1. NRW
  2. Städte
  3. Hückelhoven

82 DPD-Mitarbeiter aus 27 Kommunen im Depot 141 Baal positiv auf Corona getestet

Testreihe in Hückelhoven : 82 Infizierte bei DPD aus 27 Kommunen

Nach Testreihen im DPD-Depot Baal meldete der Kreis Heinsberg am Montag 82 Infizierte. Im Kreisgebiet leben 55, insgesamt sind 27 Kommunen betroffen. 13 Menschen sind in einer Sammelunterkunft in Brachelen unter Quarantäne.

Seit dem Wochende verfolgt das Gesundheitsamt mit Hochdruck mögliche Kontakte der 82 im DPD-Zentrum Hückelhoven-Baal festgestellten Infizierten. Weil viele Berufspendler sind, leben davon nur 55 in den zehn Städten und Gemeinden im Kreisgebiet, weitere 17 Kommunen sind betroffen. In einem Haus in Brachelen stehen 13 DPD-Mitarbeiter unter Quarantäne, insgesamt gilt das für alle 400 Beschäftigten des Depots 141, das für zwei Wochen geschlossen bleibt.

„Es hat uns erwischt, aber nicht so, dass wir jetzt dramatische Verhältnisse hätten“, kommentierte Landrat Stephan Pusch am Montagnachmittag das lokale Geschehen. Bis auf eine Sammelunterkunft hätten alle in normalen Wohnverhältnissen gelebt. Den DPD-Mitarbeitern sei kein Vorwurf zu machen, dass sie zur Arbeit gegangen sind: „Wir waren verblüfft, dass von allen positiv Getesteten niemand richtig krank war.“ Das werfe laut Pusch die Frage auf, ob der Verlauf milder sei, weil durch die Maskenpflicht die Viruslast weniger hoch sei. Das jedoch müssten Experten beurteilen. Die Inzidenzzahl lag aktuell nach Angaben des Robert-Koch-Instituts trotz der kreisweit nun 63 neuen Infektionen (mit den 55 DPD-Mitarbeitern, die im Kreisgebiet wohnen) am Montag (15 Uhr) bei 24. Damit bleibt die Zahl der Neuinfektionen, bezogen auf 100.000 Einwohner und einen Zeitraum von sieben Tagen, weit unter der kritischen Marke von 50.

Landrat Pusch informierte am Montag auch Regierungspräsidentin Gisela Walsken. Wichtig war ihm dabei, dass die 7-Tage-Inzidenz für den Kreis Heinsberg mit 24 zurzeit noch nicht im kritischen Bereich liegt. „Der Krisenstab einigte sich daher darauf, die Lage weiterhin aufmerksam zu verfolgen“, so eine Pressemitteilung am Nachmittag. Über Einschränkungen müsse man hingegen noch nicht nachdenken, hoben Landrat Pusch und Krisenstabsleiter Philipp Schneider hervor. Im übrigen beschloss der Krisenstab, die Kreisverwaltung Heinsberg bis auf weiteres nach wie vor nur dann für Besucher zu öffnen, wenn vorher ein Termin mit der zuständigen Dienststelle vereinbart wurde.

Die in den letzten Wochen belieferten Paketkunden zählen nicht zu den relevanten Kontaktpersonen der Mitarbeiter. „Das gilt nur für einen persönlichen Face-to-Face-Kontakt über 15 Minuten oder körperliche Kontakte“, sagte Kreis-Pressesprecher Ulrich Hollwitz am Montag auf Nachfrage. Dass es zu Schmierinfektionen über Oberflächen kommt, sei nicht ausgeschlossen, doch nach Empfang und Auspacken von Paketen reiche das ohnehin empfehlenswerte Händewaschen. „Dass Pakete virenverseucht sind, das sehen wir nicht“, bekräftigte auch der Landrat.

Hauptinfektionsweg sei die Tröpfcheninfektion. Das sei nicht gegeben, wenn Paketboten die Lieferung ohne Unterschrift kontaktlos an der Tür abstellen. Doch genau hierzu haben Kunden unterschiedliche Erfahrungen gemacht, die in sozialen Netzwerken geteilt werden. Vereinzelt gab es wohl Zusteller, die keinen Abstand einhielten, oder bei denen ein Mundschutz lose unter dem Kinn baumelte.

Der neue „Corona-Hotspot“ sei wegen der vielen Einpendler kein spezielles „Kreis-Heinsberg-Problem“, unterstrich Ulrich Hollwitz. „Mit der Reihentestung und Quarantäne-Anordnung haben wir alles getan, was zur Seucheneindämmung nötig ist“, sagte der Pressesprecher. Dank einer speziellen Software sei es für das Gesundheitsamt rasch erkennnbar, wenn es mehrere Infizierte mit der gleichen Adresse oder dem selben Arbeitgeber gibt. Im Blick halten die Mitarbeiter auch Erntehelfer. An deren Arbeitgeber appellierte Landrat Pusch, ihre Pflichten ernst zu nehmen und die Erntehelfer mit dem nötigen Schutzmaterial etwa für die Fahrt in Bussen zu versorgen.

Für DPD Hückelhoven sind nach Angaben eines Unternehmenssprechers 14 Systempartner im Einsatz. DPD betreibe aktuell keinerlei Sammelunterkünfte, sagte er. „Eine Reinigung des Standortes nach den Vorgaben des Gesundheitsamtes wird so schnell wie möglich erfolgen“, so der DPD-Sprecher.

Jeden Tag alle Nachrichten zur Corona-Krise in Ihrer Stadt – bestellen Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter „Total Lokal“ mit täglicher Corona-Sonderausgabe!