Hilden: Winnenden hat viel bewegt

Hilden: Winnenden hat viel bewegt

Der Amoklauf wird heute an der Emil-Barth- und wohl auch anderen Schulen im Unterricht thematisiert. Am Haaner Schulzentrum soll jetzt eine Sozialarbeiterin Mobbing-Opfer stützen und präventiv auf potenzielle Täter einwirken.

hilden / haan Heute jährt sich der Amoklauf von Winnenden, bei dem ein Realschüler 15 Menschen und sich selbst erschossen hat. Ein Sonderausschuss des baden-württembergischen Landtages stellte jetzt einen Abschlussbericht vor, wie "Amokläufe weniger wahrscheinlich werden" könnten. Ein hehres Ziel, das auf fünf Aspekten basiert, die auch für Haan und Hilden Relevanz haben.

Gewaltprävention Streitschlichterseminare und soziale Kompetenztrainings werden schon an vielen Grundschulen angeboten. In den weiterführenden Schulen von Haan und Hilden ist der Düsseldorfer Theaterpädagoge Simon Steimel mit seinem Deeskalationstraining schon seit 2006, dem Amoklauf von Emsdetten, in den Klassen Fünf bis Sieben regelmäßiger Gast. Und Susanne Hentschel von der Fachstelle "Prävention gegen Gewalt" der Psychologischen Beratungsstelle in Hilden sensibilisiert Eltern, bevor die Kinder zu Mobbing-Opfern werden. Seit anderthalb Jahren gibt es überdies zwei neue Schulpsychologinnen für den gesamten Kreis.

Zugang zu Waffen Weil Amokläufer Tim K. die ungesicherte Tatwaffe aus dem Schlafzimmer seines Vaters entwenden konnte, wird dieser jetzt wegen fahrlässiger Tötung zur Verantwortung gezogen. Ein Verstoß gegen das Waffengesetz, den auch Harald Biesgen "aufs Schärfste verurteilt". Der Vorsitzende der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft in Hilden betont, dass Jungschützen ab zwölf Jahren durch speziell ausgebildete Schießleiter betreut werden. "Wer nur zum Herumballern in den Verein kommen will, wird als Mitglied abgelehnt."

  • Kommentar : "Mobbing ist nur der Anfang"

Gewaltdarstellung in den Medien "Wir alle sind seit Winnenden wachsamer geworden, was mögliche Fehlentwicklungen angeht", spricht Gesamtschulleiterin Anne Ackers-Weiß für sich und ihre 107 Kollegen. Sie habe bereits postalisch an die Eltern ihrer 1300 Schüler appelliert, sich einzumischen, wenn die Kinder stundenlang vor dem Computer sitzen oder an der Konsole spielen. Isolation und Realitätsverlust, bei Ego-Shooter-Spielen auch schwindende Ehrfurcht vor dem Leben, können die Folge sein, warnen Medienpädagogen.

Sicherheitsmaßnahmen an Schulen Im Zuge der Amok-Prävention hat beispielsweise die Stadt Haan 70 Beschläge an den Türen zu Klassenräumen und Büros im Schulzentrum Walder Straße austauschen lassen. Zur Flurseite gibt es nur noch einen Knauf, damit Unbefugte nicht einfach in die Räume stürmen können. Kostenpunkt: 5000 Euro. Die "Notfallpläne", mit denen NRW-Schulministerin Barbara Sommer nach dem Amoklauf in Emsdetten die Schulen des Landes ausrüsten wollte — ein orangefarbener Ringbuchordner, der "Handlungsvorschläge" für dramatische Ausnahmesituationen enthält —, ist im Evangelischen Schulzentrum Hilden bis heute nicht angekommen. Dort existiert ein eigener Notfallplan.

Stärkung des elterlichen Erziehungsauftrages Familienzentren, die VHS Hilden / Haan, konfessionelle und Bildungseinrichtungen der Wohlfahrtsverbände bieten immer wieder Vorträge und Seminar zu erziehungsrelevanten Themen an. Der Kinderschutzbund zeichnet überdies "Wege durch den Mediendschungel" auf und gibt Tipps für "Starke Eltern — starke Kinder".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Reaktionen zum Amoklauf in Winnenden von Schülern und Lehrern

(RP)