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Hilden/Haan: Zuschüsse zu Sportvereinen gut gefragt

Hilden/Haan : Zuschüsse zu Sportvereinen gut gefragt

Bildungs- und Teilhabepaket: Das Jobcenter betreut in Hilden mehr als 1100 Familien, die Stadt rund 200.

Anfangs sah es so aus, als würden sich die von der Bundesregierung eingeführten Zuschüsse für arme Kinder zu Schulausflügen, Mittagsverpflegung und Freizeitangeboten zu einem Ladenhüter entwickeln. Doch das ist – zur Freude und dank der Aufklärungsarbeit der Stadt Hilden – nun doch nicht der Fall. "In den vergangenen zwei Wochen haben wir vermehrt Anträge auf Zuschüsse zu Sportvereinen erhalten", berichtet Wibke Paas. "Wenn in den Ferien der Alltagsdruck nachlässt, haben die Familien offensichtlich den Kopf frei, um sich über solche Dinge Gedanken zu machen."

 Judo gehört zu den Sportarten, die besonders gefragt sind. Unser Bild zeigt eine Kampfszene von einem Turnier, das der Judoclub 51 Hilden im Jahre 2008 ausrichtete.
Judo gehört zu den Sportarten, die besonders gefragt sind. Unser Bild zeigt eine Kampfszene von einem Turnier, das der Judoclub 51 Hilden im Jahre 2008 ausrichtete. Foto: Olaf Staschik

Paas ist beim Hildener Amt für Jugend, Schule und Sport eine sogenannte "Wegweiserin". Das heißt, sie berät Familien, die auf finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen sind, welche zusätzlichen Zuschüsse sie für ihre Kinder beantragen können, damit diese in Schule und Freizeit gegenüber finanziell besser gestellten Familien nicht allzu benachteiligt sind. 2011 wurden diese zusätzlichen Leistungen über das so genannte Bildungs- und Teilhabepaket eingeführt, seit dem 1. Januar 2012 sind die "Wegweiser" in Hilden im Amt. Seit kurzem sitzen sie mit im städtischen Familienbüro "Stellwerk" im Bürgerhaus an der Mittelstraße.

"Eine Mutter, die jetzt zu uns kam, hat uns beispielsweise erzählt, dass ihr Sohn gerne tanzt", berichtet Wibke Paas. "Weil wir gut vernetzt sind und wissen, was in Hilden wo angeboten wird, konnten wir der Familie eine passende Tanzgruppe vermitteln." Gefragt seien neben Tanzen ebenso Fußball, Judo, Basketball und Kinderturnen.

Die vier städtischen "Wegweiser" beraten rund 200 Eltern und Kinder in Sachen Zuschüsse. Die Stadt ist allerdings nur für einen Teil der Familien zuständig, die einen Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket haben. Empfänger von Hartz IV – die den weitaus größten Teil der Empfangsberechtigten ausmachen – stellen ihre Anträge direkt beim sie betreuenden Jobcenter des Kreises Mettmann. Und das waren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres nach Auskunft des Kreissozialamtes 1128 Familien in Hilden und 254 in Haan.

"Gerade die Mittagsverpflegung wird gerne genutzt", sagt Birgit Jommersbach, die für die Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepaketes im Kreis zuständig ist. Sie schätzt, dass über die Hälfte der Anspruchsberechtigten die zusätzlichen Leistungen abfragt. "Ein Teil der Familien ist leider abgeschreckt von dem vermeintlichen bürokratischen Aufwand." Zu Unrecht. "Wir versuchen, das Ganze so unbürokratisch wie möglich zu machen." Zehn Euro im Monat erhalten bedürftige Familien für Sportverein, Musikschule oder Ferienfreizeit, bei Tagesausflügen oder Klassenfahrten werden alle Kosten übernommen. Ist die Versetzung gefährdet, zahlt der Bund bis zu 35 Stunden Nachhilfe. Beim Mittagessen in Schule oder Kindergarten müssen Eltern nur noch einen Eigenanteil von einem Euro pro Tag leisten. Hinzu kommen 100 Euro im Jahr für Schulbedarf.

"Das Angebot hat sich herumgesprochen, die Familien erzählen es weiter", hat Wibke Paas festgestellt. Bei den Eltern komme es gut an. "Sie wollen auch, dass es ihren Kindern zugute kommt. Und viele haben erkannt, dass insbesondere Bewegung den Kindern gut tut." Gerade in Familien, in denen das Geld sehr knapp sei, könne sie sich vorstellen, dass die staatlichen Zuschüsse erst die Mitgliedschaft in einem Sportverein ermöglichen. "Viele Vereine haben ihre Beitragszahlungen auch schon darauf abgestimmt und bieten beispielsweise halbjährliche Zahlungen an." Und ein Teil der Sportvereine habe einen eigenen Tarif für Familienmitgliedschaften, so dass für Kinder keine zusätzlichen Beiträge erhoben werden. "Diese Familien beantragen dann logischerweise keine Zuschüsse zu Sportvereinen", sagt Birgit Jommersbach.

Problematisch ist allerdings die Finanzierung der "Wegweiser" selbst. "Wir werden es wohl mit dem Kreis Mettmann hinbekommen, dass ihre Arbeit noch bis Ende 2014 gesichert ist", berichtet Bildungskoordinator und "Stellwerk"-Leiter Ulrich Brakemeier. Schließlich seien die "Wegweiser" das A und O, damit die Zuschüsse auch bei der Zielgruppe ankommen. "Aber wie es ab 2015 weiter geht, wissen wir nicht."

(RP)