Wielpütz-Mitarbeiter in Sorge: Weihnachtsfest mit Schatten

Hilden : Wielpütz-Mitarbeiter in Sorge

Angestellte stehen nach Insolvenz-Nachricht vor unruhigen Weihnachtstagen.

(tobi) Die Stimmung am Tag nach Anmeldung der Insolvenz ist bei den Wielpütz-Mitarbeitern gedrückt. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt einer von ihnen, als er Frühstückspause vor dem Tor der Firma an der Max-Volmer-Straße macht. Seinen Namen möchte er – wie seine Kollegen ebenfalls – nicht in der Zeitung lesen.

Am Mittwoch hatte der Autozulieferer seine Insolvenz bekanntgegeben. Das Düsseldorfer Amtsgericht gab dem Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung statt. Die 850 Mitarbeiter an den Standorten in Hilden und Haan bekommen bis Ende Februar Insolvenzgeld der Arbeitsagentur, ab März muss die Firma die Löhne und Gehälter wieder selbst schultern.

Als Grund für die finanzielle Schieflage nannten die Beteiligten den Umbruch am Automarkt und die generelle Kritik am Verbrennungsmotor. Wielpütz stellt unter anderem Ölleitungen, Ölmessstäbe, Rohre und Pedale her.

„Uns wurde die Nachricht in einer Betriebsversammlung am Mittwoch mitgeteilt“, erklärt ein Mitarbeiter. Die drohende Insolvenz ist seitdem Gesprächsthema Nummer eins unter den Kollegen. „Ich kann nachvollziehen, dass die Menschen weniger Autos kaufen – bei den Skandalen in der Automobilbranche...“, sagt ein 30-Jähriger. Aber Wielpütz habe sich breit aufgestellt, nicht nur einen oder zwei Kunden in der Branche als Auftraggeber. „Ich denke positiv. Das wird schon wieder“, erklärt der Mann.

Wielpütz hat ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt, eine „Insolvenz light“ sozusagen. Laut einer Studie schaffen es rund zwei Drittel der Unternehmen wieder auf die Beine. Die Geschäftsführung bleibt bei dieser Variante vorerst an Bord, steht nun aber verstärkt unter Zugzwang. Ihr zur Seite gestellt ist der Anwalt Nikolaos Antoniadis als sogenannter Sachwalter, der vom Gericht bestellt wurde. Er zeigte sich in einer ersten Stellungnahme zuversichtlich, dass die Firma eine Perspektive habe.

Auf die Mitarbeiter kommen ungewisse Monate zu: „Wir geben immer alles und arbeiten ganz normal weiter“, sagt ein Wielpütz-Kollege. Das sei das Mindeste. Welche Einschnitte es für die Belegschaft geben wird, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um das strauchelnde Unternehmen wieder zu stabilisieren, das werden die nächsten Wochen zeigen.

Zunächst aber steht das Weihnachtsfest vor der Türe. „Wir haben alle Familie – und wir werden natürlich auch ganz normal Weihnachten feiern“, sagt ein Mitarbeiter. „Dieses Jahr hat das Fest aber einen Schatten“

Mehr von RP ONLINE