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Arnold Krekelberg, Leiter des Gymnasiums Hückelhoven, zum Schulalltag in der Corona-Krise

Leiter des Gymnasiums Hückelhoven gibt Einblick : Eigenverantwortung ist ein Erziehungsziel

Der Leiter des Gymnasiums Hückelhoven über den schiweringen Schulalltag in der Corona-Krise.

Arnold Krekelberg ist seit 2013 Leiter des Gymnasiums Hückelhoven. Der 62 Jahre alte Pädagoge kennt sich im Schulalltag und Schulbetrieb bestens aus. Doch Tage wie diese im Zeichen der Coronakrise mit einer wochenlangen zwangsweisen Schließung bringen auch für ihn neue Erfahrungen und Herausforderungen. Im Interview mit der RP äußert er sich unter anderem darüber, wie Schüler, Lehrer und er selbst sich motivieren können und vor welchen Herausforderungen der Abiturjahrgang steht.

Sind Sie erleichtert, nachdem das Land NRW den Zeitpunkt für die Klausuren im Rahmen der Abiturprüfung in den Mai verschoben hat?

Krekelberg Die Verlegung der Abiturprüfungen um drei Wochen gibt allen Beteiligten, Schülern wie Lehrern Planungssicherheit. Sie eröffnet uns die Möglichkeit die noch fehlende Vorabiturklausur in einem vernünftigen Zeitrahmen direkt nach den Osterfreien zu schreiben. Insofern bin ich über diese Regelung erleichtert. Die vom Ministerium gesetzten Rahmenbedingungen setzen natürlich voraus, dass der Unterricht unmittelbar oder zeitnah nach den Osterferien – zumindest für die Schülerinnen und Schüler im Abiturjahrgang – wieder aufgenommen werden kann oder in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden zumindest die Schulgebäude für Klausuren genutzt werden können.

Wie können die Abiturienten aus dem Kreis Heinsberg den Nachteil gegenüber anderen kompensieren, nachdem für sie zwei Wochen früher der Unterrichtsausfall eingetreten ist?

Krekelberg Die Ministerin hat angekündigt, dass es für die Durchführung der Abiturprüfung auch eine Sonderregelung für die Schulen im Kreis Heinsberg geben soll. Allerdings liegen zurzeit dazu keine weiteren Informationen vor. Für die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten ist bis zum 8. Mai Unterricht vorgesehen. In diesen drei Wochen kann sicherlich ein Teil des während der Schulschließung seit Aschermittwoch ausgefallenen Unterrichts kompensiert werden, den für die Schülerinnen und Schüler entstandenen Nachteil dadurch gänzlich auszugleichen, halte ich für fraglich. Ich bin gespannt auf die angekündigte Sonderregelung.

Wie motiviert sich ein Schulleiter in einer Zeit; in der es keinen Unterricht geben kann?

Krekelberg Eine Schule ohne Schüler und Lehrer ist natürlich keine Schule und als Arbeitsplatz wenig attraktiv. Natürlich sind auch während der Schulschließung zahlreiche Arbeiten zu erledigen, die mit der Leitung einer Schule zu tun haben. Als besondere Herausforderung kommt hinzu, dass das digitale Lernen, das Lernen auf Distanz – wie es so schön heißt -, das sich bei uns in den Anfängen befand, von jetzt auf gleich etabliert werden musste. Dies unter den gegebenen Umständen möglichst effektiv hinzubekommen, stellt schon eine besondere Motivation dar. Man sehnt natürlich den Zustand des normalen Schulbetriebs herbei.

Wie kann ein Schulleiter die Lehrer motivieren in dieser erzwungenen unterrichtsfreien Zeit?

Krekelberg Dies gilt im gleichen Maße auch für die Kolleginnen und Kollegen. Das Bereitstellen von Lernangeboten für die Schülerinnen und Schüler, die bewirken sollen, dass der Unterricht – sobald das möglich ist – ohne großen Vorlauf wieder aufgenommen werden kann, die regelmäßige Überprüfung der Aufgaben sowie die Rückmeldung an die Schüler - und dies alles auf ungewohntem digitalem Weg -, ist eine Herausforderung, der sich meine Kolleginnen und Kollegen mit viel Kreativität stellen. Da bedarf es keiner besonderen zusätzlichen Motivation.

Und am wichtigsten: Wie kann ein Schulleiter und eine Schule die Schüler motivieren, in Eigeninitiative zu lernen?

Krekelberg Die Schule soll ihre Schülerinnen und Schüler zur Selbstständigkeit, zur Eigenverantwortung für ihr Lernen erziehen. Wir wichtig dies ist, sehen wir in der jetzigen Situation. Die besten Lernangebote bringen nicht viel, wenn die Schülerinnen und Schüler nicht gelernt haben, sie in Eigenverantwortung selbstständig auch zu nutzen. Der Umgang mit den Lernangeboten wird zeigen, wie gut uns die Erziehung zur Selbstständigkeit, die ja ein immerwährender Prozess darstellt, bisher gelungen ist. Ich bin da durchaus zuversichtlich. Gut aufbereitetes Material, zum Beispiel unter Verwendung von Lernvideos und digitalen Arbeitsblättern, motiviert natürlich. Aber auch die Unterstützung der Eltern ist notwendig. Sie können gute Lernvoraussetzungen schaffen und ihr Kind dazu anhalten, die Angebote zu nutzen. Darüber hinaus geben wir auf unserer Homepage Hinweise auf zahlreiche Bewegungsangebote, die zum Beispiel im Schulsportportal NRW bereitgestellt werden. Dies lockert das ansonsten vielleicht manchmal zu kopflastig ausgerichtete Angebot auf.

Gibt es Kontakte zwischen Jahrgangsstufen und Lehrer über soziale Medien, um Lernstoff zu vermitteln und den Zusammenhalt zu wahren?

Krekelberg Lehrerinnen und Lehrer kommunizieren regelmäßig mit ihren Klassen und Kursen über E-Mail-Kontakt und über zwei Lernplattformen. Ansprechpartner in der Elternschaft helfen uns dabei. Besonders die Unterstützung der Schulpflegschaft und einer Gruppe aus dem Lehrerkollegium trägt zum Gelingen dieser Kommunikationswege bei.