20 Jahre Schuldner- und Insolvenzberatung in Hückelhoven - Jahresbilanz 2018

Schuldnerberatung in Hückelhoven : Etwas weniger Schulden-Beratungen

Sinkende Arbeitslosenzahlen und ein gestiegenes Lohnniveau wirkten sich positiv auf Überschuldung und Insolvenzen aus, schlussfolgerten die Mitarbeiter der Schuldnerberatung. Beratungen sind komplexer geworden.

Um Überschuldung zu vermeiden, ist es grundsätzlich gut, sich genau über Bedingungen zu informieren, zu denen etwa Käufe getätigt werden. „Du kriegst im Leben nichts geschenkt!“, habe sein Vater immer zu ihm gesagt, bekräftigte Superintendent Jens Sannig bei der Vorstellung des Jahresberichtes der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Jülich in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Heinsberg in den Räumen der evangelischen Kirchengemeinde in Hückelhoven. Kleingedrucktes zu lesen, die Angebote bewusst zu prüfen und somit Lockmethoden und Tricksen zu erkennen seien wichtig, um Schulden zu vermeiden. Darüber hinaus ringe das Leben den Menschen aber auch oftmals vieles ab, „so dass es bei allem Fleiß Situationen gibt, die sie aus der Bahn werfen“, fügte der Superintendent an. Dann sei es ratsam, frühzeitig zur Schuldnerberatung zu gehen.

Die kostenlose Beratungsstelle, die allen Einwohnern des Kreises Heinsberg zur Verfügung steht und darauf bedacht ist, innerhalb von zwei bis drei Wochen Termine zu vergeben, ist bereits seit 20 Jahren vor Ort. Sie startete am 1. Oktober 1998 mit eineinhalb Fachberatungsstellen – heute sind es vier Vollzeitstellen für fünf Berater und ein Sekretär.

„Es hat sich im Laufe der Zeit ein relativ hoher Standard entwickelt“, führte Leiterin Tonja Schreck aus. Insgesamt 5404 Verbraucherinsolvenzanträge wurden bei den Gerichten eingereicht und seit Einführung des Pfändungsschutzkontos im Jahr 2010 3977 sogenannte P-Konto-Bescheinigungen ausgestellt. Wichtig sei dabei, dass sie eine soziale Einrichtung seien. Bei den Beratungsfällen gehe es nicht nur um Zahlen, sondern es spielten weitere Problemlagen wie Krankheiten eine Rolle, die oft Auslöser für Überschuldung seien. So ist es Aufgabe der Berater, neben der Neustrukturierung von Schulden die psychischen Folgen aufzufangen und die Betroffenen für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Die Gesamtzahl der Beratungen ging von mehr als 1400 auf 1363 leicht zurück.

Neben Krankheit sind vornehmlich Scheidung und Arbeitslosigkeit nach wie vor Gründe für finanzielle Schieflagen. Darüber hinaus gibt es multiple Lagen, die Wolfgang Meier beschrieb: etwa ein Spannungsverhältnis zwischen prekärem Beschäftigungsverhältnis und Konsumdruck oder eine aus der Perspektivlosigkeit heraus gegründete, gescheiterte Selbstständigkeit, bei der nicht gezahlte Krankenkassenbeiträge eine hohe Schuldensumme ergeben. Aktuelle Entwicklungen gibt es zudem dahingehend, dass frühere Bestellungen im Versandhandel heute im Internet getätigt werden. Die Schuldensummen sind insgesamt geringer, aber die Zahl der bis zu 20 oder 30 Gläubiger höher. Hohe Miet-, Fahrzeug- und Energiekosten sind dazu bei niedrigem Einkommen oftmals Auslöser für Überschuldung.

Dazu ist im Bereich der Insolvenzen die Anzahl der Anträge bundesweit seit 2010 rückläufig, informierten die Berater. Auch im Kreis Heinsberg gab es in den letzten Jahren einen Rückgang von Insolvenzanträgen. 2018 wurden von den 1363 beratenen Haushalten 556 Ratsuchende über die Voraussetzungen und Abläufe eines Insolvenzverfahrens informiert.

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