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Zauberharfe holt in Hilden glückliche Erinnerungen wieder zurück

Musikprojekt in Hilden : Zauberharfe bringt Erinnerungen zurück

Musikschule und Seniorenzentren haben ihren Instrumentalkurs „Auf den Flügeln der Musik“ ausgeweitet. Einmal mehr half dabei die Rotary-Stiftung Hilden-Haan.

Dass man nie auslernt, ist eine oft leichtfertig zitierte Binsenweisheit. Wie wahr sie jedoch ist, belegen nicht zuletzt Bewohner der Hildener Seniorenzentren eindrucksvoll: „Da gibt es zum Beispiel eine 96-Jährige, die zum ersten Mal ein Instrument spielt“, berichtet Silke Glaser von der Musikschule Hilden. Gemeinsam mit Kollegin Katharina Freundt leitet sie alte Menschen mit Bewegungseinschränkungen und Demenz beim Spielen auf der „Zauberharfe“ an. „Auf den Flügeln der Musik“ heißt das Musikprojekt, das sich inzwischen über Jahre hinweg bewährt hat.

 Die „Zauberharfe“ ist eine sogenannte Veeh-Harfe, die besonders einfach zu spielen ist.
Die „Zauberharfe“ ist eine sogenannte Veeh-Harfe, die besonders einfach zu spielen ist. Foto: Musikschule Hilden/Fulvio Zanettini

Im Oktober 2018 fiel der Startschuss: Bis zu sechs Bewohner des Seniorenzentrums Erikaweg kommen seither wöchentlich für jeweils eine Stunde in einem Raum der Einrichtung zum gemeinsamen Musizieren zusammen. Dabei sitzen sie um einen Tisch herum, auf dem jeder eine „Zauberharfe“ vorfindet.

Das 25 Saiten umfassende Zupfinstrument, das der sogenannten Veeh-Harfe ähnelt, lässt sich schnell ohne Vorkenntnisse erlernen: Dazu kann der Musikschüler ein Notenblatt auf den Resonanzkörper unter die Saiten schieben. Diese schlägt er dann – wie beim „Malen nach Zahlen“ – der Reihe nach an, so dass daraus schließlich eine Melodie entsteht.

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„Der Mond ist aufgegangen“, „Wenn ich ein Vöglein wär“ und andere Lieder entlocken die Bewohner auf diese Weise ihrem Instrument – und rufen so Erinnerungen an ihre Kindheit, an glückliche, aber mitunter auch traumatische Momente wach, wie Glaser berichtet: „Musik öffnet die Menschen.“ Auch dementiell veränderten Heimbewohnern gelinge es oft, in der nächsten Stunde wieder an ihre Leistung aus der Vorwoche anzuknüpfen. Auch wer früher öfter musiziert habe, es nun aber aus körperlichen Gründen nicht mehr so leicht schaffe, genieße das einfache Spielen auf dem sanften Instrument.

Wissenschaftlicher Hintergrund des Gemeinschafts-Projekts von Musikschule und Seniorenzentren sind Erkenntnisse des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften, der Universität Amsterdam und des Forschungsinstituts INSERM Caen. Denen zufolge bleibt das Langzeit-Musikgedächtnis selbst bei fortschreitenden Degenerationen, zum Beispiel durch Alzheimer, erhalten.

Möglich wurde der Instrumentalkurs durch die finanzielle Unterstützung der Rotary-Stiftung Hilden-Haan. Sie besorgte die pro Stück rund 500 Euro teuren Instrumente nebst Noten und weiterer Ausstattung. Anfangs waren das sieben Harfen, inzwischen sind sechs weitere dazugekommen: Denn seit März dieses Jahres profitieren auch Bewohner des Seniorenzentrums Hummelsterstraße vom Musik-Angebot.

„Die Idee spricht für sich, und auch die Erfahrungen zeigen uns, dass das eine prima Sache ist“, erklärt Gerhard Brüninghaus vom Rotary-Club, dessen Stiftung die Anschubfinanzierung für verschiedene andere soziale Zwecke leistet. „Es ist wichtig, den Instrumentalkurs fortzuführen“, betont Brüninghaus – und hofft auf Spender, um die jährlich knapp 6000 Euro für die Lehrkräfte stemmen zu können.

Die Bewohner – daran lässt ein kurzer Film der Organisatoren über das Projekt keinen Zweifel – würden sich freuen: „Ich bin froh, dass ich hier bin“, sagt darin eine Frau, und schiebt hinterher: „Dass ich Harfe spielen kann, macht mich glücklich.“ Und beim Spielen in kleiner Runde bleibt es nicht: Eine Aufführung gab es schon. Für die kommende Weihnachtszeit ist ein weiteres kleines Konzert geplant, hieß es weiter.