"Auf ein Neues" in Hückelhoven: Turbulente Komödie mit Tiefgang

„Auf ein Neues“ : Turbulente Komödie mit Tiefgang

Das turbulente Drei-Personen-Stück „Auf ein Neues“ von Antoine Rault, das sich in der Hückelhovener Aula knapp 300 Besucher ansahen, gibt einen Einblick in das Leben der Karrierefrau Catherine (gespielt von Marion Kracht).

Die Flasche mit hochprozentigem Inhalt neben sich auf dem Boden im Aula-Foyer. Blaue Wollmütze, abgetragener Mantel, strähnige Haare. Zweifellos eine ungepflegte Erscheinung, die vor der Aufführung des Theaterstücks „Auf ein Neues“ in die Gitarrensaiten der mitgebrachten Klampfe greift. Ein paar Besucher werfen Münzen in den bereitgestellten Becher, viele beachten ihn gar nicht, nur wenige applaudieren.

Daniel Morgenroth, bekannt als einer der Hauptdarsteller aus der Serie „Für alle Fälle Stefanie“ und Absolvent der renommierten Berliner Hochschule für Theaterkunst Ernst Busch, wird nicht erkannt. Der 54-Jährige, dessen Fernsehkarriere 1999 mit „Die Handschrift des Mörders“ begann, ist zurzeit mit Bühnenpartnerin Marion Kracht auf Theatertournee. Die alleinerziehende Mutter hat es mit ihrer aufmüpfigen 14-jährigen Tochter Sarah (Emma Henrici) alles andere als leicht.

Ausgerechnet an Heiligabend stolpert die erfolgreiche Mittvierzigerin vor ihrer Wohnungstür über den angetrunkenen, heruntergekommenen Clochard Michel (Daniel Morgenroth), der sich vor der eisigen Kälte in das schicke Pariser Haus geflüchtet hat. Erbarmungslos und kaltherzig setzt Catherine den Mann vor die Tür. Sarah ist empört, beschimpft ihre Mutter als „herzloses Monster“, das zu Nächstenliebe gar nicht fähig sei. Catherine lädt den Obdachlosen daraufhin ein, das Weihnachtsfest mit ihnen gemeinsam zu verbringen. Und beschließt, Michel bei sich aufzunehmen, ihm bei Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche zu helfen.

Das Zusammentreffen der unterschiedlichen Schichten und völlig gegensätzlichen Lebensentwürfe führt unweigerlich zur Situationskomik auf der Bühne. Catherines Aussagen wie „Männer sind Kinder, die nur wie Erwachsene angezogen sind“ sorgen für Heiterkeit im Publikum.

Nach der Pause ist Michel kaum wiederzuerkennen. Aus dem Landstreicher ist ein Business-Typ im gut sitzenden Anzug geworden. Catherine hat sich fest vorgenommen, dem gelernten Informatiker, den die Arbeitslosigkeit völlig aus der Bahn geworfen hat, zu einer neuen Anstellung zu verhelfen. Aber auch in ihr verändert sich etwas. Die erfolgreiche Karrierefrau sitzt plötzlich in bequemen Klamotten im Wohnzimmer, springt ausgelassen auf dem Sofa herum.

„Auf ein Neues“ ist eine Komödie mit Tiefgang. Die Botschaft der mitreißenden Inszenierung: Zusammenhänge zwischen den Mechanismen sozialen Ab- und Aufstiegs werden eindrucksvoll aufgezeigt, aber auch die ungeahnten Möglichkeiten, voneinander zu lernen. Für Hauptdarstellerin Marion Kracht (55), die als Tina in der beliebten TV-Serie „Diese Dornbuschs“ in den Achtzigern den großen Durchbruch schaffte, ist „Auf ein Neues“ mehr als nur ein Tourneetheater-Engagement. „Das Tolle ist, dass es die perfekte Mischung hat. Man kann sehr viel lachen, aber es hat auch einen ernsten Hintergrund“, so die überzeugte Vegetarierin, die mit Ehemann und zwei Söhnen in Berlin zu Hause ist. „Wie kommen Menschen in die Obdachlosigkeit, wie gehen wir eigentlich mit diesen Menschen um? Das sind gerade in der heutigen Zeit ganz wichtige Themen.