolz darauf, diese Ausstellung bei uns zu haben“, ergänzte Schulleiter Sven Hagen. Sie sorge für ein weiteres Bildungsangebot an der Realschule und sie richte sich an die kommende Generation mit dem Auftrag, nicht zu vergessen, was geschehen ist. „Die Hölle geschah vor unserer Haustür“, sagte er und erinnerte an eine jüdische Familie aus Geilenkirchen: „Ihre Kinder besuchten die Schule, in die jetzt meine Kinder gehen.“

Die Ausstellung gebe dem Schrecken der Nazizeit ein Gesicht, erläuterte Professor Guido Meier, der mit den Studenten die Ausbildung konzipierte. Die zehn dargestellten Beispiele machten deutlich, dass es sich um Menschen handelt mit Fleisch und Seele, die vertrieben und vernichtet wurden, nicht um abstrakte Begebenheiten. Durch die Auseinandersetzung mit dem Horror und dem Schrecken zeige sie einen Weg in eine hoffentlich neue Zukunft. „Wir dürfen nicht nur gucken, wir müssen die Schicksale der Menschen an unsere Herzen lassen und müssen daraus etwas machen.“ Jeder könne aufstehen und sich dafür einsetzen, dass es nie wieder zu einem Völkermord komme, der möglich wurde durch ein kollektives Wegschauen und das stillschweigende Dulden.