Auf Ein Wort Alfons Holländer: Wir sind betroffen

Auf Ein Wort Alfons Holländer: Wir sind betroffen

Wir sind alle sehr betroffen! So lautet ein Standardsatz, wenn zu einer Katastrophe, wie in diesen Tagen in Münster geschehen, man von offizieller Seite Stellung nimmt. Dieser Satz klingt eher stereotyp, obwohl er die große innere Erschütterung zum Ausdruck bringen will. Aber was sollen Menschen der Öffentlichkeit schon anderes sagen, wenn es ihnen angesichts des großen menschlichen Leides die Sprache verschlagen hat? Vielleicht wäre Schweigen oft das Bessere. Im privaten Bereich ist öfters das Wort zu hören: "Das hat mich sehr berührt!" Gefühle werden da angesprochen, Trauer und Schmerz ebenso wie Glück und Faszination. Berührt sein - da klingt der Körperkontakt mit. Das geht mir nah, ja vielleicht geht es mir sogar bis ins Innerste, was ich da erlebt habe. Berührt sein - es rührt mich an - da geschieht etwas mit mir, es verändert mich, gibt mir einen neuen Blick für eine Situation, ja vielleicht für mein Leben. Steckt da nicht eine große Sehnsucht in uns Menschen, nach Nähe, nach persönlich Angesprochensein darin? In einer Welt wo ich in Anonymität einer Nummer verschwinde. Wo ich oft fühle, ich bin nur ein Rädchen im Getriebe der Zeit. Wo trotz medialer Vernetzung in sozialen Netzwerken das persönlich Du fehlt.

Jesus lässt sich berühren. Der Apostel Thomas glaubte erst, als er seine Wunden berühren durfte. Jesus will auch uns nahe sein, besonders dann, wenn wir wie Thomas Suchende sind: in der Nacht meiner Zweifel, meiner Ängste, im Hadern mit meinem Schicksal. Wir dürfen ihm vertrauen. Er ist uns nahe, auch wenn wir ihn nicht sehen.

DER AUTOR IST PFARRVIKAR IN CHRYSANTHUS UND DARIA ZU HAAN UND ST. JACOBUS ZU HILDEN

(RP)
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