Haan: Wirtschaft will Entwicklungswege

Haan : Wirtschaft will Entwicklungswege

Beim dritten IHK-Forum ging es in Haan um die Gewerbeflächenpolitik im Kreis. Einer großen Nachfrage steht ein relativ knappes Flächenangebot gegenüber. Kreis und Kommunen versuchen aber, Unternehmenswünschen entgegenzukommen.

In den letzten 25 Jahren sind im Kreisgebiet 50 Quadratkilometer Fläche bebaut worden. Der Kreis Mettmann liegt in einer auch bei der Wirtschaft sehr stark gefragten Region. Alle zehn Städte verfügen zusammen über gerade noch 500 Hektar Gewerbeflächen-Reserven. Diese Fakten, die Landrat Thomas Hendele beim dritten Wirtschaftsforum der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf lieferte, spielten dem IHK-Vizepräsidenten Ralf Burmester nicht gerade in die Hand, der sich die Ausweisung von Gewerbeflächen unmittelbar an den Verkehrsachsen wünschte. Er regte auch die Ansiedlung von Dienstleistern und nicht störenden Unternehmen in den Innenstädten an und forderte einen Schutz emittierender Unternehmen vor heranrückender Wohnbebauung.

Erfolgreiches Marketing

"Dieser Kreis hat das Problem, den Spagat zu schaffen zwischen landschaftlicher Schönheit und wirtschaftlicher Prosperität", sagte Günter Kozlowski, Staatssekretär im NRW-Bau- und Verkehrsministerium. Konsequentes Flächen-Recycling und Bauten in die Höhe statt in die Breite seien Bausteine gegen übermäßigen Flächenverbrauch. Thomas Hendele verwies auf das erfolgreiche Marketing der Kreis-Wirtschaftsförderung bei der ExpoReal in München. In das operative Geschäft der Städte aber mische sich der Kreis nicht ein.

Wenn Unternehmen modernisiert werden, sei "Platz auch für Verkehr nötig", befand Christian Humbert, in Heiligenhaus wohnender Senior Manager des Beratungs-Unternehmens Deloitte & Touche. Hier kündigte Hendele Verbesserungen des, nach seinen Worten, bereits "exzellenten Verkehrswegesystems" an, freute sich über den anstehenden Lückenschluss der Autobahn 44, der den Nordkreis an das Autobahnnetz anschließen werde. Auch die L 239 ("heute ein Feldweg") zwischen Mettmann und Ratingen werde bald ausgebaut. Skeptisch äußerte sich Hendele zu einer verstärkten regionalen Zusammenarbeit der Städte in Sachen Gewerbegebiete: "So lange es die Gewerbesteuer gibt, wird es diese Kooperationen kaum geben." Nur eine Ausnahme existiere in Langenfeld und Monheim. Haans Bürgermeister Knut vom Bovert gab sich auch überzeugt, dass Städtegrenzen aufgebrochen werden müssten. Allerdings wolle doch jede Stadt die Gewerbesteuern selbst verbuchen. In Haan wird seit einem Jahr ein Flächenmanagement aufgebaut, das sich zunächst auf Wohnbauflächen beschränkt. Später sollen auch Gewerbeareale einbezogen werden. Denn Zweitnutzungen bestehender Betriebsflächen könnten die Ausbreitung in die Fläche bremsen, erklärte Haans Planungsamtsleiter Jürgen Rautenberg.

Wünsche an den Staatssekretär

Moderator Hartmut Glittenberg ermunterte die Gäste, dem Staatssekretär Wünsche zur Landesentwicklungsplanung mitzugeben. "Keine Bevorzugung von Großstädten", forderte Landrat Hendele, und eine verbesserte Verkehrs-Infrastruktur. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Udo Siepmann wünschte sich Rechtssicherheit in Planverfahren. Eine Anregung, die Thomas Hendele aus Erfahrung mit der CO-Pipeline ("eine Planungs-Ruine") "nur unterstreichen" wollte.

(RP)