Zeitreise mit Hildens letzter Straßenbahn

Bergische Museumsbahnen in Wuppertal-Kohlfurth : Zeitreise mit Hildens letzter Straßenbahn

Die erste Elektrische verkehrte 1896 zwischen Benrath und Hilden. Sie rumpelte bis 1968 durch die Mittelstraße. Ein historisches Fahrzeug versteckt sich sich bei den bergischen Museumsbahnen in Wuppertal-Kohlfurth.

1969 wurde die Straßenbahn ausgemustert. Sie hatte den Wettbewerb gegen Autos und Bus verloren. Aber es gibt sie noch. Ein alter Wagen hat sich gut versteckt und so die Zeit überdauert. Bei den Bergischen Museumsbahnen in Wuppertal.

Unten: Ein Wagen der Hildener Straßenbahnlinie fährt heute im Bergischen Straßenbahnmuseum Kohlfurth. Foto: Tobias Dupke

Sie rühmen sich, Deutschlands kleinster Straßenbahnbetrieb zu sein und verkehren durch die Kohlfurth zwischen Wuppertal und Solingen. Nur 2,8 Kilometer lang ist die Strecke, die sich anmutig durch ein Seitental des Taleinschnitts der Wupper schlängelt. Sie ist das Reststück der Linie von Elberfeld nach Solingen. Die Fahrt ist ein Erlebnis: Es rappelt und quietscht - das ist Fahrgefühl pur. Jeder kann die Geschichte der Bahnen im wahren Wortsinn hautnah erfahren. Und irgendwann kommt der Schaffner mit seinem Münzwechsler, kassiert und knipst den Fahrschein ab. Und zwischendurch ruft er die Stationen aus.

Die alte Hildener Straßenbahn (und ihre Kollegen) sind vom 14. April bis 13./27. Oktober immer am 2. und 4. Sonntag eines Monats unterwegs. Es geht ab 10.40 Uhr an  der Kohlfurther Brücke los. Kinder und Jugendliche bis einschließlich 16 Jahre fahren gratis. Erwachsene zahlen vier Euro (einfache Fahrt) beziehungsweise sechs Euro für die Hin- und Rückfahrt. Die Museumsbahn ist mit dem Auto so erreichbar: Über die Autobahn 46 bis Sonnborner Kreuz, dort Richtung Remscheid/Solingen bis zur Ausfahrt Wuppertal-Kohlfurth (an der Ampelanlage links), dem Hinweisschild folgen.

In Hilden verkehrten übrigens zwei Straßenbahnlinien: die Linie V von Benrath-Hilden-Haan-Vohwinkel (über etwa zwölf Kilometer) und die Linie O von Benrath-Hilden-Ohligs (Linie O). Die Linien-Namen standen für die Endstationen Vohwinkel und Ohligs. Die Straßenbahn beförderte nicht nur Passagiere, sondern auch zahlreiche Güter. Bei der Museumsbahn Kohlfurth ist noch ein Gepäckwagen zu sehen. Die Elektrische hatte also auch eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung für die Städte, die sie verband. Und sie machte etwas möglich, was es vorher so nicht gab. Ausflüge am Wochenende in die Umgebung: Belegt ist, dass die Straßenbahn am Sonntag viel mehr Fahrgäste beförderte, als unter der Woche.

Wer den alten Hildener Straßenbahnwagen mal in Kohlfurth besucht, kann bei der Gelegenheit auch ein ganz besonderes Stück bergische Industriegeschichte erleben. Denn in dem Seitental der Wupper drängten sich früher sechs kleine Fabriken, die die Kraft des Kaltenbachs und das Gefälle nutzten: zwei Hammerwerke, drei Schleifkotten und eine Mühle. Wer an der Haltestelle Friedrichshammer aussteigt, kann dort den ältesten Kotten Wuppertals besichtigen, der als lebendiges Museum übrigens immer noch in Betrieb ist. Erst wurde der Manuelskotten (nach dem Vorbesitzer Emanuel Morsbach)  mit Wasserkraft, dann mit Dampf, dann mit einem Diesel und schließlich mit Strom betrieben. Er ist ein beeindruckendes Industriedenkmal für die bergische Kleineisenindustrie und an allen Betriebstragen der Museumsbahn geöffnet (Eintritt frei).

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