Hückelhoven: Aufbruch zu neuen (Rhein-)Ufern nach Kalk

Hückelhoven : Aufbruch zu neuen (Rhein-)Ufern nach Kalk

Still und leise hatte Pfarrer Frank Mischnick im vergangenen Jahr seine Fühler ausgestreckt auf der Suche nach einer neuen Aufgabe.

Vor zwei Jahren hat Frank Mischnick angefangen, das Amtsblatt der evangelischen Kirche zu beobachten. Schrieb fünf, sechs Bewerbungen. Ihn reizte damals eine neue Herausforderung, beschrieb der Pfarrer seine Motivation: "Bald werde ich 50, die Kinder sind aus dem Haus, da könnte man noch einmal neu anfangen." Nur die Familie und enge Freunde kannten seine Pläne. Ende Oktober hat er die Urkunde zum Wechsel unterschrieben: Ab 1. Januar ist er Pfarrer von Kalk-Humboldt. Seine Frau Anne geht mit nach Köln, bleibt aber in Erkelenz im Schuldienst. Heute hält er mit seiner Frau seinen letzten Heiligabend-Gottesdienst.

"Köln hat mich gereizt, weil die Gemeinde auf mich einen interessanten Eindruck macht", sagt Pfarrer Mischnick. Manches in Kalk-Humboldt erinnert ihn an die Ex-Zechenstadt. Kalk gilt als sozialer Brennpunkt mit hohem Migrantenanteil. Drei Jahre war die Gemeinde verwaist, hier kann der Pfarrer wirklich neu anfangen, kann, wie in seiner Hückelhovener Zeit, Profilarbeit leisten wie bei der Tafel und in der Seniorenarbeit. Dabei helfen wird ihm ein Fundament, das er - ebenfalls in aller Stille - vor fast zehn Jahren gelegt hat: Berufsbegleitend absolvierte Frank Mischnick ein Hochschulstudium in Sozialmanagement, das er 2005 mit dem Diplom-Sozialwirt abschloss (Diplomarbeit: Leitbildentwicklung). Seine Frau Anne, mit der er sich zeitweilig die Pfarrerstelle in Hückelhoven geteilt hat, legte eine Supervisions-Ausbildung nach.

Frank Mischnick war 1993 nach Hückelhoven gekommen, um Pfarrer Wegmann zu entlasten. Kurze Zeit war er als Vertretung der Kirchengemeinde Linnich zugewiesen, zehn Monate arbeitete er als Pastor im Sonderdienst im Altenheim Hückelhoven und im Krankenhaus Heinsberg. Im Januar 1996 zog die junge Familie in das unter Denkmalschutz stehende Pfarrerhaus von 1791 gegenüber der Kirche Haagstraße, in dessen Sanierung Mischnick eigene Muskelkraft steckte. Bis Ende 1997 ging Mischnick in die Elternzeit, versorgte die Kinder Jens und Hannah. In der Zeit hatte seine Frau Anne die Stelle allein inne, zehn Jahre war sie Pfarrerin in Hückelhoven. Als Hannah drei Jahre alt wurde, teilten sich ihre Eltern die Stelle. Anne Mischnick ging 2005 in den Schuldienst, ihr Mann übernahm die volle Stelle. In dem Jahr gründete er die Tafel mit, 2007 entwickelte er die Seniorenbegleitung. Den "lebendigen Adventskalender" führte Frank Mischnick 2008 ein, "das Schönste in meinem Berufsleben", wie er heute sagt.

Anne Mischnick hat ihren Mann ermutigt, den Schritt in eine neue Stelle zu gehen. Sohn Jens, der 2010 sein Abi machte, studiert Mechatronik in Ilmenau, Hannah (20), die in letzten Prüfungen zur PTA steckt, zieht mit, "ist aber auf dem Sprung". Mit nach Köln geht auch Welsh-Terrier-Dame Dina (6). Die Mischnicks tauschen das 250 Quadratmeter große Haus gegen eine 85-Quadratmeter-Eigentumswohnung. In die Wehmut des Abschieds von vielen vertrauten Menschen mischt sich die Vorfreude auf die neue Tätigkeit. Der gebürtige Dormagener hat immer Wert auf diakonisches Handeln gelegt. "Zweieinhalb Jahre habe ich bei Bayer in Wechselschicht im Produktionsbetrieb gearbeitet", sagt er, "deshalb schreckt mich auch ein sozialer Brennpunkt nicht". Ende 1982 gründete er die Grünen-Ortsgruppe Dormagen. Auch die Hückelhovener Grünen werden ihn vermissen. Seinen letzten Gottesdienst in Hückelhoven feiert Frank Mischnick am Sonntag, 28. Dezember.

(RP)