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Zwei Hildenerinnen helfen an der Ahr

Hilden/Haan : Zwei Hildenerinnen helfen an der Ahr

Viele Flutopfer sind verzweifelt und brauchen Hilfe. sagt Linda Koll. Am Samstag bringt ein Bus deshalb Helfer von Hilden nach Dernau und abends wieder zurück. Abfahrt ist um 7.30 Uhr ab Nordfriedhof (Herderstraße 45).

Seit fast drei Wochen dreht sich bei Linda Koll und Barbara Noack, den Inhaberinnen von „Formbar–Events-Catering“ in Hilden, alles darum, zwischen 600 und 700, in dieser Woche sogar schon 1000 warme Mahlzeiten in Dernau an der Ahr an die Bewohnern auszugeben, deren Häuser und Betriebe das Hochwasser in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli verwüstete. „Als wir die Bilder im Fernsehen sahen, war uns klar, dass wir helfen wollen“, so die beiden Frauen, die seit neustem eine feste Zusammenarbeit mit Caterina Klusemann und ihrem Team vom Neandertal 1 pflegen.

So bereiten sie seitdem in ihrer Küche in Hilden, die auch vom hiesigen Hochwasser unter Wasser gesetzt wurde, große Mengen Essen zu. Und sie nutzen ihre Kontakte zu anderen Catering-Unternehmen und Gastronomen, die sie dazu animierten, auch „an dem einen oder anderen Tag die Verpflegung zu übernehmen“. Auch Lebensmittel- und andere Spenden akquirierten die beiden Geschäftsfrauen.

 Linda Koll und zwei ihrer engagierten Helfer bei der Arbeit im Katastrophengebiet.
Linda Koll und zwei ihrer engagierten Helfer bei der Arbeit im Katastrophengebiet. Foto: Linda Koll

Inzwischen hat sich ihr Engagement herumgesprochen. „Wir hoffen, dass wir es bis Ende September organisiert bekommen, jeden Tag, Bewohner und Helfer gleichermaßen mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen oder bei einer Tasse Kaffee eine kurze Pause bei uns an der Essenausgabe mitten im Ort zu machen“, so Linda Koll, deren Partnerin zurzeit im wohlverdienten Urlaub ist.

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Nach so viele Tagen im Katastrophengebiet und etlichen Gesprächen mit den Betroffenen selbst, für die es zu Beginn der Aktion oft „die erste warme Mahlzeit nach vier Tagen war“, wie Linda Koll berichtet, beobachtet sie mit Sorge, dass immer weniger private Helferinnen und Helfer in die zerstörten Städte an der Ahr kommen. „Doch hier ist noch so viel zu tun“; beschwört Koll die Solidarität. Ihre Betroffenheit und Sorge ist um die Flut-Opfer spürbar. Bei vielen Menschen im Ahrtal nehme die Verzweiflung zu, es allein nicht zu schaffen.

„Auch wenn im Fernsehen und in den sonstigen Medien der Eindruck entstanden sein könnte, es seien genügend Helferinnen und Helfer im Einsatz,  das trifft nicht zu“, berichtet sie mit leiser Verzweiflung in der Stimme. Sie hat bereits von zehn Suiziden Betroffener vor Ort erfahren. „Bundeswehr, Technisches Hilfswek und die vielen übrigen professionellen Hilfsorganisationen sind mit der Wiederherstellung der Infrastruktur beschäftigt. Doch private Haushalte benötigen nach wie vor jede zupackende Hilfe, die sie bekommen können.“

So entstand die Idee, für Hilden und die umliegenden Städte im Kreis Mettmann immer samstags einen Transfer für Helfer mit einem gecharterten Bus anzubieten. „Wer kein eigenes Auto hat, mit dem sie oder er zu den großen Parkplätzen außerhalb des Einsatzgebietes fahren kann, von denen aus Shuttles die Helfer zu den Familien bringen, kommt so doch in das Einsatzgebiet.“.

Daher startet an diesem Samstag (14.08.21) der erste Transfer, den Bernd Herrmann, Reiseveranstalter und Busunternehmer aus Erkrath, auf eigene Kosten übernimmt (siehe Infokasten). Der engagierten Unternehmer hatte bereits in seiner Heimatstadt angepackt: „Ich habe die Bewohner, die nachts in die Sammelunterkunft evakuiert werden mussten, in meinem Bus dorthin gefahren.“ An diesem Samstag wird er hoffentlich 35 Fahrgäste (so viele passen in den Bus) zum Einsatz nach Dernau bringen. Da er nicht alle Fahrten übernehmen kann, er benötigt den Bus schließlich für die von ihm veranstalteten Touren, sind weitere Busunternehmer gefragt, die an einem oder mehreren Samstagen den Transfer ab Hilden an die Ahr übernehmen – gern zu Spezialkonditionen. Helfer können sich auch über www.formbar-events.de anmelden.